Das sei jetzt kein Wahlkampftermin, sagt Innenminister Boris Rhein (CDU): Er stelle die polizeiliche Kriminalstatistik jedes Jahr um diese Zeit vor. Dass sie dazu taugt, Rheins Bewerbung als Frankfurter OB zu befördern, muss sogar die Opposition einräumen: Zwar nicht spitze, aber gut, heißt es da halblaut.
Fälle: 396.834 Fälle erfasste die Statistik 2011, das sind 1,3 Prozent weniger als 2010 (401.864) und so wenige wie zuletzt 1984. Umgerechnet auf Fälle pro 100.000 Einwohner hat sich die Zahl von 6629 auf 6541 verbessert. 58,8 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt, 2010 waren es 58,3 Prozent.
Delikte: Mit 0,1 Prozent der Fälle machen die „Straftaten gegen das Leben“ (Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung etc.) den geringsten Teil der Fälle aus. 64 von 66 Morden wurden 2011 aufgeklärt, das sind 97 Prozent. Vermögens- und Fälschungsdelikte sind mit 22,9 Prozent am häufigsten, gefolgt vom einfachen (21,1 Prozent) und schweren Diebstahl (16,5 Prozent). Rohheitsdelikte (11 Prozent) sind etwa Raub, Körperverletzung, Nötigung und Stalking. Sexualstraftaten machen 0,9 Prozent aus. Der Rest lässt sich als „Sonstige“ zusammenfassen, von Drogen- und Waffendelikten über Beleidigung und Sachbeschädigung bis Ausländerrecht und Korruption.
Täter: Von 152.070 ermittelten Tatverdächtigen waren 74,4 Prozent männlichen Geschlechts. Bei den Mehrfach- und Intensivtätern sind es sogar 95 Prozent. Gesunken ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen: 2,8 Prozent der Täter sind zwischen acht und 13 Jahren alt (2010: 3,2 Prozent), 9,3 Prozent sind Jugendliche bis 18 Jahre (2010: 10,1 Prozent) und 9,2 Prozent Heranwachsende bis 20 Jahre (2010: 9,4 Prozent). 78,4 Prozent der ermittelten Verdächtigen sind somit Erwachsene.
Laut bemängelt die Opposition vor allem die gestiegene Zahl der Wohnungseinbrüche, die auch Rhein als „Sorgenkind“ identifiziert hat. Fast 1400 Fälle mehr als 2010 kamen 2011 zur Anzeige, das ist ein Anstieg von 10,5 Prozent auf gut 14.600 Fälle. In Nordhessen stieg die Zahl um 63,3, in Kassel sogar um 85,3 Prozent.
Rhein hofft auf Besserung: Noch vor Beginn der Einbrecher-Hauptsaison, der dunklen Jahreszeit, hätten die Beamten mehrere Banden zerschlagen. Ein neues Tatortkonzept ermögliche, dass die Beamten schneller Spuren sichern. Einbrecher arbeiten nun mal gern nachts, Einbruchsopfer aber neigten dazu, verwüstete Tatorte aufzuräumen, so dass am nächsten Morgen keine Spuren mehr zu finden seien, so Rhein.
Auch Präventionsarbeit soll helfen, die Fallzahlen zu senken. Schon jetzt blieben zwei von fünf Einbrüchen im Versuchsstadium, sagt der Minister. Informationsangebote wie das Präventionsmobil, das am Freitag vor dem Landtag parkte, sollen helfen, dass Wohnungen sicherer werden. „Demnächst vergebe ich auch wieder das Gütesiegel ,Sicheres Wohnen‘“, sagte Rhein, „und zwar in Frankfurt – aber es ist trotzdem kein Wahlkampf.“
Wenig erfolgreich ist die Prävention bei der Körperverletzung. Die Zahl der Fälle stieg um die Jahrtausendwende stark an und stagniert seit Jahren auf hohem Niveau, 2011 waren es 29302 Delikte. Neben einer niedrigeren Hemmschwelle macht die Statistik eine höhere Anzeigebereitschaft dafür verantwortlich.
Besonders hebt der Innenminister die Aufklärungsquote hervor: 58,5 Prozent der Fälle werden gelöst, die höchste Quote seit Einführung der Computer-Statistik 1971. „Die Polizei kann zu recht stolz sein auf diese Zahl. Es ist nicht die Zahl des Innenministers“, sagte der Innenminister, „sondern die Zahl der Polizistinnen und Polizisten.“
Auch die Grünen sehen einen „Grund, den Polizistinnen und Polizisten des Landes für die gute und engagierte Arbeit zu danken“. Ihr innenpolitischer Sprecher Jürgen Frömmrich weist aber darauf hin, dass die Aufklärungsquote „kein Grund zu Jubel-orgien“ sei, wenn man sie im Vergleich der Bundesländer betrachtet. Da liege Hessen nur auf dem siebten Platz, hinter Thüringen (65,3 ), Bayern (64,69 und Rheinland-Pfalz (62,5 Prozent).
Seine SPD-Kollegin Nancy Faeser zieht aus der Statistik das Fazit: „Hessen ist nicht sicherer geworden.“ Neben den Wohnungseinbrüchen sei auch in anderen bedeutenden Bereichen die Kriminalität gestiegen, bei den Raubüberfällen auf Straßen, Wegen und Plätzen etwa um 8,7 Prozent, bei der die Wirtschaftskriminalität um 41,3 Prozent, bei der Computerkriminalität um mehr als zehn Prozent. „Auch der Handtaschenraub hat einen geringen Zuwachs zu verzeichnen“, so Faeser in Wiesbaden. Das liege maßgeblich an den Einsparungen der Landesregierung, die die Zahl der Neueinstellungen bei der Polizei reduziert habe.

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