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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

22. Juli 2014

Kitas in Wiesbaden und Idstein: Die Farfalle sind Schuld

 Von 
In Wiesbaden und Idstein waren mehrere Kindertagesstätten nach dem Vorfall zeitweise geschlossen worden (Symbolbild).  Foto: Michael Schick

Lebensmittelchemiker haben die Ursache für die rätselhafte Erkrankung von 60 Kindern in vier Kitas in Wiesbaden und Idstein gefunden: Ein Labor hat Toxine in Farfalle-Nudeln nachgewiesen.

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Das Toxin

Cereulid ist ein Toxin, das sich aus dem Bacillus cereus entwickelt. Das Gift wird entweder im Darm oder aber bereits im Lebensmittel gebildet.

Entsteht das Gift bereits im Lebensmittel, ist dafür meist schlechte Kühlung oder zu geringe Temperatur bei der Zubereitung verantwortlich.

Fertig-Produkte und Vorgekochtes sind daher besonders anfällig für die Bildung von Cereulid. (alö)

Wiesbaden/Idstein –  

Die Ursache für die bislang rätselhafte Erkrankung von mehr als 60 Kita-Kindern, Schülern und Erziehern in Wiesbaden und Idstein ist gefunden: Ein am 18. Juni in den Einrichtungen serviertes Nudelgericht war nach Angaben der Wiesbadener Stadtverwaltung mit dem Toxin Cereulid verseucht. Alle betroffenen Kitas sowie die Schulkantine wurden von der gemeinnützigen Job GmbH beliefert. Der Caterer gehört zur Stiftung „Inklusion durch Förderung und Betreuung“ (IFB).

Die Kinder und wenige Erwachsene klagten an diesem Tag über Erbrechen und Durchfall. Sie wurden zum Teil im Krankenhaus behandelt. Schon damals stand das Essen als Auslöser unter Verdacht, allerdings belegten erste Tests diese These nicht. Das für dieses spezielle Toxin nötige Untersuchungsverfahren ist laut Stadtverwaltung neu und wird in Hessen noch nicht angewandt. Entwickelt wurde das Verfahren im Kantonslabor Basel. Damit es überhaupt zu Vergiftungen mit Cereulid kommen kann, muss nach Angaben von Philipp Hübner, Kantonschemiker beim Gesundheitsdepartement Basel-Stadt, ein mit dem Bakterium „Bacillus cereus“ belastetes Lebensmittel verwendet werden. Diese Bakterium sei für die Bildung des Gifts verantwortlich.

Caterer räumt Fehler ein

Hergestellt wurden die Nudeln von der Byodo Naturkost GmbH im bayerischen Mühldorf. „Bei der Herstellung von Trockenteigwaren herrschen aber in der Regel keine für das Wachstum des Bakteriums günstigen Bedingungen“, sagte Hübner der FR.

Der Hersteller Byodo teilte auf Anfrage mit, dass das Qualitätsmanagement keine nachweisbaren Keime in der Trockenware gefunden habe. Das lenkt den Verdacht auf die Job GmbH: Falsche Lagerung oder Zubereitung könnten laut Byodo dafür verantwortlich sein, dass sich die nicht nachweisbare Bakterienmenge in eine kritische Masse verwandle, die genug Gift in toxischer Menge bildet. Diese These stützt das Kantonslabor mit aktuellen Forschungsergebnissen: „Betroffen sind vor allem erhitzte oder vorgekochte Speisen, die nicht ausreichend gekühlt, bei zu tiefen Temperaturen warmgehalten oder zu lange bei Raumtemperatur stehen gelassen werden.“

Mehr dazu

Beatrix Giesecke, Geschäftsführerin der Job GmbH, räumte ein, dass dies der Fall gewesen sein könnte. Die Sporen des Bakteriums könnten laut Giesecke auch nach dem Kochen noch auskeimen, wenn danach nicht sehr niedrige Temperaturen (minus sieben Grad Celsius) oder sehr große Hitze (65 Grad Celsius) vorliegen. „Diese Bedingungen waren bei den von unserer Küche am 18. Juni verarbeiteten Nudeln teilweise nicht gegeben. In der Konsequenz kam es zu den Erkrankungen. Wir bedauern die Vorfälle sehr“, sagt Giesecke.

Stellungnahmen der Stadtverwaltungen in Wiesbaden und Idstein zu möglichen Konsequenzen aus diesem Vorfall waren bis Redaktionsschluss nicht erhältlich. Die erkrankten Kinder und Erwachsenen sind schon lange wieder wohlauf.

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