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27. Juli 2012

Kohlenmonoxid: Warngeräte für die Feuerwehr

 Von Gesa Fritz
Feuerwehrleute der Berufsfeuerwehr Wiesbaden tragen seit Beginn der Studie im Einsatz ein Gasmessgerät am Revers, das vor CO-Konzentrationen in der Luft warnt. Nun werden Einsatzkräfte in mehreren hessischen Städten diese Geräte bekommen. Foto: Rolf Oeser

Hessische Städte ziehen Konsequenz aus einer deutschlandweit einzigartigen Studie der Wiesbadener Feuerwehr zu Kohlenmonoxid-Unfällen. Einsatzkräfte werden mit Geräten ausgestattet, die vor dem tödlichen Gas warnen.

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Feuerwehr und Notarzt brauchen spezielle Messgeräte, um sich vor Kohlenmonoxid (CO) zu schützen. Das ist das Fazit einer bundesweit einzigartigen Studie, die die Feuerwehr in der Landeshauptstadt Wiesbaden seit August vergangenen Jahres durchgeführt hat. Am Donnerstag wurden die Ergebnisse vorgestellt. CO-Messgeräte seien zwingend notwendiger Schutz, sagt der zuständige Dezernent Detlev Bendel (CDU).

Schwere Unfälle mit CO

Frankfurt, Weihnachten 2009 Eine 33-jährige Frau und ihre 10- und 13-jährigen Söhne werden an Heiligabend in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Der 43-jährige Vater wird schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Ursache ist eine defekte Gastherme, aus der Kohlenmonoxid (CO) austritt.

Sulzbach, Januar 2011 Eine 89-jährige Frau erstickt über Nacht in ihrer Wohnung. Ursache ist CO aus einem defekten Ölofen.

Wiesbaden, November 2011 Bei einem CO-Unfall in einem Mehrfamilienhaus sterben ein 41-jähriger Mann, seine 34-jährige Frau und deren 14-jähriger Sohn. Insgesamt werden mehr als 30 Personen verletzt. Ursache ist eine defekte Gasheizung.

Wiesbaden, Dezember 2011 Während einer Shisha-Party wird ein Kohlenmonoxid-Alarm ausgelöst. Zehn Personen erleiden eine CO-Vergiftung. Ursache sind 70 Wasserpfeifen.



Während der Studie wurden die Wiesbadener Rettungskräfte mit CO-Warngeräten ausgestattet. Damit konnten sie bei Einsätzen vor Ort feststellen, ob das giftige Gas ausgetreten war.

Noch vor Abschluss der Studie zogen andere Städte nach. Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Mainz, Kassel, Gießen, der Main-Taunus- und der Rheingau-Taunus-Kreis, zählt Harald Müller, Leiter der Feuerwehr Wiesbaden, auf. Hier wurden die Einsatzkräfte in jüngster Vergangenheit mit CO-Messgeräten ausgerüstet. Als die Wiesbadener mit ihrer Studie begannen, gehörten derartige Messgeräte nur in Wien zum Standard.

CO ist geruchslos und tödlich

Das Gefährliche an dem Gas: Es ist weder zu schmecken noch zu sehen noch zu riechen. Der Tod kommt unbemerkt. Wenige Atemzüge genügen, um das Gehirn oder das Herz dauerhaft zu schädigen. In der Vergangenheit sind immer wieder Menschen unbemerkt an CO gestorben.

Großes Aufsehen erregte die Studie im November 2011. Nur weil die Wiesbadener Rettungskräfte mit den Warngeräten ausgerüstet waren, konnten diese bei einem CO-Unfall richtig reagieren. Ohne die Geräte hätte es nach Einschätzung der Feuerwehr vielleicht mehr als drei Tote gegeben.

Feuerwehrmann Marco Pfeuffer, der Initiator der Studie, ist inzwischen bundesweit unterwegs, um Kollegen zu schulen. Grenzwerte, die in der Studie erarbeitet wurden, sollen in Hessen ab sofort als verbindlich gelten.

Ursache für CO-Unfälle sind laut Studie unzureichend belüftete Kamine, undichte Heizungsanlagen oder defekte Durchlauferhitzer. Das Gas entsteht bei der Verbrennung organischer Stoffe. Entsprechend häufen sich die Unfälle im Winter. In Wiesbaden wurde während der Studie insgesamt 34-mal CO-Alarm ausgelöst.

Druckkammer einsatzbereit

In der Vergangenheit wurde häufig eine CO-Vergiftung nicht erkannt. Denn die Symptome wie Schwindel, Erbrechen oder Bewusstlosigkeit treten auch bei anderen Krankheiten auf. Feststellen lässt sich die Gasvergiftung nur durch einen speziellen Bluttest.

Im Zuge der Wiesbadener Studie wurden die Rettungswagen entsprechend ausgerüstet. Und noch eine Folge der Studie: Die Druckluftkammer in der Wiesbadener Asklepius-Klinik ist jetzt rund um die Uhr einsatzbereit und die Klinik Zentrum für alle CO-Opfer in Hessen.

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