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09. Februar 2015

Kultusministerium: Weniger Schulpsychologen

 Von 
Gewalt, Mobbing, Angst - da ist viel Arbeit für Schulpsychologen.  Foto: IMAGO

Das Land Hessen streicht 40 Stellen in den Schulämtern - der Sparkurs trifft unter anderem die Schulpsychologen. In den Augen des Berufsverbandes BHS ein unverantwortlicher Schritt.

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Das Kultusministerium will bis Ende 2017 in den Staatlichen Schulämtern 40 Stellen abbauen. Davon sind auch Stellen für Schulpsychologen betroffen. Das geht aus einem Schreiben des Ministeriums an die Schulamtsleiter hervor, das der Frankfurter Rundschau vorliegt.

„Es wird nach dem Motto gekürzt, spart mal, egal wo“, klagt Ludger Busch, Vorsitzender des Berufsverband Hessischer Schulpsychologinnen und Schulpsychologen BHS. Er geht davon aus, dass von den 92 Stellen für Schulpsychologen bis zu 15 wegfallen könnten. Busch sieht darin „einen Wortbruch der Landesregierung. Kürzen sei „unverantwortlich“, alle Stellen müssten erhalten bleiben.

Die schwarz-grüne Koalition und das Kultusministerium haben bisher immer versichert, beim Stellenabbau im Bildungsbereich sei ausschließlich die Verwaltung betroffen. Bereiche, in denen direkt mit Schülerinnen und Schülern gearbeitet werde, seien davon nicht berührt.

Kultusminister Alexander Lorz dagegen betont, von den Kürzungen seien lediglich Lehrerstellen und die Unterrichtsversorgung an den Schulen ausgenommen. „Selbstverständlich wissen wir um den hohen Stellenwert der Schulpsychologie in Hessen“, lässt Lorz den BHS in einem Anfang Februar verfassten Schreiben wissen. Gleichzeitig verweist er auf die „Einsparerfordernisse“ in der gesamten Bildungsverwaltung. Lorz antwortete damit auf einen Brief des BHS, in dem dieser auf einen Stellenerhalt drängte.

Formal gehören die Schulpsychologen tatsächlich zur Verwaltung. Ihre Stellen sind nicht den Schulen, sondern den Schulämtern zugeordnet. So ist es in Paragraph 94 des hessischen Schulgesetzes geregelt. In ihrer täglichen Arbeit allerdings sind die Psychologen intensiv mit Lehrern, Eltern und eben auch Schülern und Schülerinnen in Kontakt.

Zu ihren Aufgaben zählt es, Kindern und Jugendlichen mit Schulangst beizustehen, Schulverweigerer beim Wiedereinstieg zu unterstützen, Hilfen beim Schutz vor sexuellem Missbrauch zu leisten oder bei Anti-Gewalt-Projekten mitzuarbeiten.

Und die Aufgaben wachsen. Beim Schutz vor Salafismus oder Rechtsextremismus sind die Schulpsychologen ebenso gefragt wie bei der Unterstützung der Schulen beim Umsetzen des gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit und ohne Behinderungen, der Inklusion.

Schon heute kommen die rund 120 Psychologen und Psychologinnen, die sich die 92 hessischen Stellen teilen, den Anforderungen kaum nach. Ein Psychologe ist für mehr als 9000 Kinder und Jugendliche zuständig, muss durchschnittlich 150 bis 200 Einzelfälle im Jahr bearbeiten.

Bereits heute dauert es laut Ludger Busch einige Wochen bis zu einem ersten Gespräch zwischen Psychologen und jenen Schülern und Eltern, die bei ihnen Hilfe suchen. „Wenn es dabei um Schulangst, Mobbing oder Depressionen geht, ist das eine lange Zeit“, sagt Busch.

Immerhin handele es sich für die Betroffenen um Notsituationen, häufig sei dabei schnelle Hilfe erforderlich. Verschärft wird die Misere dadurch, dass Hilfen außerhalb der Schule oft noch schwieriger zu finden sind. „Auf einen Termin bei einem Therapeuten müssen Sie mindestens drei Monate warten“, sagt Busch.

Es ist noch nicht einmal fünf Jahre her, dass in Hessen die Stellen für diesen immer wichtiger werdenden Berufszweig aufgestockt wurden. Anlass dafür war der Amoklauf von Winnenden im Jahr 2009, bei dem ein 17 Jahre alter Schüler 15 Menschen und schließlich sich selbst erschoss. Damals kamen 15 neue Stellen dazu – so viele, sie nun bis zum Jahr 2017 wieder wegfallen könnten.

Und der Abbau hat schon begonnen. Im neu gegründeten Schulverbund Friedberg, Marburg, Weilburg sowie Gießen/Vogelsberg werden nach Informationen der Frankfurter Rundschau gleich drei Psychologenstellen gestrichen. Zwei sind bereits weg, eine weitere soll noch dieses Jahr folgen.

Im Kooperationsverbund Rhein-Main, dem die Schulämter Frankfurt, Offenbach und Hanau angehören, sollen insgesamt neun Stellen wegfallen – wie viele davon Stellen von Schulpsychologen sein werden, ist noch offen. Die Amtsleiter sollen ihre Vorschläge dem Ministerium unterbreiten. Die Schulpsychologie wird dabei in einen Topf mit allen Verwaltungsstellen geworfen. Einer der Betroffenen, der namentlich nicht genannt sein will, sagt: „Der Verteilungskampf hat begonnen.“

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