Wiesbaden. Die Studentenproteste gegen unzulängliche Studienbedingungen sind im hessischen Landtag fraktionsübergreifend auf Verständnis gestoßen. Es gebe Probleme mit der Umstellung auf die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge im Rahmen der Bologna-Reform, räumten Abgeordnete am Mittwoch in Wiesbaden ein.
Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) sagte, Studierende und Lehrende könnten sich seit Mittwoch an einen "elektronischen Kummerkasten" wenden (bologna@hmwk.hessen.de). Streit gab es über die Frage, wer für die mangelhafte Umsetzung verantwortlich ist - die Hochschulen oder auch die Politik.
Die Politik habe die Reform den Hochschulen aufgezwungen, deshalb bleibe die Politik in der Verantwortung, argumentierte der SPD-Abgeordnete Gernot Grumbach. Sein CDU-Kollege Rafael Reißer meinte dagegen, die Hauptverantwortung für die Umsetzung der Reform liege bei den Hochschulen. Der Liberale Matthias Büger nannte die Bologna-Reform ein Jahrhundertwerk. Er habe Verständnis dafür, wenn sie nicht im ersten Anlauf gelinge.
"Ob Bachelor oder Master - alles ein Desaster"
Die vor zehn Jahren formulierten Ziele blieben aber richtig, war er sich mit der Grünen-Abgeordneten Angela Dorn einig: Die internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse herzustellen und den Wechsel von Studenten zu anderen Hochschulen zu erleichtern. Die Linken-Abgeordnete Janine Wissler sieht stattdessen die Hochschulen zu "schnöden Lernfabriken" degradiert und zitierte den Protest-Spruch: "Ob Bachelor oder Master - alles ein Desaster".
Auch Ministerin Kühne-Hörmann räumte Umsetzungsprobleme ein. "Keiner bestreitet, dass es dringenden Handlungsbedarf gibt", sagte sie. Es werde aber keinen Weg zurück hinter die Bologna-Reform geben, sondern Korrekturen. In Hessen seien inzwischen gut 67 Prozent der Studiengänge auf Bachelor und Master umgestellt.
Sie wehrte sich zudem gegen Vorwürfe der Opposition, sie schiebe die Verantwortung für die Probleme ab und habe die Hochschulen bei der Umsetzung alleingelassen. Ihr Ministerium begleite seit drei Jahren mit einem Studienstrukturprogramm die Entwicklung der neuen Studiengänge und gebe dafür jährlich 2,6 Millionen Euro aus. Darüber hinaus erhielten die Hochschulen pro Jahr 92 Millionen Euro für die Qualitätssicherung der Lehre. Sie verwahrte sich zudem gegen den Eindruck, ihr Ministerium sei für die Struktur von Studiengängen zuständig. Einen von den Grünen geforderten "Runden Tisch" mit allen Beteiligten lehnte sie ab. (dpa)

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