Frankfurts Kreative haben Potenzial. Aber auch Probleme. Etwa, wenn es darum geht, ein Darlehen zu bekommen.
Zwar sind die Bankentürme gleich um die Ecke. Viele Banker indes hätten nicht das Gespür für die Nöte, nicht das Verständnis für die Geschäftsprozesse von Filmemachern, Spieleentwicklern und Kulturschaffenden, moniert Hartwig Rohde. Und, fügt der Geschäftsführer des IHK-Forums Rhein-Main hinzu: Die Kreativen seien den Herren des Geldes oft auch nicht ganz geheuer. Dabei müssten die Unternehmen gerade im Bereich Film und Computerspiele lange Vorlaufzeiten finanziell überbrücken.
Stark im Wandel ist die Branche der Kreativen. Technische Neuerungen wie das Internet verändern den Markt sowie die Anforderungen an die Beschäftigten. Zur Kreativwirtschaft zählen: Verlage, Werbeagenturen, Filmemacher,
Musikbusiness, Kulturbetriebe,
Architekturbüros, Designer, Software- und Spieleentwickler.
Im Rhein-Main-Gebiet verdienen unzählige Firmen ihr Geld mit kreativen Leistungen. 40 000 Unternehmen zählen alleine die IHKs. Bis zu 190 000 Menschen beschäftigt die Branche in der Region. Frankfurt ist hinter Hamburg und mit Düsseldorf, Berlin und München eine der wichtigsten Werbestädte.
Zwei Tage lang haben sich Vertreter der regionalen Kreativwirtschaft zusammengesetzt und unter Moderation der IHK ihre Lage sondiert. Eines der zentralen Themen dieser Klausur sei die Förderung und Finanzierung kreativer Ideen gewesen, erzählt Roland Gerschermann, Vizepräsident der IHK Frankfurt. Alarmierendes Ergebnis: Politiker und Banker wüssten oft gar nicht, welch hohen Beitrag die Kreativbranche zur Wirtschaftskraft der Region leiste. Fast 40000 Unternehmen sind bei den zehn IHKs im Rhein-Main-Gebiet gemeldet.
Hinzu kommt noch eine große Zahl von Freischaffenden, deren Potenzial kaum abschätzbar sei. 85 500 sozialversicherungspflichtige Jobs stelle die Branche in der Region, schätzt Gerschermann. Dabei seien die Selbstständigen und freien Honorarkräfte noch gar nicht erfasst. Alles in allem rechnen die Experten mit bis zu 190 000 Arbeitsplätzen, die an Medien, Werbern und Kulturbetrieben in und um Frankfurt hängen.
Die Kreativwirtschaft habe eine beachtliche wirtschaftliche Bedeutung für die Region, sagt Gerschermann. Es lohne sich, die Branche zu hegen. 16 Milliarden Euro setzten die Firmen der Region im Jahr 2007 zusammen um. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. Wie andere Branchen leidet auch die Kreativwirtschaft unter der aktuellen Krise. "Wir stehen am Ende der Nahrungskette", sagt etwa ein Vertreter der Werbebranche: "Wir sitzen mit unseren Kunden in einem Boot."
Viele Konzerne haben ihre Budgets fürs Marketing spürbar eingedampft. Alleine im Bereich Werbefilm soll laut Experten das Auftragsvolumen um fast ein Drittel weggebrochen sein. Zuwächse würden dagegen mit Kampagnen in neuen Medien wie Handy oder Internet verzeichnet. Folge: Die Agenturen specken Personal ab - und stellen sich neu auf.
Zu schaffen macht den Kreativen auch der Mangel an Immobilien. Trotz des hohen Leerstands sei in Frankfurt kaum geeigneter Raum zu bekommen. Makler und Stadtplaner hätten meist andere Wirtschaftszweige im Blick, kritisiert Rohde. Die Kreativen bräuchten aber flexible und kostengünstige Arbeits- und Lebensräume, um sich entfalten zu können, um "ein Milieu" wachsen zu lassen.
IHK und Kreative fordern: Ungenutzte Flächen sollten so wenig wie möglich überplant werden, Kreativen solle Lebensraum zur Verfügung gestellt werden. Um Firmen bei Kreditverhandlungen zu unterstützen, solle eine Task-Force eingerichtet werden. Diese könne etwa den Bankern die Wertschöpfungsmodelle von Produktionen im Bereich Film und Computerspiele erläutern.

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