Das Energieunternehmen Eon hat am Dienstag im Kohlekraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg das Ergebnis einer einjährigen Messreihe zur Luftqualität in der Region vorgelegt. Demnach gebe es keine Hinweise darauf, dass der Betrieb des Kraftwerks eine besondere Belastung darstelle. Umweltschützer, die sich am Morgen vor dem Haupttor von Staudinger zu einer kleinen Protestdemonstration versammelt hatten, kritisierten die Studie.
Das überregionale Bündnis Klima-Allianz und die örtliche Bürgerinitiative "Stopp Staudinger" warfen dem Konzern in einer improvisierten Pressekonferenz vor, die Bevölkerung zu täuschen. Die Aussagewerte der Schadstoffmessung "tendieren gegen null", sagte Winfried Schwab-Posselt, Sprecher der Bürgerinitiative.
Der TÜV Süd hatte im Auftrag von Eon die Messstationen an zehn Stellen im weiteren Umkreis des Kraftwerks installiert und ein Jahr lang gemessen, wie sehr die Kommunen durch chemische Stoffe aller Art und Staub in der Luft belastet sind. Die Studie wurde im Zusammenhang mit dem anstehenden Genehmigungsverfahren für den Bau des Blocks 6 erstellt, der von 2012 an die bisherigen Blöcke ablösen und die Leistung von Staudinger von derzeit 6300 auf dann 10 000 Gigawattstunden erhöhen soll.
Nach Angaben von Rolf Knief, Eon-Bereichsleiter für Genehmigungen, sind an keiner der zehn Messstellen Werte festgestellt worden, die auf eine "besondere Luftbelastung" hinweisen würden. "Die Gesundheit der Menschen ist nicht gefährdet", so Kraftwerksleiter Edgar Kaufhold.
Man sei sich bewusst, dass insbesondere die Menschen in der Umgebung des Kraftwerks Angst um ihre Gesundheit hätten. Mit der Studie wolle man "zur Versachlichung" beitragen. Auch nach dem Bau von Block 6 werde sich durch neue Filtertechnik die Luftbelastung nicht erhöhen.
Das sehen die Umweltschützer anders. Sie warfen Eon vor, mit der Studie eine "Mogelpackung" mit einem "hohen Maß an Realitätsferne" präsentiert zu haben, da Bericht keine Aussage über die zukünftige Belastung durch Kohlendioxyd (CO2) mache. Der Bau von Block 6 würde die CO2-Menge von fünf auf acht Millionen Tonnen pro Jahr erhöhen. Kohlendioxyd lässt sich aus den Abgasen nicht herausfiltern.
Als "Skandal" wertet die Bürgerinitiative außerdem, dass ihrer Ansicht nach nur eine der neun Messstellen wenigstens annähernd in der Hauptwindrichtung gelegen habe. Die Umweltschützer forderten daher das Regierungspräsidium in Darmstadt auf, die Messungen bis 2009 mit neuen Standorten zu wiederholen.

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