Es war eine der skurrilsten Nachrichten 2008 und einer der größten Datenverluste der vergangenen Jahre: Zwei Kurierfahrer hatten ein Päckchen mit Weihnachts-Leckereien geöffnet, den Inhalt verputzt - und das Problem auf ihre Weise gelöst. Sie etikettierten das Firmengeschenk, das an die Frankfurter Rundschau adressiert war, kurzerhand um - und klebten die FR-Adresse auf eins von sechs Päckchen der Firma Atos, die für die Landesbank Berlin (LBB) die Kreditkartenabrechnungen macht.
Was am 10. Dezember in der Chefredaktion ankam, entpuppte sich dann als überaus brisant: Statt Süßem enthielt das Paket aus Stuttgart Mikrofiches mit den Daten von rund 130.000 LBB-Kunden.
Zunächst wurde von der FR-Redaktion ein anonymer Absender vermutet, der auf ein Datenleck bei der LBB aufmerksam machen wollte.
Rund drei Monate nach Heißhunger-Attacke, folgenschwerer Verwechslung und Sondersitzungen bei der LBB hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt nun Anklage gegen die beiden Kurierfahrer erhoben.
Den 36 und 27 Jahre alten Männern wird Diebstahl, Urkundenfälschung und Verstoß gegen das Postgeheimnis zur Last gelegt. Zumindest einer der beiden soll bereits einschlägig vorbestraft sein.
Anders als von der Staatsanwaltschaft im Dezember nach einer Woche der Ermittlungen verbreitet, handelte es sich beim Inhalt des Ursprungs-Päckchens allerdings nicht um einen Stollen. Sondern um Plätzchen.
Debatte über Datenschutz
Beide Fahrer, denen fristlos gekündigt wurde, sind nach Angaben von Staatsanwalt Jesco Kümmel geständig. Das Paket mit den Abrechnungsdaten der LBB-Kunden trug nach seinen Angaben lediglich den Vermerk, dass es Briefumschläge enthalte. Die Angeklagten wussten daher wohl nicht, dass der Inhalt streng vertraulich war.
Das Auftauchen der LBB-Daten bei der FR hatte die Debatte über Datenschutz bei Unternehmen angeheizt. Der Bundesdatenschutz-Beauftragte Peter Schaar hatte von einer neuen kriminellen Dimension gesprochen.
Ein Termin für die Verhandlung gegen die Fahrer steht noch nicht fest. Der Prozess soll vor dem Amtsgericht stattfinden.

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