Dass Julia Fischer die "Instrumentalistin des Jahres" ist, muss man den Frankfurtern gar nicht erst vermelden. Im Jahr 2007 wurde die junge Münchner Geigerin mit dem Echo-Klassikpreis in dieser Kategorie ausgezeichnet, vor wenigen Tagen nun hat man sie für den ebenfalls Business-orientierten Midem Classical Award 2009 in ebenjener Rubrik auserkoren.
Für Frankfurt aber ist Julia Fischer mehr als nur eine Bestsellerin und Preisträgerin unter vielen: Hier hat sie mit der Alten Oper eine zweite Heimat, kaum eine Solistin tritt so regelmäßig dort auf wie die 25-jährige Star-Geigerin. Und an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst hat sie ohnehin ihr zweites Standbein: "Sie ist erst süße 22 Jahre alt und bereits eine der besten Geigerinnen der Welt. Und bald Professorin in Frankfurt", schrieb die Bild-Zeitung im Jahr 2006. Denn "die Schöne kann nicht nur spielen - auch als Lehrerin ist sie ein As!"
Julia Fischer und die Academy of St. Martin in the Fields, 19.1., 20 Uhr, Alte Oper, Frankfurt, Opernplatz 1, Karten-Telefon 0 69 / 1 34 04 00
In jedem Medium macht die so selbstbewusste Violinistin eine gute Figur. So verriet sie gerade im "Zeit"-Interview, wie sie auf die Idee kam, Musikerin werden zu wollen. Es war auf einer Autofahrt gen Osten, erinnert sie sich. "Wir hörten Mozart, Beethoven, Dvorák oder Brahms, die vier CDs, die wir immer dabeihatten, und irgendwie kam der Gedanke in meinen Kopf: Warum hören wir Musik, warum machen wir Musik?" Die Fragen, die sie sich als gerade einmal Achtjährige stellte auf der Rückbank eines Autos, stelle sie sich noch heute: "Diese moralische und philosophische Komponente der Musik erforscht man ein Leben lang", sagt Fischer.
Putin, Bush und Angela Merkel waren ihre aufmerksamen Zuhörer beim letzten G-8-Gipfel in Heiligendamm. Eingeladen wurde sie dazu von der Bundeskanzlerin höchstpersönlich. "Ich hatte mich bereit erklärt zu spielen, weil Angela Merkel angerufen hatte und weil sie versprach, dass ich 45 Minuten haben würde." Extrem fachkundig sei die Kanzlerin gewesen, erzählte Fischer im Interview. Und: "Sie hat sich Bach gewünscht." Damit ist Fischer schnell gewonnen, denn Johann Sebastian Bach ist einer ihrer Lieblings-Komponisten. Ihr Bach-Spiel, so stand es in der FR, sei "eine beeindruckende Demonstration ihrer instrumentalen Fähigkeiten, selbstbewusstes Musizieren kombiniert sie mit allerfeinster, ungemein sicherer Intonation."
Als Bach-Interpretin ist sie demnächst auch wieder in der Alten Oper zu erleben: In einem Benefizkonzert zugunsten der Multiple-Sklerose-Gesellschaft wird sie zwei Bach-Violinkonzerte spielen und zudem die Academy of St. Martin in the Fields leiten. Dieses Londoner Spitzenorchester kann ein Jubiläum feiern mit seiner Tournee. 50 Jahre wird es 2009 alt - doppelt so alt wie die junge Frau, die hier den Takt angeben wird.
Drei Tage nach der Bekanntgabe der Midem-Auszeichnung Ende November stellte Fischer übrigens eine Weiche neu. Sie unterschrieb einen exklusiven Plattenvertrag beim Label Decca der Universal Music Group und kehrt damit dem kleinen niederländischen Label Pentatone den Rücken, bei dem sie vier Jahre lang der wohl wichtigste Künstler im Katalog war. Bei Universal dagegen hat sie starke Konkurrenz am Geigenbogen, von Anne-Sophie Mutter bis Hilary Hahn. Ihre erste CD dort spiegelt das Tournee-Programm wider: Bachs Violinkonzerte eben mit der Academy St. Martin in the Fields. Am Entstehungsprozess kann man in Frankfurt also dabei sein.

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