Eine gewisse Ablehnung gegenüber Frankfurt wird den Menschen in Nieder-Eschbach nachgesagt, nicht erst seit der Eingemeindung vor fast auf den Tag genau 36 Jahren. Eigenständig will man hier sein. Und im Sommer natürlich in das eigene Schwimmbad gehen, auch wenn das inzwischen von den Bäderbetrieben der ungeliebten Stadt betrieben wird.
Trotzdem hat sich das kleine Bad seinen Charakter bewahrt und passt damit zur Einstellung der unabhängigkeitsbestrebten Nieder-Eschbacher. Mit etwas mehr als 13.000 Quadratmetern hat es das kleinste Areal im Freiluftprogramm der Frankfurter Bäderbetriebe. Zum Vergleich: Die Anlage des Eschersheimer Bades erstreckt sich auf mehr als das sechsfache.
Doch wie zum Trotz haben die Nieder-Eschbacher in ihr Bad so ziemlich alles reingepackt, was ein gutes Freibad ausmacht und die begrenzten Platzverhältnisse hergeben: Vom (derzeit defekten) Drei-Meter-Brett, über eine kleine Rutsche, ein Beachvolleyball-Feld, einen Basketball-Korb, ein Boccia-Feld, Tischtennisplatten, Freiluftschach und einen Kinderspielplatz, über dem bei Bedarf zwei Markisen Schatten spenden.
Wie zum Trotz
Natürlich darf in Nieder-Eschbach auch geschwommen werden, und hier zeigt sich wohl am deutlichsten, dass hier eher ein Dorfschwimmbad denn ein urbanes Spaßbad in der Landschaft steht: Es gibt nur ein Becken. L-förmig, mit 50-Meter-Bahnen, die nach 35 Metern per schwimmender Abgrenzung vom Rest des Beckens getrennt sind, der als Nicht-Schwimmer-Bereich dient. Besser als in manchen Großbädern geht es in Nieder-Eschbach indes den kleinsten Gästen im neuen, beheizten Planschbecken mit Spritzigel und Babyrutsche.
Sollte den größeren Freiluft-Fanatikern einmal langweilig werden, können sie von der Liegewiese aus den Fußballern des benachbarten TuS Nieder-Eschbach beim Bezirksliga-Kick auf die Füße schauen. Ansonsten bietet die Liegewiese mit ihren sanften Hügeln Raum zur Entspannung in dörflicher Ruhe. Wenn die Sonne knallt, und nach drei Tagen auch der letzte im Dorf gemerkt hat, dass ein Besuch im Schwimmbad gar keine schlechte Idee wäre, kommen schon mal an die 2000 Menschen in das Freibad. Spätestens dann ist es mit der Ruhe vorbei.
Ofenfrische Pizzas und Baguettes
Für Menschen, die auf der Suche nach anderen Menschen sind, ist das natürlich ein klarer Standortvorteil. Hier kann man sich gar nicht aus dem Weg gehen, es gilt die Devise "sehen und gesehen werden". Im Sommer ist das Bad "der" Treffpunkt, nicht nur für die Nieder-Eschbacher Jugend.
Wie das sich für so ein Bad gehört, kommen die meisten Gäste aus der unmittelbaren Umgebung. Vor der Tür gibt es zwar recht viele Parkplätze, doch die muss sich das Bad mit dem Sportverein von nebenan teilen. Wer nicht mit dem Rad anreist, kann auch mit U-Bahn und Bus zum Schwimmvergnügen kommen.
Die relativ ordentlichen sanitären Anlagen und der Kiosk, der neben dem Standard-Repertoire auch ofenfrische Pizzas und Baguettes anbietet, kaufen so manchem größeren Bad der Stadt den Schneid ab. Es kommt eben nicht immer auf die Größe an.

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