Eine Zahl, die Träume zerstört: 1,4. So hoch war der Numerus Clausus (NC), als Katja Leber 2002 ihr Studium Theater-, Film- und Medienwissenschaften aufnahm. "Eins komma vier", kaum hat die 27-jährige wissenschaftliche Mitarbeiterin diese Zahl offenbart, macht sich Unruhe breit in Hörsaal 2. Die Schülerinnen und Schüler, die an diesem Tag gekommen sind, um sich über den Studiengang zu informieren, beginnen zu tuscheln.
"So hoch, das schaff ich nie." Der 18-jährige Felix blickt erstaunt und ein wenig hilflos um sich. Und dann, ganz plötzlich, mischt sich in das Flüstern ein Klappern aus den hinteren Reihen: Die Klappsitze schellen der Reihe nach hoch. Die Ersten wollen schon gehen. 1,4 - das erscheint ihnen unerreichbar.
Zum 32. Mal finden bis zum heutigen Mittwoch die Infotage an der UniFrankfurt statt, Programm: http://web.uni-frankfurt.de/zsb/infotage/.
Die Aktion ist eine Initiative der Frankfurter Hochschulen und der Agentur für Arbeit.
Schüler konnten in verschiedene Studiengänge hineinschnuppern und sich über alles rund ums Studentenleben - vom Auslandssemester in Japan oder Australien bis zum Studieren neben dem Beruf - informieren. ( ems)
"Stopp", ruft Dieter Leonhard von unten den Flüchtlingen zu. "Es gibt erstens noch andere Unis und zweitens: Wenn Sie wirklich Begabung haben, dann sollte der NC keine Hürde sein", erklärt der Berufsberater der Agentur für Arbeit. Die Sitze klappen wieder runter. Festgesetzt hat sich trotzdem eines: Theater wird einem nicht geschenkt.
Psychologie - heiß begehrt
Zur gleichen Zeit lauschen in Hörsaal 1 Lena, Patrick und Sarita dem Mustervortrag Psychologie. Sie haben es sich gemütlich gemacht mit Getränken und Keksen. Die Drei sind schon seit Beginn der Woche an der Goethe-Uni, um sich über Studiengänge zu informieren. "Ich weiß schon ganz genau was ich will: Psychologie", sagt Lena. Falls sie den Numerus Clausus packt. Denn der liegt im Einserbereich. Patrick liebäugelt mit Pädagogik, Sarita wünscht sich "irgendwas mit Entwicklungshilfe".
Doch so richtig sicher wirkt noch keiner der drei Oberstufenschüler. Der Votrag ist gut besucht. Kein Wunder, denn Psychologie ist in Deutschland heiß begehrt, Die Bewerberzahl übersteigt die freien Plätze bei weitem.
Unweit des Hörsaals, auf dem Flur im Treppenhaus des neuen Hörsaalzentrums, steht Vanessa. "Ich bin ein wenig spät", sagt das Mädchen in Lederjacke und Karohemd lächelnd. Die 18-Jährige aus Bad Vilbel weiß, was sie will: "Theater-, Medien- und Filmwissenschaften studieren." Zielstrebig steuert sie auf Hörsaal 2 zu. I
n dem ausladenden Raum hat mittlerweile die Fragestunde mit Katja Leber begonnen. Die Atmosphäre ist wieder lockerer, statt Klappsitz-Klappern herrscht interessierte Stille. Einige Schüler sind schon gegangen, zur nächsten Vorlesung oder zur Caféteria, Andere stoßen während des Vortrags dazu. So auch Patrick, Lena und Sarita, die mit ihren Schokokeksen und spitzen Ohren weit vorne sitzen.
"Wer Schauspieler, Regisseur oder Autor werden will, ist hier falsch." Leber betont immer wieder, dass der Studiengang theoretisch ausgerichtet sei. Vanessa nickt versonnen: "Genau das richtige für mich." Das ist aber erst jetzt so. "Die vielen Möglichkeiten haben mich regelrecht erschlagen." Eine Berufsberatung bei der Bundesagentur für Arbeit half ihr. Vanessa ist kein Einzelfall: "Unser Bedarf ist in den letzten Jahren extrem gestiegen", sagt Berufsberater Leonhard.
Letztendlich geht es darum, Orientierung zu finden. Einige sind am diesem Tag auf dem Campus Westend fündig geworden. Andere müssen noch ein wenig weitersuchen.

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