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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

04. Dezember 2012

Kommentar: Parallelwelt im Stadion

Pitt von Bebenburg ist Landtagskorrespondent der FR. Foto: FRFOTO

Sich in einer VIP-Lounge zu treffen und sich für den Kick auf dem Rasen weniger zu interessieren als für Kontakte mit wichtigen Leuten ist in Deutschlands Stadien normal. Aber Minister Hahn hat selbst dabei über die Strenge geschlagen.

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Vize-Regierungschef Jörg-Uwe Hahn hat eine Grenze überschritten. Er hat einen Fehler gemacht, als er zwei Personen beim Fußballspiel mit auf die VIP-Tribüne brachte, für die er keine Eintrittskarte hatte. Das Stadion war voll. Hahn aber ging mit größter Selbstverständlichkeit davon aus, dass seine Begleiter auch ohne Ticket mitkommen könnten.

Nebenbei hat der Minister sein ohnehin belastetes Verhältnis zu Hessens wichtigstem Sportverein auf den Nullpunkt geschickt. Damit hat er das Gegenteil dessen erreicht, wozu die lockeren Treffen auf der Tribüne dienen sollten.

Die Diskussion, die sich nun entspinnt, zielt jedoch weit über den Fall hinaus. Sie gilt der Tatsache, dass es für Promis selbstverständlich erscheint, umsonst Spiele zu sehen, für die der einfache Fan viel Geld ausgeben muss.

Ins Fußballstadion gehen längst nicht mehr bloß Fußballfans. Für Politiker, Wirtschaftsbosse, Strippenzieher, Funktionäre und Journalisten gehört es dazu, in der Sportarena Kontakte zu knüpfen und zu pflegen – egal, ob man sich für den Kick auf dem Rasen interessiert oder nicht. Auf der VIP-Tribüne hat sich eine Parallelgesellschaft entwickelt. Sie ist für das Gros der Fußballfans außerordentlich befremdlich.

Doch die Sache ist kompliziert: Ohne den Verkauf ihrer Logen an Unternehmen und andere „Premiumpartner“ könnte ein Bundesligist wie Eintracht Frankfurt keine großen Sprünge machen. Diese Unternehmen und Institutionen sind es, die zahlen – für sich und ihre „Geschäftspartner“. Jörg-Uwe Hahn zählt zu denjenigen Politikern, die den Sport für genau solche Kontaktpflege nutzen. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Nur über diese Grenze durfte er nicht gehen: reinzukommen, obwohl ihm die Eintracht-Führung signalisiert hatte, dass es keine freien Plätze mehr gebe. Das zeigt die Gefahr, in der Parallelwelt von der Realität abzuheben.

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