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Kinderschutzbund greift durch: Ex-Odenwaldschüler entlassen

Der Frankfurter Kinderschutzbund hat sich von seinem Geschäftsführer Florian Lindemann getrennt. Grund sind dessen verharmlosende Äußerungen über Missbrauchsfälle an der südhessischen Odenwaldschule.

Der Frankfurter Kinderschutzbund hat sich von seinem Geschäftsführer Florian Lindemann getrennt.
Der Frankfurter Kinderschutzbund hat sich von seinem Geschäftsführer Florian Lindemann getrennt.
Foto: Oeser/FR

Frankfurt am Main. Florian Lindemann hat mit sofortiger Wirkung seinen Posten als Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) im Bezirk Frankfurt am Main verloren. Lindemann, ehemaliger Schüler der Odenwaldschule (OSO), steht wegen seines Verhaltens bei der Aufdeckung von Missbrauchsfällen an der Schule in der Kritik. Die Kündigung sei die "am wenigstens schädliche Alternative", begründete Ludwig Salgo, stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

Der sechs Personen zählende Vorstand des Bezirksverbands habe den Beschluss einstimmig gefasst. Es habe die Gefahr bestanden, dass das "Markenimage" des Kinderschutzbundes bei einem Verbleib Lindemanns beschädigt worden wäre, so Salgo. Zweifel an der Qualität der Arbeit Lindemanns, der seit 2003 den Bezirk leitete, habe es nicht gegeben.

Lindemann wird seine Reaktion auf die Berichterstattung der FR im Jahr 1999 zur Last gelegt. In seiner damaligen Funktion als Altschülersprecher hatte Lindemann die Veröffentlichung von Missbrauchsvorwürfen an den früheren OSO-Leiter Gerold Becker scharf kritisiert und in einem Leserbrief von "Sensationsjournalismus" und "Missbrauch des Missbrauchs" geschrieben. Der Ex-Odenwaldschüler Adrian Koerfer hatte ihm im FR-Interview kürzlich vorgeworfen, Täter geschützt und die Vorkommnisse geleugnet zu haben. Lindemann hatte sich von seinem damaligen Verhalten schriftlich distanziert und vor knapp einer Woche im Gespräch mit der FR eingeräumt, Hinweisen auf Missbrauch nicht nachgegangen zu sein.

Heinz Hilgers, Präsident des Bundesverbands des DKSB, begrüßte die Entlassung. Er habe dem Bezirksvorstand zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen geraten. "Sein Verhalten von 1999 entspricht nicht unserem Leitbild", sagte Hilgers der FR. Es dürfe nicht darum gehen, Institutionen zu schützen, wie Lindemann dies getan habe. Er habe nicht genug zur Aufklärung beigetragen, sagte Verone Schöninger, hessische Landesvorsitzende des DKSB. Es sei nötig gewesen, "einen Schlussstrich zu ziehen". Lindemann wollte sich auf Anfrage nicht zu den Ereignissen äußern.

Lehrer will OSO "Ruhe gönnen"

Unterdessen hat ein Lehrer der OSO, der vertrauliche Daten an einen des sexuellen Missbrauchs von Schülern Beschuldigten weitergegeben hatte, eigenen Angaben zufolge die Leitung der täglichen Konferenzen an der Schule niedergelegt. Er wolle der Institution Ruhe gönnen, sagte der 58-Jährige.

Autor:  Peter Hanack
Datum:  15 | 4 | 2010
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