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Konjunkturprogramm: Baugewerk hat wieder mächtig zu tun

Einen Auftrag der Stadt haben einige Frankfurter Handwerker über lange Jahre nicht erhalten. Die Konkurrenz aus Osteuropa war billiger. Nun hat sich die Lage geändert: Tischler & Co profitieren vom Konjunkturprogramm. Von Jutta Ochs

Der Fliesenleger Boris Ried bei der Toiletten-Sanierung im Auftrag des Konjunkturprogramms.
Der Fliesenleger Boris Ried bei der Toiletten-Sanierung im Auftrag des Konjunkturprogramms.
Foto: FR/Arnold

Fräsen, Schlagen oder Spachteln, das ist hier die Frage. Boris Ried berät mit seinem Fliesenleger-Team in den bereits ausgeschlachteten Toilettenräumen des Höchster Leibnizgymnasiums, wie die Wand effektiv und kostenbewusst auf die Fliese vorzubereiten wäre. Es ist ein Projekt des Konjunkturprogramms, ein Auftrag über insgesamt 50.000 Euro.

Lange hatte der Betrieb mit Fliesenleger-Tradition seit 1919 nicht mehr für die Stadt gearbeitet. Die Ausschreibungen, sagt Boris Ried, die seien gegen die Billigkonkurrenz aus Osteuropa, die "Subs" der Generalunternehmer, ja gar nicht mehr zu gewinnen gewesen. Vater Wilhelm hatte noch zu 65 Prozent von Aufträgen der öffentlichen Hand gelebt, bei Sohn Boris sind es gerade noch zwei Prozent. Gelebt haben er und sein 20-Mann-Betrieb von den privaten Kunden. Die Sauna im Frankfurter Hof hat Ried gefliest, das spektakuläre Glasmosaik an der Fassade Schäfergasse 10 verlegt, aber auch manches Einfamilienhaus-Bad gekachelt.

Aufbauhilfe fürs Handwerk

170 Millionen Euro hat Frankfurt aus dem Konjunkturprogramm erhalten. In mehr als 100 Projekten werden in erster Linie Schulbauten saniert, aber auch Kinder- und Jugendhäuser.

Das Frankfurter Handwerk hat bislang ein Viertel der bereits vergebenen Aufträge erhalten. Der Handwerkskammer gehören 30.000 Betriebe in der Region an, mit 140.000 Beschäftigten. In Frankfurt sind es 7500 Betriebe und 40.000 Beschäftigte.

Laut einer Kammerumfrage ist das Handwerk optimistisch. Es konnte trotz Krise seine Beschäftigten halten.

Das Konjunkturprogramm mit den Auflagen, in kleinen Tranchen auszuschreiben sowie die regionale Wirtschaft zu berücksichtigen, hat nun aber einiges in der Beziehung zwischen der Stadt und ihren Handwerkern verändert. "Das Programm ist tatsächlich bei uns angekommen", lautet die überraschend positive Bilanz des Frankfurter Handwerks nach anfänglich großer Skepsis. Ried, der auch in der Innung Funktionen hat, spendet Kämmerer Uwe Becker (CDU) und seiner Verlässlichkeit bei den Zusagen zum Modus der Ausschreibungen sogar ausdrücklich Lob. Während andere deutsche Kammern Beschwerde führen, ist die Frankfurter mit dem bisherigen Verlauf "wirklich zufrieden", so Kammersprecher Lars Bökenkröger.

Insgesamt 170 Millionen Euro hat die Stadt für mehr als 100 Projekte aus den beiden Konjunkturpaketen erhalten. Die Schulen profitieren am meisten, die Palette ist breit. Die eine bekommt eine neue Bibliothekseinrichtung für mehrere zehntausend Euro, die andere einen Umbau für neun Millionen. Nach Angaben des Hochbauamtes sind bisher mehr als die Hälfte der Aufträge an Firmen aus dem Rhein-Main-Gebiet vergeben worden, Frankfurter Betriebe haben Verträge für fast ein Viertel des bislang vergebenen Leistungen erhalten.

Plaßmann karikiert die Finanzkrise

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Wer im Baugewerk tätig ist, der hat in Frankfurt gerade mächtig zu tun. So gut, dass die Frankfurter auch nicht protestieren, wenn Aufträge in die erweiterte Region gehen. Man kennt sich ja, fühlt sich verbunden. Und es liege auch allen daran, zu zeigen, wie schnell, wie zuverlässig, "wie nachhaltig und qualitativ hochwertig" das regionale Handwerk arbeite, sagt Ried.

Denn schnell muss es ja unbedingt gehen. Die "kleineren Maßnahmen" des Programmes müssen laut Bau- und Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) bereits Mitte April fertig sein. Da ist das Hochbauamt, das derzeit 75 laufende Projekte gleichzeitig steuert, bereits im Endspurt. Für die größeren Um- und Anbauten ist die Frist Ende 2011. Dann müssen die Vorhaben aber auch komplett abgeschlossen sein, alle Leistungen sind dann schon geprüft und bezahlt.

Fliesenleger Ried befürchtet, dass genau 2011 das Handwerk die verzögerte Flaute der Finanzkrise erwischen könnte, dass eine Durststrecke komme, bevor es dann wieder bergauf gehe. Die Krise hat nach seiner Ansicht aber auch neue Chancen eröffnet. Die Stadt und das "hochwertig arbeitende" Handwerk in der Stadt, die seien wieder deutlich enger zusammengerückt.

Autor:  Jutta Ochs
Datum:  17 | 3 | 2010
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