Man kann nicht behaupten, die Wissenschaft beschäftige sich nicht mit der Finanzkrise. Wie konnte es zum Zusammenbruch einzelner Märkte kommen? Wer sind die Schuldigen? Welche Instrumente können ähnliche Szenarien verhindern? Und vor allem: Wie lange dauert diese Krise noch? Oder hat sie vielleicht noch gar nicht richtig begonnen? Fragen, die an den wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereichen der Unis und an privaten Finanzschulen diskutiert werden.
Poul Kjaer reicht das nicht. Der dänische Wissenschaftler, der derzeit am Frankfurter Exzellenzcluster mit dem Titel "Die Herausbildung normativer Ordnungen" forscht, will mehr. Er will das Thema auf eine "breitere Ebene stellen", will gesellschaftliche Zusammenhänge anhand der Krise aufzeigen.
Kjaer fragt sich, was passiert, wenn sich Juristen, Philosophen und Soziologen mit der Finanzlage beschäftigen. Deshalb hat er - gemeinsam mit zwei Mitstreitern - eine öffentliche Konferenz organisiert, die am heutigen Donnerstag beginnt und bis Samstag dauert. Kjaer möchte das "Monopol der Ökonomen bei der Behandlung der Krise" brechen.
"After the Catastrophe", heißt die Tagung, die in englischer Sprache abgehalten wird. Doch schon beim Titel fangen für Kjaer und seine Kollegen die Fragen an. Ist die Krise wirklich vorbei? "Wir wollen klären, wo wir derzeit stehen", sagt der Däne und meint nicht nur die Wirtschaftslage. Ihm geht es darum, die gesellschaftlichen Auswirkungen des Finanzkollapses zu untersuchen, die noch lange andauern könnten.
Blick zurück
Doch auch einen Blick zurück will die Konferenz bieten, zu der die Organisatoren 14 Wissenschaftler aus Deutschland, USA, der Schweiz und Großbritannien erwarten. Kjaer und seine Kollegen wollen noch einmal die Gründe der Krise erforschen. Ihnen geht es dabei allerdings weniger um den Zusammenbruch des Immobilienmarktes in den USA, mit dem alles seinen Anfang nahm. Auf dem Campus Westend sollen sich die Debatten um das "komplexe Zusammenspiel von Globalisierung, neoliberaler Ideologie und Veränderungen in der Unternehmenspolitik drehen".
Schließlich beschäftigt sich die Tagung auch noch mit dem Verhältnis zwischen Privat- und Zentralbanken. Und an dieser Stelle kommen dann doch wieder die Wirtschaftswissenschaftler ins Spiel. Denn ganz fehlen sollten sie bei einer Konferenz über die Krise schließlich nicht.
Die Tagung beginnt am heutigen Donnerstag um 13.15 Uhr mit einem Vortrag des Juristen Gunther Teubner im Eisenhower-Raum des IG Farben-Hauses. Das Programm findet sich über die Homepage: www.uni-frankfurt.de

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