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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

16. Dezember 2013

Krankenhäuser in der Krise: Kommunen in Klinik-Konkurrenz

 Von 
Das Offenbacher Klinikum ist seit einem halben Jahr in privater Hand.  Foto: Andreas Arnold

Kommunale Kliniken stehen mit privaten im Wettbewerb. Ein landesweiter Ansatz für ein gemeinsames Vorgehen ist nicht vorhanden. Das gefährdet sowohl die Anzahl als auch die Qualität von Arbeitsplätzen.

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Der „Leitfaden für den Zusammenschluss von Krankenhäusern“ stammt aus dem Jahr 2006. Der Auftraggeber ist das hessische Sozialministerium. „Nach aktuellen Prognosen werden in den nächsten Jahren 15 bis 20 Prozent der Krankenhäuser verschwinden“, prognostizierten die Autoren. Vor allem die kommunalen Träger würden dem „zunehmenden Wettbewerbsdruck“ nicht standhalten können.

Ins finanzielle Aus manövriert

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Das Echo auf die Warnung blieb verhalten. Speziell die Lokalpolitiker im überversorgten Rhein-Main-Gebiet taten sich schwer damit, stadtgrenzenübergreifend zu denken und zu planen. Statt an einem Strang zu ziehen, machten sie sich weiter gegenseitig Konkurrenz und manövrierten sich teils ins finanzielle Aus. Wiesbaden verkaufte im vergangenen Jahr 49 Prozent seiner Klinikanteile an Rhön, vor einem halben Jahr übernahm der Konzern Sana das Klinikum Offenbach. Der von Experten vorausgesagte Dominoeffekt: Erst fällt das eine kommunale Haus, dann das nächste, dann das nächste.

Mindereinnahmen durch die Einführung der Fallpauschale, nicht auskömmliche Förderung des Landes Hessen – das sind die beiden Ursachen dafür, dass geschätzte 50 Prozent aller Krankenhäuser in der Republik rote Zahlen schreiben. Bei vielen kommunalen Kliniken kommt Unprofessionalität hinzu. Jeder Lokalpolitiker glaubt, mitreden zu müssen. Oder, wie es die Autoren des Leitfadens formulierten: „In einigen Krankenhäusern fehlen wettbewerblich ausgerichtete unternehmerische Führungs- und Entscheidungsstrukturen, die ein marktgerechtes, flexibles und insbesondere schnelles Agieren ermöglichen.“

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Fällt also bald im Rhein-Main-Gebiet der nächste Dominostein? Oder hatten die Erfahrungen der Wiesbadener und Offenbacher eine heilsame Wirkung. Zumindest gibt es Versuche, regionale Verbünde zu schließen, die auch der Landesrechnungshof empfohlen hat. Im Juli schloss die Stadt Hanau mit dem Klinikum Aschaffenburg und dem Krankenhaus Alzenau-Wasserlos einen bundesländerübergreifenden Kooperationsvertrag ab. Ziel sei unter anderem, die kommunalen Kliniken gegen die wachsende Konkurrenz, vor allem von den Privaten, abzusichern.

Frankfurt-Höchst will sich mit den Main-Taunus-Kliniken zusammentun. Und seit Monaten bereiten die Kreiskrankenhäuser Darmstadt-Dieburg mit dem Klinikum Darmstadt die Übernahme des katholischen Rochus in Dieburg sowie eine spätere Fusion vor – offensichtlich kein leichtes Unterfangen.

Der große Wurf blieb aus

Andere haben diesen Prozess schon hinter sich: Im Jahr 2002 gründete sich die Gesundheit Nordhessen Holding – ein Zusammenschluss von Kliniken, Reha-Zentren, Seniorenwohnanlagen, einem ambulanten Pflegedienst. Unter dem Dach des Verbunds Gesundheitszentrum Wetterau arbeiten sieben Kliniken und vier Medizinische Versorgungszentren im Wetteraukreis.

Doch der landesweite große Wurf blieb bislang aus. Mehr als ein Jahr ist es her, dass Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) vorgeschlagen hatte, die seinerzeit noch 43 kommunalen Kliniken in eine Stiftung einzubringen. Die wirtschaftliche Steuerung solle, nach dem Vorbild Nordhessen, in einer Management Holding liegen. Der Verband der Ersatzkassen (Vdek) würde einen solchen Schritt begrüßen. Benachbarte Kliniken sollten ihre Angebote abstimmen, jede müsse auch finanziell weniger lukrative Versorgungsbereiche übernehmen. „Das Holdingskonzept wurde von den Verantwortlichen bisher jedoch nicht auf breiter Front aufgegriffen“, urteilt der Vdek.

Das sieht die Sprecherin des hessischen Sozialministers anders: Es gebe „eine Reihe von erfolgversprechenden Initiativen auf der regionalen Ebene, etwa zwischen Darmstadt und Groß-Umstadt oder Fulda, Alsfeld und Bad Hersfeld“. Im Rahmen der Prüfung des Holdingkonzeptes hätten 13 Kliniken an einer internen Bewertung ihrer wirtschaftlichen Situation teilgenommen. „Der Zusammenschluss von Klinikum Höchst und den Kliniken des Main-Taunus-Kreises wird sehr begrüßt, weil er der richtige Schritt ist.“

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Von Hanau über Offenbach bis Wiesbaden, von Friedberg über den Taunus bis nach Darmstadt: Die Frankfurter Rundschau berichtet mit ihren Redaktionen vor Ort aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet.

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