Muslimische Kinder haben in Hessen kaum eine Chance, katholische Schulen zu besuchen. Das bestätigen Vertreter der Bistümer Mainz und Limburg. Er sehe keinen Grund, wieso muslimische Eltern ihre Kinder auf eine christliche Schule schicken sollten, sagt Eckhard Nordhofen, Dezernent für Bildung und Kultur im Bistum Limburg, das fünf Gymnasien und zwei weitere Schulen betreibt - unter anderem in Limburg, im Taunus und Rheingau.
Auch in den rund 25 Schulen in Trägerschaft des Bistums Mainz "kommen in der Regel muslimische Schüler nicht zum Zuge", sagt dessen Pressesprecher Tobias Blum. Dazu gehört die Marienschule in Offenbach, eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe samt Berufsfachschule ausschließlich für Mädchen.
Schulen in kirchlicher Trägerschaft sind meist anerkannte Ersatzschulen - das heißt, sie dürfen Zeugnisse geben, erhalten 85 Prozent der Personalkosten und haben laut Schulgesetz (§ 173) "bei der Aufnahme von Schülerinnen und Schülern die für öffentliche Schulen gegebenen Anordnungen zu beachten".
Das hessische Kultusministerium weist dazu aber auf den Kommentar zum Gesetz hin: " Auch die anerkannte Ersatzschule bleibt in der Entscheidung frei, welche Schülerinnen und Schüler sie aufnimmt, sofern sie nach den für öffentliche Schulen geltenden Vorschriften geeignet sind, diese Schule zu besuchen. Unter den Geeigneten kann die Schule nach eigenen Kriterien - zum Beispiel nach der Konfessionszugehörigkeit, nicht aber nach dem Einkommen der Eltern - auswählen und per zivilrechtlichem Vertrag das Schulverhältnis begründen." (ran)
Dass sich dort kürzlich ein muslimischer Vater beschwerte, weil seine Tochter aus religiösen Gründen nicht aufgenommen worden sei, rief die Fraktion der Linken auf den Plan. Angesichts der großen Zahl von Muslimen in Offenbach kritisiert sie die Ablehnung und sieht darin "alle Anzeichen der Willkür".
Dem widerspricht Schulleiterin Marie Luise Trocholepczy und verweist auf das Profil der Schule: Diese wolle die Schülerinnen befähigen, "ein Leben aus dem Glauben zu führen und die Welt aus christlicher Verantwortung mitzugestalten". Dazu gehörten christlicher Religionsunterricht, Gottesdienste und das Kruzifix im Klassenraum. Ob die Eltern, auf deren Mitwirkung großer Wert gelegt werde, Erziehungsziele und Werte mittrügen, werde in ausführlichen Gesprächen erforscht: "Wir gucken da, wer zu uns passt." Nach Überzeugung Trocholepczys hätten Muslime, die "ihre Religion ernst nehmen", mit dem beschriebenen Profil "vielleicht Probleme". So sind unter den 1100 Schülerinnen laut Leiterin nur eine Handvoll Musliminnen - und die "müssen einen christlichen Elternteil haben".
Eine Ausgrenzung sieht Trocholepczy darin nicht. Und ist sich mit Professor Nordhofen von Bistum Limburg einig. Seiner Meinung nach ist die Ablehnung muslimischer Schüler keine Diskriminierung, sondern positives Auswahlkriterium: das christliche Profil. In einer Gesellschaft müsse es auch Gruppen geben, "die sich profilieren können", sagt er. Sonst stelle sich die Frage, wieso die Kirche Kirchensteuern ausgeben solle, "wenn sie dann eine Schule macht wie alle anderen auch".
Das sieht die evangelische Landeskirche EKHN für ihre zwei Gymnasien und zwei Grundschulen anders: "Wir betreiben die Schulen nicht als evangelische Kaderschmieden", sagt ihr Pressesprecher Stephan Krebs. Es gehe darum, ein Bildungsangebot "auf dem Boden unserer evangelischen Einsichten modellhaft zu leben". Zwar wählen auch die Protestanten aus, "Konfession oder Religion" seien jedoch keine Kriterien. Klar sei, dass die Muslime am christlichen Religionsunterricht teilnehmen müssen.
Verpflichtung zum Religionsunterricht besteht auch für Muslime, die in das von den Franziskanern geführte katholische Kreuzburg-Gymnasium in Großkrotzenburg gehen. Sind sie dazu bereit, sei der Besuch "prinzipiell möglich", sagt Schulleiter Walter Lütgehetmann. Im ländlichen Einzugsbereich komme es zwar selten vor, aber es habe muslimische Schüler gegeben. Für den Religionslehrer Lütgehetmann, der früher im multikulturellen Offenbach unterrichtete, ist das eine Möglichkeit der religiösen Begegnung. So sehen das auch die sechs katholischen Kitas in Offenbach: Muslime seien willkommen, weil die Kinder in der Kita auf das "Abbild der Gesellschaft" treffen sollen, sagt Dekan Michael Kunze.
Rechtlich sind die katholischen Privatschulen laut Kultusministerium auf der sicheren Seite. Obwohl sie Geld vom Staat bekommen, sagt Vize-Pressesprecher Alexander Hirt, seien anerkannte Ersatzschulen "relativ frei bei der Entscheidung, welche Schüler sie aufnehmen".

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