Die Berliner sind schon weiter. Zehn kommunale Kliniken haben dort fusioniert und schreiben jetzt schwarze Zahlen, wie Holger Steudemann von der Agentur WOK sagt. „Im Rhein-Main-Gebiet dagegen gibt es nur solitäre Krankenhäuser.“ Daran wird sich, wie es aussieht, in nächster Zeit auch kaum etwas ändern. Die Fusionspläne zwischen den kommunalen Kliniken in Offenbach und Wiesbaden stocken. Nicht nur weil Kommunalwahlen vor der Tür stehen – die politisch Verantwortlichen tun sich schwer mit einer solchen Entscheidung, wie der Offenbacher Kämmerer Michael Beseler (SPD) am Mittwoch am Rande des Rhein-Main-Zukunftskongresses „Krankenhaus & Partner“ andeutete. In Hanau und Darmstadt habe er auch für die Fusionsidee geworben. „Solange der Eigentümer nicht will, haben alle verloren.“
Kommunale Kliniken seien ein Zukunftsmodell, versicherte Kongresspräsident Andreas Goldschmidt, und nannte die Bedingen dafür: Verlässliche Finanzierung, weniger Einmischen der Politik und das Einbinden kompetenter Mitarbeiter. Und auch das Ambiente sei wichtig, wie die Erfahrung des Klinikums Offenbach beweise: Nach Einzug in den Neubau sei die Zahl der Geburten um 20 Prozent gestiegen. Öffentliche Kliniken arbeiteten auch effektiver als die privaten: „Die Produktivität ist größer.“
Gleichwohl müssen gerade im Rhein-Main-Gebiet die kommunalen Häuser um ihr Dasein kämpfen. Sie schreiben rote Zahlen, die Einkäufer der großen Konzerne stehen vor der Tür. „Wir müssen einen Tick besser sein als die Privaten“, lautet die Botschaft von Hans-Ulrich Schmidt, Geschäftsführer des Klinikums Offenbach. „Und wir müssen Vernetzungen hinbekommen.“
Die Pflicht zur Kooperation hat die hessische Landesregierung in das neue Krankenhausgesetz geschrieben: Wer glaubt, auch künftig alles alleine machen zu können, soll weniger Fördergeldern bekommen. Dabei geht es um mehr als gemeinsame Einkäufe oder Wäschereien: nämlich auch um das medizinische Know-how.
Krankenhäuser müssen aber auch Geschäftsfelder erschließen. Ein Beispiel dafür stellte Ulf Tunn, Leiter der urologischen Praxis des Facharztzentrums am Offenbacher Klinikum vor: Männergesundheit sei das Zukunftsthema. „Ein Mann kümmert sich mehr um sein Auto als um seine Gesundheit“, sagte Tunn. Lebe er alleine, drohe die Verwahrlosung. Ein Institut in Offenbach soll ein Konzept erarbeiten, wie Ärzte verschiedener Fachrichtungen dagegen zusammenarbeiten können.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+
Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.