Wohin die Reise geht, zeigt sich zuallererst in den Städten. Die Partei der großen Städte, das ist die SPD. Zumindest gewesen. Früher, als die Formel noch aufging. Und vor allem junge Menschen keinen Zweifel daran hatten, dass die Roten nicht selten gemeinsam mit den Grünen wegen ihres feinen Gespürs für andere Trends, aktuelle Entwicklungen und neue Lebensformen auf den Punkt zu bringen wussten, was Bürger bewegte.
Davon kann spätestens nach dem Abschneiden der SPD bei der Landtagswahl in Frankfurt keine Rede mehr sein: Das ruinöse Ergebnis der Sozialdemokraten, die sich nicht einmal mehr gegen die Grünen als wirklich stärkere Kraft behaupten konnten, markiert den einstweiligen Tiefpunkt der Partei.
Wahlberechtigte: 395.834 Wahlbet.: 59,4 % (2008: 62,6%) CDU: 75.264 - 32,7% (33,2 %) SPD: 45.450 - 19,8% (33,5 %) FDP: 38.585 - 16,8% (10,8 %) Grüne: 45.113 - 19,6% (11,5 %) Linke: 17.996 - 7,8% (7,1 %) Rep: 1299 - 0,6 % (0,8 %) Freie: 2876 - 1,3 % (0,6 %) NPD: 1546 - 0,7% (0,7 %) Piraten: 1360 - 0,6% (0,3 %) Büso: 395 - 0,2% (0,0 %)
Für Frankfurt im Landtag
CDU: Alfons Gerling, Ulrich Caspar, Ralf-Norbert Bartelt, Michael Boddenberg, Bettina Wiesmann, Gudrun Osterburg SPD: Andrea Ypsilanti, Gernot Grumbach FDP: Nicola Beer, Hans-Christian Mick Grüne: Sarah Sorge, Marcus Bocklet Linke: Willi van Oyen, Ulrich Wilken, Janine Wissler
Zunächst stellt sich für die Sozialdemokraten jetzt die Frage, wie weit die Verabschiedung der örtlichen Ypsilanti-Getreuen nach dem eigenen Abgang der früheren Spitzenfrau eigentlich reichen muss. Bleibt dann wieder Zeit für Fragen der Tagespolitik, müssten sich die Genossen alsbald auf die Suche nach einem geeigneten Kandidaten machen, der sich bereits zur Kommunalwahl 2011 für die Direktwahl des Oberbürgermeisters mit den hiesigen Tonlagen vertraut macht.
Intern fallen in diesem Zusammenhang oft die Namen des aktuell gescheiterten Kandidaten Michael Paris und des Bundestagsabgeordneten Gregor Amman. Vielleicht aber könnte der Blick über die Stadtgrenzen lohnen. Vorausgesetzt, nach einem solchen Wahldesaster findet sich überhaupt ein Bewerber mit politischen Konturen, der noch dazu jungen Bürgern vermitteln könnte, warum sie der SPD ihre Stimme geben sollten.
Ein Bewerber mit feinem Gespür für andere Trends, aktuelle Entwicklungen und neue Lebensformen, für alles eben, was das etwas andere Leben in einer Großstadt ausmacht. Zumal in einer wachsenden Region, die anziehend auf diejenigen wirkt, die Arbeit und Ausbildung suchen.
Geradezu beschwörend bemühte sich Frank-Walter Steinmeier, der Kanzlerkandidat, zum Abschluss des Wahlkampfs darum, seine SPD als ebenjene Partei der Großstadt zu präsentieren. Den Menschen Orientierung geben, das schafften nur Sozialdemokraten. Offenbar trauten aber nur wenige der Partei zu, im Augenblick der Krise politische Koordinaten angemessen bestimmen zu können.
Nur wer zur Zukunft Frankfurts konkret etwas zu sagen hat, dürfte in den nächsten Wahlgängen bestehen können. Aus den ernsten Gesichtern führender Christdemokraten, die ihr Ergebnis vom Sonntagabend auch nicht als Triumph empfinden konnten, ließ sich die Einsicht erkennen: Die Bürger wollen wissen, wohin die Reise geht. Dann bleiben künftig auch nicht so viele zuhause.

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