Die Verwertungsketten kultureller Produkte werden immer länger. Kommt ein neuer Film heraus, gibts oft auch gleich das Buch zum Film. Das ist nichts Besonderes. Das Buch vor dem Film dagegen schon. Deswegen steht das auch auf dem Cover von Jasmin Ramadans Roman "Soul Kitchen".
Und es stimmt in doppelter Hinsicht. Das Buch erschien drei Monate bevor Fatih Akins gleichnamige Komödie in die Kinos kam, und es erzählt die Vorgeschichte der Ereignisse, die der Film behandelt. Eine sonderbare Konstellation, die aber eine einfache Erklärung hat. Jasmin Ramadan, Fatih Akin und Adam Bousdoukos, der am Drehbuch mitarbeitete und dessen Vita die Vorlage für die Hauptfigur Zinos bildete, sind schon seit der Schulzeit in Hamburg-Altona befreundet.
Da der Film von Leuten wie ihnen handelt, war es für die Autorin wohl nicht so schwer, das weiterzuspinnen, was ihre Buddies sich für den Film ausdachten. Man trifft in dem Debüt-Roman der 35-Jährigen also den Deutsch-Griechen Zinos wieder, als er heranwächst, ziemlich orientierungslos durch seine Heimatstadt und sein Leben taumelt, sich abstrampelt auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz als Koch, mit den Frauen und anderen Widrigkeiten des Lebens. Zinos geht auch auf Reisen, erst nach Griechenland, später heuert er auf einem Kreuzfahrtschiff an und landet auf einer Karibikinsel.
Da ist Ramadan ganz nah bei Akin, der in seinen Filmen seine Helden auch oft abhauen lässt, damit sie von außen auf ihr Leben gucken. Doch ihr Zinos ist etwas anders als der Film-Zinos - weicher, verletzlicher, zurückhaltender. Das Ruppige, die Testosteron-Ausdünstungen, die man im Film bei der Haupt- und den anderen Männerfiguren wahrnimmt, sind hier sehr dezent. Akin geht es auch um die kleinen und großen Schläge, die das Leben verbeulen, aber bei ihm säuft das mitunter in zu grellen Farben und im Grob-Klamaukigen ab.
Bei Ramadan sind Schmerz, Trauer und Einsamkeit eine stärkere Hintergrundmeldodie, obwohl auch sie ihren Stoff in ein Komödienkleid steckt. Grandios etwa ein Dialog zwischen Zinos und seiner etwas spinnerten, aber lebensklugen Tante Eleni, die er in Griechenland besucht. Sie fragt: "Was machst du, Junge?" "Leben." "Leben? Das macht man nicht. Leben ist das, was sowieso passiert. Dummer Junge!"
Aus Fleisch und Blut
Ramadans Stärke ist ihr Tonfall, der nah dran ist am Erfahrungshorizont des Daseins. Sie will keine literarische Verfremdung, die oft so angestrengt wirkt bei jungen Autoren. Ihr Zinos ist aus Fleisch und Blut. Und man kann ihn mögen, sehr sogar. Ramadan macht auch ein paar ironische Späße mit den echten Gegebenheiten. Ein Running Gag ist, dass Zinos in Hamburg immer wieder mit Adam Bousdoukos verwechselt wird, der schon in Akins Debüt "Kurz und schmerzlos" die Hauptrolle spielte.
Einmal trifft Zinos den Meister selbst zufällig am Hamburger Hafen. Man plaudert. "Wie soll denn dein Restaurant mal heißen, hast du dir das schon überlegt?!", fragt Akin. "Soul Kitchen!!!" "Soul Kitchen!? Geil, Digger, geil, geil, geil." Mehr als eine Million Zuschauer haben den Film gesehen. Das ist ein großer Erfolg. Er befördert auch Jasmin Ramadans Buch. Ihr Roman wurde vielfach besprochen. Sie hat eine ganze Menge Lesungen. Das ist okay. Sie hätte das aber nicht alleine erreicht. Man braucht Freunde im Leben. Davon handelt "Soul Kitchen".
Jasmin Ramadan liest, 23.2., 20.30 Uhr, Romanfabrik, Frankfurt, Hanauer Landstraße 186

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick
Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.
Facebook | Twitter überregional | Google+
Wer folgt Petra Roth? Mitte März wählt Frankfurt einen neuen OB. Alles über die Kandidaten im Spezial.