Sabine Wahl redet noch immer nicht so gerne öffentlich darüber. Deshalb haben wir auch ihren Namen geändert. Jedenfalls war es ihr über die Maßen peinlich, als ihr Ältester vor zwei Jahren mit seinem Oberstufenkurs auf Studienfahrt nach Florenz fuhr - und sie ihre Mutter dafür um einen Zuschuss anpumpen musste. "Die Fahrt war wohl klasse", sagt Sabine Wahl. "Aber auch ganz schön teuer." Inklusive Taschengeld für Eis und Pizza kostete die Woche Italien knapp 600 Euro - zu viel für Sabine Wahl und ihre drei Kinder, die mit dem Unterhalt von ihrem geschiedenen Mann "gerade so über die Runden kommt", wie sie berichtet.
Die 43-Jährige ist selbst viele Jahre lang Elternbeirätin gewesen und weiß, dass es nicht nur ihr so geht, wenn die Kinder auf Klassenfahrt und Studienreise gehen. "Ich hätte auch beim Förderverein einen Zuschuss beantragen können", sagt sie. Aber das wäre ihr erst recht peinlich gewesen.
Die Kosten für Klassenfahrten sind in Hessen laut Erlass vom September 2003 beschränkt. Inlandsfahrten dürfen bis zu 150 Euro inklusive Fahrt, Unterkunft, Verpflegung und Eintritten kosten, Auslandsfahrten höchstens 225 Euro. Bei lange angekündigten Fahrten steigen die Beträge auf 300 und 450 Euro.
Die finanziellen Möglichkeiten der Eltern müssen bei der Wahl des Ortes und der zu erwartenden Kosten vorrangig berücksichtigt werden. Meist wird auf einem Elternabend geklärt, welchen Betrag die Eltern bereit sind aufzubringen. Abstimmungen dazu müssen geheim sein.
In vielen Schulen gibt es zudem einen Fonds, der Bedürftige auf Antrag unterstützt. Die Teilnahme ist Pflicht. Davon können Schüler nur aus wichtigen Gründen befreit werden.
Für Hartz-IV-Empfänger hat das Bundessozialgericht jetzt im Falle eines Berliner Schülers entschieden, dass die Kosten in voller Höhe von den Jobcentern übernommen werden müssen - aber auch für Eltern, die noch ein Stück über dem Sozialhilfe-Niveau leben, sind die schulischen Exkursionen ihrer Kinder nicht immer leicht zu bezahlen.
"Bei vielen ist schon das Geld für Schere, Klebstoff oder neue Hefte knapp", berichtet Detlef Lack, Leiter der Albert-Schweitzer-Schule in Frankfurt. "Die Leute haben einfach weniger Geld in der Tasche, wir haben deshalb schon die Zahl der Fahrten reduziert", sagt er.
Nun sind Schulwanderungen und -fahrten aber auch "wichtige Elemente des Bildungs- und Erziehungsauftrags der Schulen", wie es der entsprechende Erlass des Kultusministeriums formuliert. Schulen sollen auf ein Leben in einer immer stärker vernetzten Welt vorbereiten, Studienfahrten ins Ausland schon der Sprache wegen sind gerade aus den Oberstufen und den Klassen der Europaschulen nicht wegzudenken. Aber es gibt auch andere Motive als allein pädagogische.
"Bis zur 7. Klasse geht es vor allem um Erlebnispädagogik, darum, den Klassenverband zu stärken beim Floßbauen oder der Kanutour. Dafür genügt den meisten eine Fahrt innerhalb Deutschlands", berichtet Carsten Herold, Geschäftsführer des Reiseveranstalters Herolé, der im Internet zahlreiche Pakete für Schulklassen anbietet. "In der 9. und 10. Klasse und den Abschlussfahrten aber zählen Strand, Meer und Sonne", sagt Herold. Vor allem Flugreisen seien immer stärker gefragt, etwa nach Griechenland, Istrien oder Kroatien, "mit meeresbiologischem Programm".
Michael Damian, Referent von Frankfurts Schuldezernentin Jutta Ebeling (Grüne), mahnt die Lehrkräfte, dabei "nicht den eigenen Spaß in den Vordergrund zu stellen". Studienfahrten und auch die Erlebnispädagogik der jüngeren Semester seien in den vergangenen Jahrzehnten immer aufwendiger geworden. "Wichtig ist, dass man allen Schülern ohne große Probleme die Teilnahme ermöglicht", sagt Damian.
90.000 Euro stellt die Stadt Frankfurt jährlich Bedürftigen an Zuschüssen zu Klassenfahrten bereit. Rund 2000 Schüler und Schülerinnen profitieren davon. "Im Mai ist das ganze Geld schon weg, wir könnten leicht drei Mal so viel gebrauchen", sagt Damian. Er wirbt für den Besuch des Frankfurter Schullandheims Wegscheide. "Da war ich selbst schon acht Mal, man kann dort jede Menge erleben, Spaß haben und viel lernen", sagt Damian. "Und das für 150 Euro für eine Woche."

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