Eigentlich hätte es am Sonntagvormittag längst krachen müssen. Sechs Fahrräder, ein Radius von weniger als fünf Metern, und Fahrer, die nicht nur das 13. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sondern sich auch noch auf kaum hörbare Befehle hin in die Mitte eines imaginären Kreises stürzen - direkt aufeinander zu. Eine Kollision scheint programmiert, irgendwann scheppert´s, das sagen einem Lebenserfahrung und Statistik.
Doch weder das eine noch das andere scheint für die Jungs und Mädels vom Radfahrverein Stierstadt von Belang. Statt mit ihren Kunstfahrrädern zusammenzustoßen, greifen sie sich an den Händen, bilden einen Stern und drehen sich im Kreis, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt. Schließlich heben sie auch noch die Vorderräder in die Luft, drehen noch ein paar Runden, ehe sie sich ebenso routiniert wieder zerstreuen. Der Applaus der 150 Zuschauer in der Sporthalle der Schule am Ried ist ihnen sicher - und vermutlich auch eine hohe Punktwertung beim diesjährigen Schelmenburgpokal.
57 Vereine, mit rund 250 Sportlern, sind dieses Jahr der Einladung des Radfahrer-Clubs (RC) Bergen-Enkheim gefolgt. Damit zählt der Schelmenburgpokal zu den größten Turnieren im Bereich Kunstradfahren bundesweit. "Wir sind sonst eher eine Randsportart", gesteht Claudia Forster, Pressesprecherin des RC und selbst ehemalige Kunstradfahrerin, ein. Eine Diagnose, die an diesem Sonntag in Bergen-Enkheim vorübergehend ihre Gültigkeit verliert.
Greifen beim Innenstern
Irgendwo hinter den Kampfrichtern haben die Veranstalter eine Musikanlage aufgebaut. Aus den Boxen ertönen Rockklassiker, die jedoch mit den Choreographien wenig zu tun haben. Im Zentrum der Sporthalle drehen derweil die verschiedenen Teams ihre Runden, mal zu viert, mal zu sechst, in unterschiedlichen Altersklassen von den unter 11-Jährigen bis zur U19. Gefahren wird entweder auf zweirädrigen Kunsträdern oder dem Einrad. Allen Kontrahenten gemein sind die dunklen Leggins - und die bunten, im 80er-Jahre Neon-Dekor gehaltenen Trikots.
"Es ist toll, etwas zu machen, was nicht jeder kann", sagt Anna Bartsch. Gerade hat die 13-jährige mit der U15-Mannschaft des RC Bergen-Enkheim ihre sechs Minuten lange Choreographie absolviert. Nicht ganz fehlerfrei, wie sie zugeben muss: "Beim letzten Innenstern hat es mit dem Greifen nicht ganz geklappt." Ein Fehler, der auch dem sechsköpfigen Kampfrichterteam aufgefallen ist. Für die für jede Übung vorgesehenen Maximalpunktzahl wird es wohl nicht ganz reichen.
Trotzdem zählt die U15 zu den großen Hoffnungen des RC Bergen-Enkheim, der mit sechs Teams antritt. Den Siegern in den einzelnen Kategorien winkt ein Pokal - kein Preisgeld. "Dafür sind wir zu klein", erklärt Claudia Forster. Gerade mal 50 Sportler zählt die Abteilung Kunstradfahren beim RC. "Aber das ist nicht unbedingt ein Nachteil", glaubt die Pressesprecherin, "so bleiben wir eine große Familie."

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