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25. Juli 2008

Kinderpornografie in Frankfurt: Nicht auf dem Schirm der Fahnder

Udo Bühler ist Sprecher des hessischen Landeskriminalamtes in Wiesbaden.  Foto: Privat

Ganze zwei Jahre brauchen die Ermittler, bis sie den Rechners eines Verdächtigen untersucht haben - und Kinderpornografie finden. In dieser Zeit arbeitet der Frankfurter in einer Kita. Wie kann das sein? Das Landeskriminalamt erklärt.

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Zur Person

Udo Bühler (46) ist Sprecher des hessischen Landeskriminalamts in Wiesbaden. Dort arbeitet seit einem Jahr eine Internet-Task-Force

In Eschborn wurde ein mutmaßlicher Kinderschänder verhaftet, der dort als Erzieher in einer Kindertagesstätte tätig war. Die Polizei hatte Kinderpornos auf seinem Computer entdeckt.

Den Rechner hatten Beamte bereits vor zwei Jahren beschlagnahmt, aber erst jetzt ausgewertet. Wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs sitzt der 44-jährige Frankfurter nun in Untersuchungshaft.

Die Polizei hat zwei Jahre benötigt, um den beschlagnahmten Computer eines Frankfurters nach Kinderpornografie auszuwerten. Der arbeitete als Erzieher, gab Yoga-Kurse für Kinder. Dauert das immer so lang?

Das hängt vom Fall ab. Wir haben Fälle, bei denen die Datenmenge sehr groß ist oder versucht worden ist, die Daten zu zerstören. Es gibt Datenträger, die Passwort-geschützt sind. Wir kommen da zwar dran, aber das ist wesentlich aufwendiger und langwieriger.

Aber zwei Jahre?

Grundsätzlich werten wir nach Datum des Eingangs aus. Wenn wir eine Priorisierung haben, wird der vorgezogen - zum Bespiel wenn jemand in Untersuchungshaft sitzt, es sich um eine schwere Straftat handelt oder die Fahndungsmaßnahmen davon abhängen. Das hat dann zur Folge, dass andere Fälle liegenbleiben.

Haben Sie als Landeskriminalamt (LKA) den Fall des 44-Jährigen Frankfurter bearbeitet?

Die Bearbeitung und die Auswertung erfolgte durch das Polizeipräsidium Frankfurt. Natürlich ist der Fall dem LKA bekannt.

Wie kann es dann sein, dass der Mann trotzdem von der Stadt Eschborn als Erzieher eingestellt wurde, ohne dass der Verdacht gegen ihn von Behörde zu Behörde kommuniziert wurde?

Ich weiß nicht, ob eine Anfrage oder ein Austausch stattgefunden hat, ob bei der Behörde in Frankfurt wegen eines Führungszeugnisses nachgefragt wurde.

Wie werden Fahnder auf Kinderpornografie im Internet aufmerksam?

Es kann sein, dass wir bei der Internetrecherche auf jemanden stoßen, der solche Seiten besucht. Dann gehen wir genauso vor, wie bei Hinweisen aus der Bevölkerung. Entweder der Fall wird zentral beim LKA bearbeitet, oder wir geben ihn an das zuständige Polizeipräsidium weiter.

Wie groß ist das Spezialisten-Team bei der hessischen Polizei?

Hier im Landeskriminalamt haben wir zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In den sieben Polizeipräsidien noch Internetkommissariate. Neben den sachbearbeitenden Einheiten haben wir seit vergangenem Jahr eine Internet-Task-Force. Die recherchiert anlassunabhängig im Internet, was zunächst nur das Bundeskriminalamt (BKA) alleine gemacht hat; inzwischen wird auch von anderen Bundesländern anlassunabhängig recherchiert. Wir haben in Hessen derzeit den Schwerpunkt gewaltverherrlichende Spiele. Wir versuchen zu ermitteln, wer möglicherweise verbotene Spiele vertreibt oder runterlädt. Bayern sucht nach Kinderpornografie. Wenn die Bayern oder das BKA einen Fall mit hessischem Bezug finden, würde der zu uns gemeldet.

Wie können die Fahnder ausschließen, dass jemand nur versehentlich auf eine Seite für Pädophile gekommen ist?

Das lässt sich durchs Internetprotokoll nachvollziehen. Es gibt darüber Auskunft, wie lange jemand auf einer Seite war, ob er Daten runtergeladen hat. Dazu muss man den Rechner auswerten.

Unter welchen Bedingungen dürfen Sie Wohnungen durchsuchen und Computer beschlagnahmen?

Wenn ein Tatverdacht vorliegt, mit dem wir die Staatsanwaltschaft überzeugen können, dass eine Hausdurchsuchung vermutlich zum Auffinden von Beweismitteln führen wird. Dann wird von dort beim Gericht ein Durchsuchungsbeschluss beantragt. Der Betroffene muss tatverdächtig sein, mit Kinderpornografie zu handeln oder sie zu besitzen.

Wie oft gibt es solche Hausdurchsuchungen in Hessen?

Darüber habe ich keine Zahlen.

Wie können die Fahnder die Opfer von Kinderpornografie ausfindig machen?

Das ist sehr schwierig. Über Bildhintergründe oder irgendwelche Besonderheiten am Opfer versuchen wir sie zu identifizieren. Wir hatten auch mal ein Filmdokument im Internet, wo im Hintergrund das Jingle von Radio FFH zu hören war. Darüber konnte man einkreisen, dass es wohl ein hessischer Fall ist. Über weitere Ermittlungen sind wir damals auf ein Ehepaar gestoßen, das die Bilder ins Netz gestellt hatte.

Das Internet kennt keine Ländergrenzen. Wie funktioniert der internationale Informationsfluss?

Über das BKA. Der von mir eben geschilderte Fall zum Beispiel ist in Thailand entdeckt und über das BKA zu uns gekommen.

Interview: Jutta Rippegather

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