Herr Brill, seit der Gründung von Theaterperipherie im Jahr 2008 haben Sie zwei Stücke mit Darstellern inszeniert, die ausländische Wurzeln haben; nun widmen Sie sich dem dritten Stück. Ihre bisherigen Projekte waren demnach erfolgreich
Ja, ohne Frage. Die beiden Stücke haben in Frankfurt an die 7500 Besucher gesehen. 42 Prozent der Zuschauer haben einen Migrationshintergrund; das ist meines Wissens einmalig für ein deutsches Theater. Ein Indikator für die Akzeptanz unserer Arbeit sind auch die zahlreichen Einladungen zu Gastspielen im In- und Ausland. Im Mai spielen wir "Leyla & Medschnun" in Duisburg und im Oktober in Istanbul.
Was macht denn den Erfolg Ihrer Inszenierungen aus?
Es hängt wohl damit zusammen, dass wir uns Inhalten widmen, die die Konflikte der deutschen Gesellschaft abbilden; gleichzeitig spiegeln sie auch Konflikte in den Migrantencommunitys. Ich meine, dass diese Verbindung beide Zuschauergruppen in unser Theater lockt - die Deutschen, weil sie sich für die Migrationsthemen interessieren und die Einwanderer, weil sie feststellen, dass das, was sich auf der Bühne abspielt, mit ihnen zu tun hat, dass es um sie geht. Übrigens haben "Leyla & Medschnun" mehr Migranten gesehen als "Ehrensache", was damit zutun haben mag, dass die Vorlage ein orientalischer Epos ist.
Gibt es eigentlich eine Botschaft, die Sie mit Ihren verschiedenen Inszenierungen übermitteln möchten?
Die Botschaft dokumentieren wir schon durch das gemischte Ensemble: Das Zusammenleben und- arbeiten kann funktionieren. Diese Botschaft vermitteln die Darsteller schon allein durch ihre Präsenz auf der Bühne. Damit drücken sie aus, dass man als Migrant teilhaben kann und auch ein Teil der deutschen Gesellschaft sein kann. Die Darsteller signalisieren so an ihresgleichen, dass Integration gelingen kann, dass man mitmischen und mitmachen kann. Und dass Bemühungen auch mit Erfolg gekrönt werden können. Auch wenn die Darsteller auf der Bühne sind und spielen, die Botschaft bleibt authentisch.
Wenn das Theater solch eine integrative Wirkung hat, dann müsste es doch eigentlich auch mit einer institutionellen Förderung honoriert werden, oder?
Wir führen derzeit diese Diskussionen mit dem Kulturamt der Stadt Frankfurt. Denn der feste, regelmäßige finanzielle Zuschuss ist für unsere Arbeit wichtig; der bürokratische Akt, Fördermittel zu beantragen, ist riesengroß und raubt sehr viel Kraft und Zeit. Wenn mich meine Frau dabei nicht unterstützen würde, dann könnte ich all das gar nicht bewältigen.
Interview: Canan Topçu

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