Frankfurt/Main. In der Auseinandersetzung über die Vergabe des Hessischen Kulturpreises hat der Mainzer Bischof Karl Lehmann davor gewarnt, den Dialog zwischen den Religionen zu überfordern.
"Wenn nicht eine grundlegende Achtung vor der Glaubensüberzeugung anderer und Respekt vor der Andersheit des Anderen bestehen, steht es schlecht um ein wirkliches Gespräch der Religionen untereinander", schrieb der Mainzer Kardinal in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ, Mittwoch).
Lehmann und der frühere Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker, hatten sich geweigert, den vom Land Hessen vergebenen Kulturpreis gemeinsam mit dem Muslim Navid Kermani anzunehmen, weil dieser das christliche Symbol des Kreuzes in einem Zeitungsbeitrag unter anderem als Gotteslästerung bezeichnet hatte. Daraufhin erkannte die hessische Staatskanzlei Kermani den Preis ab.
Der Mainzer Bischof meinte in der "FAZ", "die klärenden Grenzen eines jeden religiösen Dialogs müssen wir wohl noch gemeinsam besser entdecken." Deswegen hätten Steinacker und er selbst den Aufschub der Preisverleihung und den Versuch eines persönlichen Gespräches der vorgesehenen Preisträger zunächst ohne Öffentlichkeit vorgeschlagen.
Lehmann verwahrte sich in der "FAZ" gegen Behauptungen, er habe des Ausschluss Kermanis "auch nur insinuiert (angedeutet), geschweige denn erwartet oder gar angemahnt". Er habe dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch aber deutlich gemacht, dass er angesichts der Äußerungen Kermanis über das Kreuz den Preis nicht ohne weitere Klärungen empfangen könne.
Er habe sich schon die Reaktionen in der Berichterstattung vorstellen können, wenn er "in dieser Situation und möglicherweise noch im Bischofsgewand neben Navid Kermani den Preis entgegengenommen hätte. ... Ich malte mir schon die Kommentare derer aus, die mich deswegen verhöhnt hätten, heute aber über mich herfallen, weil ich mir dieses Szenario ersparen wollte."
Die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) hat unterdessen gegen die Entscheidung protestiert, Kermani den Hessischen Kulturpreises abzuerkennen. Die Jury diskreditiere Kermanis intellektuelle Integrität und die Bemühungen der "NZZ" um eine unvoreingenommene Diskussion religionskultureller Fragen, schrieb Chefredakteur Markus Spillmann in der Dienstagsausgabe. (dpa)

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