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Kindesmissbrauch: Rheinland-Pfalz zahlt Millionen an misshandelte Kinder

Hunderttausende Heimkinder wurden im Nachkriegsdeutschland geschlagen, zu Zwangsarbeit herangezogen und zum Teil sexuell missbraucht. Rheinland-Pfalz zahlt nun knapp 3,3 Millionen Euro für die Entschädigung der Opfer.

Hunderttausende Heimkinder wurden im Nachkriegsdeutschland geschlagen, zu Zwangsarbeit herangezogen und zum Teil sexuell missbraucht. Rheinland-Pfalz zahlt nun knapp 3,3 Millionen Euro für die Entschädigung der Opfer.
Hunderttausende Heimkinder wurden im Nachkriegsdeutschland geschlagen, zu Zwangsarbeit herangezogen und zum Teil sexuell missbraucht. Rheinland-Pfalz zahlt nun knapp 3,3 Millionen Euro für die Entschädigung der Opfer.
Foto: dpa
Mainz –  

Rheinland-Pfalz stellt in den kommenden fünf Jahren knapp 3,3 Millionen Euro für die Entschädigung misshandelter ehemaliger Heimkinder bereit. Rund 2,3 Millionen Euro gehen in einen bundesweiten Fonds, mit dem Rentenersatz- oder Sachleistungen für Betroffene finanziert werden, wie Familienministerin Irene Alt (Grüne) am Montag in Mainz sagte. Hintergrund ist, dass einige Betroffene als Jugendliche gearbeitet hatten, ohne dass Rentenbeiträge eingezahlt worden waren. Das übrige Geld fließe etwa in eine zentrale Anlaufstelle für misshandelte ehemalige Heimkinder. Zudem soll das Geschehene aufgearbeitet und dokumentiert werden.

Fast alle Opfer sind bis heute traumatisiert

Das Land setzt damit die Empfehlungen des „Runden Tisches Heimerziehung“ um. Diese waren im Abschlussbericht an den Bundestag im Januar 2011 zusammengefasst worden. Es wird geschätzt, dass in Rheinland-Pfalz zwischen den 1950er und 1970er Jahren bis zu 40.000 Menschen in Heimen lebten. Wie viele misshandelt wurden, ist unklar. „Das waren systematische Verletzungen der Menschenwürde“, sagte Ministerin Alt. Fast alle Opfer seien bis heute traumatisiert.
Von Januar an soll die zentrale Anlaufstelle für Betroffene beim Landesjugendamt Auskunft zu Hilfeleistungen geben. Dazu zählen etwa individuelle Therapien oder die Bezahlung eines Rollstuhls. Zudem soll das Gespräch mit Betroffenen gesucht werden - und zwar dort, wo es die Opfer wünschen. „Das kann auch in einem Café sein“, sagte Alt. Die Opfer hätten schlechte Erfahrungen mit Jugendämtern gemacht, so dass die Hemmschwelle für einen Behördengang hoch sei.

Nur 20 Betroffene haben sich gemeldet

Bislang haben sich nach Angaben des Leiterin des Landesjugendamtes, Birgit Zeller, in Rheinland-Pfalz nur 20 Betroffene bei den Behörden gemeldet. Mit der künftig zentraleren Struktur soll die Zahl erhöht werden. Auch derzeit in Heimen lebende Jugendliche sollen sich bei Problemen an die neue Stelle wenden können. Ein landesweiter Beirat aus Betroffenen sowie Vertretern aus Politik, Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und Wissenschaft wird die Umsetzung der Empfehlungen in Rheinland-Pfalz begleiten. (dpa)

Datum:  21 | 11 | 2011
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