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Laut in Frankfurt: Wenn Motoren krank machen

In Frankfurt müssen Tausende Menschen in der Nacht einen Straßenlärm ertragen, der mehr als 65 Dezibel misst. Ein solcher Wert kann krank machen. Es gibt Mittel und Wege dagegen, aber die kosten. Von Jürgen Schultheis

Gute Laune, auch wenn´s lärmt und rattert - das gelingt nicht jedem in Frankfurt, Hessens lautester Stadt.
Gute Laune, auch wenn´s lärmt und rattert - das gelingt nicht jedem in Frankfurt, Hessens lautester Stadt.
Foto: FR/Arnold

Morgens und abends geht es rund auf den Einfallstraßen der Stadt. Dann fahren und stauen zehntausende Autos auf der Friedberger Landstraße, der Theodor-Heuss-Allee, der Mainzer und Hanauer Landstraße.

Über die A648, die Theodor-Heuss-Allee, fahren nach Angaben des Referates Mobilitäts- und Verkehrsplanung der Stadt in 24 Stunden rund 89.000 Fahrzeuge ein und aus - Zahlen aus dem Jahr 2008. Zwei Jahre zuvor waren es noch 75.000 Autos.

Lärm und Dezibel

Die Lautstärke ist abhängig von der Frequenz. Um die Wahrnehmung des menschlichen Gehöres zu simulieren, werden bei der Lärmmessung Filter verwendet. Der gebräuchlichste Filter ist der A-Filter, weshalb die Lautstärken in db(A) angegeben werden.

Blätterrascheln in der Ferne: 10 dB(A);

Bücherei: 40 dB(A);

Sprache, Abstand ein Meter: 60 dB(A);

Dieselmotor, 10 Meter: 90 dB(A). (schu)

Beispiel Friedberger Landstraße: An der Warte waren 2007 rund 54.000 Fahrzeuge innerhalb eines Tages unterwegs, im Abschnitt der Straße vor dem Nibelungenplatz sind es im gleichen Jahr immerhin noch 47.000 Pkw gewesen. Zwei Jahre zuvor hatten die Statistiker vom Mobilitätsreferat noch 33.000 Fahrzeuge gezählt.

Lediglich an der Hanauer Landstraße zeigt sich im Jahresvergleich eine andere Entwicklung: Zwischen Mainkur und Ratswegkreisel sind 2008 31.000 Fahrzeuge innerhalb 24 Stunden in beiden Richtungen gezählt worden, 2000 hatte die Zahl der Pkw und Lastwagen noch bei 46.000 gelegen.

Brummende Motoren, Laufgeräusche der Räder auf unterschiedlichem Asphalt, manchmal auf Kopfsteinpflaster und Windgeräusche belästigen dann in erschreckender Regelmäßigkeit die Anwohner. "Lärm ist das wohl am stärksten unterschätzte Umweltthema", sagt der Leiter des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth.

Allein in Frankfurt müssen rund 3700 Menschen in der Nacht einen Straßenlärm ertragen, der größer als 65 Dezibel ist, bundesweit sind es nach Angaben des UBA-Chefs rund 15 Millionen. 65 Dezibel gelten als Wert, bei dem ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen entsteht, sofern dieser Schalldruck dauerhaft einwirkt. "Die Weltgesundheitsorganisation sagt, dass wir schon oberhalb von 40 Dezibel nachts mit Gesundheitsbeeinträchtigungen rechnen müssen", hat Flasbarth im Dezember 2009 gesagt. "Das zeigt doch, wie groß der Handlungsdruck ist."

Ein Lkw = 23 Pkw

Der Lärm, also störender oder schädigender Schall, kommt vor allem von Autos, wobei Lastwagen im Einzelfall deutlich lauter sind als Pkws. "Die Geräuschbelastung durch einen Lkw entspricht bei 50 km/h einem Lärmpegel von 23 Pkw. Bei geringeren Geschwindigkeiten tritt die Geräuschbelastung durch Lkw noch stärker hervor als bei höheren", argumentiert das Zentrum für integrierte Verkehrssysteme in Darmstadt.

Man könne davon ausgehen, "dass im innerstädtischen Geschwindigkeitsbereich (30 bis 60 km/h) bei einem Lkw-Anteil von zehn Prozent der Anteil der Lkw an der Gesamtlärmemission bei 30 bis 60 Prozent liegt." Bis zu einer Geschwindigkeit von 40 km/h beim Auto und 70 km/h bei Lastwagen sind die Antriebe die dominierende Geräuschquelle. Mit höherer Fahrgeschwindigkeit wächst das Rollgeräusch. Breite und Beschaffenheit der Reifen machen dabei Unterschiede von bis zu sechs Dezibel aus.

Autor:  Jürgen Schultheis
Datum:  13 | 3 | 2010
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