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"Digitales Hessen": Land setzt auf die IT-Wirtschaft

Hessen als international bekannter IT-Standort - das würde Branche und Politik gefallen. Der Staatssekretär unterstützt die Idee eines "House of IT". Der Planungsverband stellt den Branchenreport vor.

        

Im größten europäischen Internetknoten De-Cix.
Im größten europäischen Internetknoten De-Cix.
Foto: dpa

"Hessen will den IKT- und Software-Standort mit seinen 10.000 Unternehmen auch international zu einer sichtbaren Größe und Bedeutung ausbauen.“ Das kündigte Steffen Saebisch (FDP), hessischer Wirtschaftsstaatssekretär, gestern auf dem Forum des Software-Clusters Rhein-Main-Neckar an. Nach seinen Worten soll die Informations- und Telekommunikationsbranche für die hessische Wirtschaft so wichtig werden wie die traditionell großen Branchen Finanzwirtschaft oder Logistik.

Das „digitale Hessen“ solle Chancen nutzen, die sich aus dem Aufbau von Technologie-Infrastruktur, der Förderung von innovativen Anwendungsfeldern sowie der Vermarktung des IT- und Softwarestandortes ergeben. Wie das gehen soll, könnte künftig auch an einem „House of IT“ erforscht werden, ähnlich dem Frankfurter House of Finance. Saebisch jedenfalls unterstützt die Idee eines solchen Zentrums. Und er will in Wirtschaftsräumen denken, die auch über Landesgrenzen hinaus gehen können.

Decix
Marktanteil
Alter
Datenverkehr
Internetstandorte
Netznutzer
Wachstum
Prognose

Mit dem Decix verfügt Frankfurt über einen der wichtigsten Internetknoten weltweit. Das Tochterunternehmen des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft (eco) verknüpft die Netze von 350 Internet-Service-Providern aus 40 Ländern in der Stadt am Main.

Google, Yahoo, Microsoft, aber auch zahlreiche Telefongesellschaften und Forschungsnetzwerke zählen zu den Kunden des Internetknotens. Decix hat im Markt des Datenaustauschs in Deutschland einen Marktanteil von 90 Prozent

In diesem Jahr ist der Internetknoten Decix 15 Jahre alt geworden.

Der Datenverkehr, der über den Internetknoten läuft, verdoppelt sich derzeit jedes Jahr. 2009 ist jeden Tag eine Datenmenge durch die Glasfaserkabel geflossen, die dem Inhalt von 178000 Blue Ray Discs entspricht. In diesem Jahr dürfte die Menge deutlich größer sein.

Frankfurt ist unter den bundesdeutschen Internet-Standorten mit deutlichem Abstand die Nummer 1. In der zweiten Reihe folgen Städte wie Düsseldorf, München und Berlin.

Knapp 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ist nach Angaben der ARD/ZDF-Online-Studie zumindest gelegentich im Netz: 49 Millionen Menschen. Drei Viertel von ihnen sind täglich im Netz. Die häufigste Nutzung ist das Schreiben und Empfangen von E-Mails.

Das größte Wachstum im Datenverkehr weltweit prognostiziert der US-amerikanische Telekommunikationshersteller Cicso für Lateinamerika, wo die Datenmengen im Internet jährlich um voraussichtlich 50 Prozent zunehmen werden.

Cicso erwartet, dass 2014 weltweit mehr als 90 Prozent des gesamten Datenverkehrs auf Internet-Video, Internet-Fernsehen (IPTV) und privaten – legalen wie illegalen – Datenaustausch entfallen werden.

Die größten Datenmengen fließen dann wegen des Runterladens von Videos – und nicht mehr wegen des sogenannten Filesharings, bei dem über legale oder illegale Adressen etwa die Musik von CDs getauscht werden.

Ein wichtige Rolle werden Media- und Online-Videotheken für das Verkehrsaufkommen spielen. Cisco prognostiziert bis 2014 eine monatliche Datenmenge im Internet, die dem Inhalt von 16 Milliarden DVDs entspricht. (schu)

Rund 4500 IT-Firmen gibt es laut Initiative in Südhessen, dem Süden von Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Die beiden größten deutschen Software-Firmen, SAP und Software AG, sind hier beheimatet. 39000 Arbeitsplätze bietet alleine diese Region laut dem Cluster, dessen Netzwerkwurzeln bis ins Jahr 1995 zurückreichen. Für rund eine Milliarde Euro Umsatz steht die Branche, den Angaben nach liegt ihr Weltmarktanteil bei über einem Drittel. Laut dem neuen Branchenreport des Planungsverbandes Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main arbeiten sogar 107000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Rhein-Main-Gebiet.

Dass die Initiative, die zu Jahresbeginn als einer von fünf Spitzencluster durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgezeichnet wurde, von Darmstadt aus gesteuert wird, kommt nicht von ungefähr. Denn mit Technischer Universität, Hochschule Darmstadt, den Fraunhofer-Instituten für sichere Informationstechnologie (SIT) und Graphische Datenverarbeitung (IGD) und der Software AG haben vier wichtige Forschungs- und Ausbildungsinstitutionen sowie das zweitgrößte Softwarehaus Deutschlands ihren Sitz in der südhessischen Stadt.

Verbunden mit der Auszeichnung im Clusterwettbewerb ist übrigens die Aussicht auf Forschungsförderungsmittel in Höhe von 40 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund hat das Netzwerk im Juli die ersten drei Forschungsprojekte zur Weiterentwicklung von Unternehmenssoftware beschlossen. Über 30 Millionen Euro werden dafür investiert, das gesamte Investitionsvolumen der Clusterprojekte soll 80 Millionen Euro erreichen.

Autor:  Martin Brust
Datum:  25 | 8 | 2010
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