Angela Dorn sitzt seit vier Jahren für die Grünen im Hessischen Landtag.
Die Diplom-Psychologin aus Marburg war damals mit 26 Jahren die jüngste Abgeordnete im Parlament. Sie trat auf Platz 13 der Landesliste an und kam nur wegen des guten Grünen-Ergebnisses (13,7 Prozent) in den Landtag.
Die Grüne Jugend Hessen führte sie von 2008 bis 2010.
Der grüne Mutmacher hängt im Büro von Angela Dorn an der Zimmerdecke. „Der Wechsel ist da“, steht auf dem Flyer. Gemeint ist damit der Regierungswechsel, den die Grünen bei der Landtagswahl in einem Jahr erreichen wollen – nach 15 langen Jahren in der Opposition.
„Der Wechsel ist da“ – das gilt auch ein bisschen für das Personal der hessischen Grünen. Die 56-jährige Kordula Schulz-Asche, die 2009 als Spitzenkandidatin antrat, bewirbt sich 2013 um ein Mandat im Bundestag. Im Landtag steht damit ein Generationenwechsel an.
Die 30-jährige Angela Dorn gilt als Favoritin für die Nummer eins auf der Liste. In der Weihnachtspause hat sie sich entschieden. „Ich möchte Spitzenkandidatin werden“, sagte Dorn der Frankfurter Rundschau am Montag in Wiesbaden. „Ich bewerbe mich um Platz eins.“ Entschieden wird darüber im Mai auf einem Parteitag in Stadtallendorf.
Der erste Listenplatz ist bei den Grünen stets einer Frau vorbehalten. Auf Platz zwei, dem ersten Männerplatz, ist der langjährige Landtags-Fraktionschef Tarek Al-Wazir unumstritten. Da seine Ko-Parteichefin Schulz-Asche sehr zurückhaltend agierte, stand der 42 Jahre alte Politologe bisher fast allein im Rampenlicht. Das könnte sich mit der agilen Marburger Psychologin Dorn ändern.
Ihre politischen Wurzeln hat sie bei den Globalisierungskritikern und den Gegnern von Studiengebühren geschlagen. Prompt engagierte sich Dorn als Parlamentsneuling in der Hochschulpolitik. Im Sommer rückte sie an eine für die Grünen noch zentralere Stelle vor. Seither ist sie in der Fraktion für das grüne Kernthema Umwelt- und Energiepolitik zuständig. Die bezeichnet sie heute bereits als ihr „Herzensthema“.
Sie setzt dabei auf einen kräftigen Ausbau von Windkraft-Anlagen in Hessen. Die schwarz-gelbe Landesregierung versuche diesen trotz aller Bekenntnisse zu vermeiden, wittert Dorn. Die Regierung von Volker Bouffier (CDU) bremse, um Energie aus Offshore-Windrädern auf hoher See nach Hessen zu leiten. „Offshore ist teuer“, kritisiert Dorn. „Für alle Probleme zahlen die Verbraucher.“ Stattdessen sollten die Bürger an einer Beteiligung an Windrädern vor Ort Geld verdienen.
Mit Förderung, aber auch mit Vorschriften will Dorn dafür sorgen, dass Gebäude besser gedämmt werden und weniger fossile Energie verbraucht wird. Hausbesitzer müssten schon heute Vorschriften beachten, um etwa das Stadtbild nicht zu verschandeln, stellt Dorn fest. Dann seien Regularien erst recht vertretbar, wenn es um Klimaschutz gehe und damit um „Verantwortung für alle kommenden Generationen“. In dieser Frage hält Dorn die „Veränderung der Welt“ für notwendig.
Zwei kleine Töchter
Auch die Schulpolitik und der Ausbau der Kinderbetreuung sind Themen, die nach Dorns Ansicht bei der Landtagswahl entscheidend sein können. Dabei kann sie aus persönlichen Erfahrungen schöpfen. In ihrer Abgeordneten-Zeit hat Dorn zwei Töchter geboren. Die zweijährige Merle und die noch nicht einjährige Venla haben viel Zeit im Landtag zugebracht, wo sie oft von Vater Timm betreut wurden.
Dorn wünscht sich „kreative Ideen“, um den Beruf des Erziehers attraktiver zu machen und um die Qualität von Kinderbetreuung zu verbessern. Die erhofft sich die Grüne aber nicht von Schwarz-Gelb. „Diese Landesregierung ist müde geworden“, sagt sie.
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