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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

24. November 2009

Lampertheim: ICE quer durch den Wald

 Von Frank Schuster
Protest Weiß auf Rot am Orsteingang. Foto: Bila/Berno Nix

Wer nach Lampertheim will, trifft an allen Ortseinfahrten auf Plakatwände mit achteckigen, dem Stoppschild nachempfundenen Zeichen. Eine Bürgerinitiative lehnt die ICE-Trasse durch die Gemarkung ab (mit interaktiver Karte). Von Frank Schuster

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Die Bürgerinitiative Lampertheim listet Fakten auf und dokumentiert die Auseinandersetzung: bila-ice.de

Das Nein ist nicht zu übersehen. Wer nach Lampertheim will, trifft an allen Ortseinfahrten auf Plakatwände mit achteckigen, dem Stoppschild nachempfundenen Zeichen. Weiß auf Rot steht darauf: "Keine ICE-Trasse C - keine Zerschneidung unseres Lebensraums."

Ein Gespenst geht um in der südhessischen Stadt im Kreis Bergstraße, kurz vor Mannheim. Das Gespenst heißt Variante C. Die C-Variante bedeutet: Die geplante ICE-Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim würde nicht, wie es die anderen Varianten vorsehen, an Lampertheim vorbei führen, weiter Richtung Süden entlang der Autobahn A 67 und erst auf Höhe des Viernheimer Dreiecks Kurs auf Mannheim nehmen.

Sondern sie würde, damit die Bahn Gleiskilometer spart und Mannheim seinen direkten Hauptbahnhof-Anschluss erhielte, diagonal durch Lampertheimer Gemarkung führen. "Damit geht eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete der Rheinebene unwiederbringlich verloren", kritisiert die Bürgerinitiative Lampertheim (Bila).

Der Wald sei beliebtes Ausflugsziel, sagt Vorstandsmitglied Michael Köthe, der im städtischen Agendabüro arbeitet. Zudem sei er Lebensraum zahlreicher bedrohter Pflanzen und Tiere. Die BI treibt jedoch nicht nur die Sorge um das Naturgebiet um, das per Europarecht besonders geschützt ist. Sie fürchtet auch den Lärm. "Die vielen Hochgeschwindigkeitszüge und nachts auch etliche Güterzüge sollen nur knapp an den Wohngebieten vorbei rasen."

ICE-Trassen Südhessen auf einer größeren Karte anzeigen Die Bürgerinitiative wendet sich gegen die rot eingezeichnete Trasse, die den Wald bei Lampertheim durchschneiden würde. Hell- und dunkelblau zwei Varianten, die länger den Autobahnen 67 und 6 folgen.

Die Bürgerinitiative genießt nicht nur in dem 32 000-Einwohner-Städtchen, sondern auch in den Nachbargemeinden in der Rhein-Neckar-Region einen großen Rückhalt - bis in die Rathäuser hinein. Sie hat bereits rund 11.000 Unterschriften gegen die C-Variante gesammelt, acht Prozent davon in Mannheim.

Am 2. Dezember kommt das ICE-Regionalforum Rhein-Neckar zusammen. Als Gast hatte sich Bahnchef Rüdiger Grube angekündigt. Nach Information der Frankfurter Rundschau wird er aber absagen.

Eine Festlegung auf eine der Trassenvarianten wäre ohnehin nicht zu erwarten. Denn die Bahn plant die Neubautrasse, die als Bindeglied zwischen den Hochgeschwindigkeitsstrecken Köln-Frankfurt und Mannheim-Stuttgart gedacht ist, von Nord nach Süd. Bislang sind nur die ersten 13 Kilometer zwischen Frankfurt und Erzhausen im Planfeststellungsverfahren. Weiter südlich sei noch vieles offen, sagt Bahnsprecher Hans-Georg Zimmermann.

Im Tunnel unterm Wald durch

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) unterstützt die Bila in ihrer Forderung, den Lampertheimer Forst zu erhalten. Allerdings plädiert sie dafür, dennoch auf die C-Variante zurückzugreifen. Die Trasse länger an der Autobahn entlang und im Bogen auf Mannheim zuzuführen, würde bedeuten, dass noch mehr Natur verbraucht würde, so SDW-Landesgeschäftsführer Christoph Eisenhart Rothe.

Eine Alternative sieht er darin, die Trasse in einem "bergmännischen Tunnel" unter dem Wald durchzuführen. Eine Schneise müsse dann nicht geschlagen werden. Das klinge zwar teuer, die Bahn spare aber so etliche Schienenkilometer.

Dem widerspricht Bila-Sprecher Karl Hans Geil. "Zwölf Kilometer Tunnel - wer soll das denn zahlen?" Die Tunnellösung sei auch deshalb äußerst unwahrscheinlich, weil sie dem ohnehin schon trockenen Riedwald das Grundwasser noch mehr abgraben würde. Überdies sei der Boden auf Höhe des Stadtteils Neuschloß mit giftigen Altlasten, darunter Dioxin, belastet. Dort hatte eine Chemiefabrik ihren Sitz.

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