Kassel. Heikler Fund: Ein Fußgänger hat in Kassel einen Zettel mit Namen und Diagnosen von rund 20 Psychiatriepatienten des örtlichen Klinkums auf der Straße gefunden. Eine Sprecherin des Krankenhauses bestätigte gestern einen entsprechenden Bericht der Regionalzeitung. Es handele sich um ein Übersichtsblatt, wie es für Visiten oder bei Übergaben in der Klinik verwendet wird.
Dem Artikel zufolge führte das Papier Diagnosen wie "paranoide Depression, dissoziale Persönlichkeitsstörung, paranoide Schizophrenie," an. Auch die Geburtsdaten und Zimmernummern der Patienten seien vermerkt gewesen.
Die Klinikums-Geschäftsführung bedauerte die Datenpanne . Nach intensiven Recherchen gehe man davon aus, dass "menschliches Versagen einer einzelnen Person" die Ursache sei, heißt es in einer Stellungnahme: "Erklärbar wäre es lediglich dadurch, dass ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin die Liste versehentlich nicht im Datenmüll entsorgt, sondern in einer Kleidungstasche vergessen und später aus Unachtsamkeit verloren hat."
Das Büro des hessischen Datenschutzbeauftragten wertete den Kasseler Datenfund gestern als "bedauerlichen Einzelfall". Man erwarte eine Bericht des Krankenhauses, sagte Rita Wellbrock, Referatsleiterin für das Gesundheitswesen. Das Klinikum habe aber bereits eine weitere Schulung der Abteilung mit dem internen Datenbeauftragten zugesagt. Zusätzliche Geräte für zeitnahe Aktenvernichtung vor Ort sollten anschafft werden. Wenn adäquate Maßnahmen ergriffen würden, werde man von einer Beanstandung absehen, so Wellbrock.
Ganz ausschließen ließen sich solche Vorfälle nicht. Sie seien selten. Ein größeres und weit verbreiteteres Problem ist aus Sicht der Datenschützerin, dass in Krankenhäusern häufig zu viele Mitarbeiter auf zu viele Patientenakten zugreifen können. Dagegen habe das Klinikum Kassel viel unternommen, nachdem sich eine frühere Mitarbeiterin und Patienin beschwert hatte. (kaj)

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