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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

19. Februar 2016

Kliniken Wiesbaden: Helios will Film verbieten

 Von 
Die Situation an den Horst-Schmidt-Kliniken ist Gegenstand eines Filmberichts.  Foto: Michael Schick

Klinikkonzern droht mit der Gewerkschaft Verdi mit rechtlichen Schritten. Die will einen Film zeigen, der Hygienemängel in den Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden aufzeigt.

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Der Helios-Krankenhauskonzern ist damit gescheitert, den Verlauf einer Veranstaltung mit dem Journalisten Günther Wallraff zu beeinflussen. Er hatte der Gewerkschaft Verdi „mit rechtlichen Schritten“ gedroht, sollte sie den Film aus der Reihe „Team Wallraff“, der sich mit den Helios Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) Wiesbaden befasst, am Freitagabend im Audimax der Hochschule Rhein-Main zeigen. Der vor einem Monat ausgestrahlte Fernsehbeitrag hatte unter anderem erhebliche Hygienemängel dokumentiert.

Die Klinik

Der Helios-Konzern hatte die 2012 teilprivatisierten Kliniken 2014 vom Konkurrenten Rhön übernommen.

Er hält 49 Prozent der Anteile, Mehrheitsanteilseigner mit 51 Prozent ist die Stadt Wiesbaden.

Ende 2014 hatte Helios angekündigt, 391 der 2000 Stellen im Haus abbauen zu wollen. Daraufhin hatten auch Mitarbeiter gekündigt, die der Konzern behalten wollte. jur

Verdi und zwei lokale Initiativen hatten Wallraff für Freitag zu der Filmvorführung mit anschließender Diskussion über das deutsche Gesundheitswesen eingeladen. Titel der Veranstaltung: „Notfall Krankenhaus“. Seit mindestens zwei Wochen war der Termin bekannt. Donnerstagabend erreichte den Verdi-Landesbezirk ein Brief der Helios-Rechtsanwälte: Der Film verletze „unsere Mandanten in nicht gerechtfertigter Weise in ihren Unternehmenspersönlichkeiten“, so die Rechtsvertreter. Das mit versteckter Kamera angefertigte Material sei „rechtswidrig erlangt“ worden. Erlaubt sei dies allein bei „herausragendem öffentlichen Informationsinteresse“. Die Reaktionen auf die bei RTL ausgestrahlte Sendung hätten gezeigt, dass ein solches nicht vorliege. Der Bericht sei einseitig, vermittele falsche Eindrücke. Patienten würden in ihrer „Privat- und Intimsphäre verletzt“.

Eine Argumentation, die Verdi Hessen nicht nachvollziehen kann. „Die Öffentlichkeit, und besonders die Wiesbadener, haben nach unserer Auffassung ein großes Interesse daran, die Bilder zu sehen“, sagte der Landesfachbereichsleiter Gesundheit und soziale Dienste, Georg Schulze-Ziehaus. „Denn sie sind es im Krankheitsfall, die sich dort versorgen lassen müssen.“ Verdi halte es für sehr wichtig, die Zustände in deutschen Krankenhäusern zu diskutieren. Das sei Meinungsfreiheit. Helios sei eingeladen, mitzureden.

Verdeckte Recherchen

Nach Ansicht der HSK diente die Veranstaltung mit Wallraff „ganz offensichtlich bestimmten politischen Zwecken“. Die Filmsequenzen seien fast ein Jahr alt und „mit sehr zweifelhaften Methoden“ gedreht worden, gäben den aktuellen Zustand des Krankenhauses unzutreffend wieder. „Die einseitige Darstellung wird auch unseren Mitarbeitern nicht gerecht, die sich jeden Tag für eine gute medizinische Versorgung unserer Patienten einsetzen“, heißt es weiter in der schriftlichen Stellungnahme der Klinikleitung an die FR. Ziel müsse sein, auf konstruktivem Weg Lösungen zu suchen und die Situation zu verbessern. „Polemisierung und Politisierung helfen dabei nicht weiter.“

In der Reportage hatte das Team um Wallraff drei Kliniken unter die Lupe genommen – darunter die 2012 teilprivatisierte Wiesbadener HSK. Verdeckt hatte eine Reporterin eine Woche lang dort in der Notaufnahme ein Praktikum absolviert. Der Beitrag schildert permanente Unterbesetzung und Dauerstress. Der Dienstplan sei nur mit Überstunden aufrechtzuerhalten. Mitarbeiter beschweren sich über die Sparvorgaben. Kritik wird auch an der Sauberkeit in der Notaufnahme laut. Die Geschäftsführung und leitende Ärzte hatten nach der Ausstrahlung gegen die drastischen Schilderungen protestiert. Geschäftsführer Kristian Gäbler räumte aber auch ein, es gebe noch immer einen „Veränderungsprozess“ im gesamten Haus. Die Mitarbeiter müssten in die anstehenden Umstrukturierungen besser mit einbezogen werden.

Das Reinigungssystem werde derzeit umstrukturiert. Die gewünschte Qualität sei bislang nicht erreicht.

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