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Mathematik: Knobeln in der U-Bahn

Keine Angst vor Mathe: So lautet das Motto von Cynthia Hog-Angeloni. Die Mathematik-Dozentin will, dass auch Jugendliche so denken – und leitet deshalb gleich mehrere Projekte, die für die Rechenkunst begeistern sollen. Dafür wurde sie kürzlich ausgezeichnet.

        

Cynthia Hog-Angeloni liebt Zahlen und Diagramme.
Cynthia Hog-Angeloni liebt Zahlen und Diagramme.
Foto: dpa

Wahrscheinlichkeitsrechnung ist eine Frage der richtigen Socken. Zumindest dann, wenn die eigene Mutter Mathematikerin ist. „Ich hab’ die Socken einfach auf unterschiedliche Schubladen verteilt und gefragt, wie viele man für ein richtiges Paar wohl öffnen muss“, erzählt Cynthia Hog-Angeloni und lächelt. Früher forderte die Uni-Dozentin mit solchen Aufgaben ihren kleinen Sohn heraus. Mittlerweile ist der erwachsen.

Die Aufgaben sind aber geblieben. Noch immer tüftelt Hog-Angeloni an möglichst kreativen Matheproblemen. Und neben dem Job an der Universität leitet sie gleich drei Projekte, um Jugendliche für Mathematik zu begeistern. Das jüngste darunter ist die Zeitschrift „Monoid“. Viermal im Jahr erscheint das Heft, in dem studierte Mathematiker Aufgaben für Schüler vorstellen. Dabei geht es um Alltagsprobleme: Die Socken in der Schublade oder das Warten an der Kasse. „Wir müssen die Berührungsängste überwinden“, findet Hog-Angeloni. Denn unbegründete Angst vor Formeln, Zahlen, Diagrammen sei das Problem – nicht das Unvermögen, mathematisch zu denken. Wer diese Angst überwindet, landet vielleicht in einer der beiden Akademien, die Hog-Angeloni aufgebaut hat. Während ihrer Zeit an der Universität Frankfurt entstand im Jahr 2004 die „Hessische Schülerakademie“. Im August 2010 gab es erstmals ein ähnliches Projekt in Rheinland-Pfalz, die „MainzerMatheAkademie“.

Hier sollen vor allem die Begabten angesprochen werden. „Diese Schüler kommen bei uns oft zum ersten Mal ins Gespräch mit ähnlich Talentierten, das ist sehr wichtig“, sagt die 52-Jährige. Viele seien im regulären Schulunterricht schlichtweg unterfordert und dadurch teilweise ausgegrenzt. Hog-Angeloni wollte eigentlich selbst Lehrerin werden, daher kommt auch ihr Interesse an den Problemen von Schülern. Nach dem Studium blieb sie aber an der Uni, heute ist sie Akademische Rätin mit den Fachgebieten Algebra und Geometrie am Institut für Mathematik in Mainz.

Wegen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit arbeitet sie sieben Tage pro Woche. Dieses Engagement hat ihr jüngst den Titel „MINT- Botschafterin des Jahres“ eingebracht, der von der Initiative „MINT Zukunft schaffen“ vergeben wird. MINT ist aus den Anfangsbuchstaben der Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zusammengesetzt, die in der Wirtschaft momentan sehr gefragt sind.

In den Augen der Stiftung trägt Hog-Angeloni dazu bei, diesen Engpass auf Dauer zu beseitigen. „Mir war klar, dass gute Mathematiker gute Zukunftschancen haben“, sagt die Bad Homburgerin. „Von dem ganzen Schulterklopfen war ich aber doch etwas überrascht.“

Richard Patzke, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Rheinhessen, weiß, warum die Anerkennung für diese Leistung keinesfalls unbegründet ist. „45 Prozent der Unternehmen rechnen damit, in den kommenden fünf Jahren keine ausreichend qualifizierten Fachkräfte aus dem naturwissenschaftlichen Bereich zu finden“, sagt Patzke. In den Schulen müsse das Gewicht deshalb auf diesen Bereich gelegt werden.

Mit der Auszeichnung im Rücken will die Mathematikerin nun neue Kontakte knüpfen und Fördergeld auftreiben. Am liebsten wäre es ihr, wenn es die Knobelaufgaben bis in die U-Bahn schaffen würden. „In Frankreich gibt es so etwas in der Metro, das bräuchten wir auch hier.“ Die Frage nach dem richtigen Paar Socken könnte also auch bald so manchem Reisenden begegnen.

Autor:  Jonas-Erik Schmidt, dpa
Datum:  14 | 1 | 2011
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