Äußerlich unbeeindruckt nimmt Ismet C. sein Urteil entgegen. Seine Tochter dagegen bricht im Zuschauerraum in Tränen aus: Sie begreift, dass sie ihren Vater für viele Jahre nicht in Freiheit sehen kann. Denn er muss lebenslang ins Gefängnis – wegen Mordes an seiner Frau. Dies hat das Landgericht Darmstadt am Dienstag entschieden.
„Keine Zweifel“ hat die Kammer unter Vorsitz von Richter Volker Wagner, dass der Kurierfahrer aus Groß-Umstadt seine Frau im Oktober 2009 in der gemeinsamen Wohnung erstach. Nach der Tat trennte C. der Leiche den Kopf ab, brachte die Leichenteile mit einem Bekannten nahe Saulheim (Rheinland-Pfalz) in einen Weinberg und verscharrte Kopf und Körper einige hundert Meter voneinander entfernt.
„Zur Aufrechterhaltung seiner Ehre“ habe C. seine Frau getötet, so die Staatsanwaltschaft. Die Kammer sieht es ähnlich. Sie spricht von einem gekränkten Ego. Weil sich das Opfer Figen C. (37) scheiden lassen wollte, der Angeklagte ihre Bedingungen aber nicht akzeptieren konnte.
„Die Frau musste sterben“, so Richter Wagner. Einen Affekt, wie ihn die Verteidigung erkannt und deswegen auf Totschlag plädiert hat, sieht das Gericht nicht. Denn Figen C. wollte ihre jüngste Tochter – ein zur Tatzeit sieben Jahre altes Mädchen – nach der Scheidung mitnehmen und ein neues Leben in Bayern beginnen. Ismet C. aber wollte eine Scheidung nach seinen Bedingungen: Die Frau sollte ohne Tochter zurück in die Türkei gehen – dorthin, wo die Ehe des Paars arrangiert wurde, als das spätere Opfer erst 16 Jahre alt war.
Doch Figen C. habe sich mit den Jahren in Deutschland emanzipiert, einen Job gefunden und Freundschaften geschlossen. Zu viel für den Ehemann, der nach einer Selbstständigkeit Insolvenz anmelden musste und Schulden hatte. Der seine Frau kontrollieren wollte. Der sie schlug, dass sie einen offenen Nasenbeinbruch erlitt und sie bis zur Bewusstlosigkeit würgte. Deswegen erkennt das Gericht auch die Aussagen des Angeklagten bei einem psychiatrischen Gutachter nicht an: Er sei von seiner Frau bedroht, beschimpft und mit einem Messer attackiert worden. „Diese Frau hatte Angst“, betont Wagner. „Sie hätte ihren Mann nie angegriffen.“
Dabei sei die Ehe des Paars anfangs glücklich gewesen, glaubt die Kammer. Drei Kinder gingen daraus hervor, Fotos von einst zeigen lachende Gesichter. Das Nachtatverhalten – die planvolle Beseitigung der Leiche – zeige allerdings, dass der Kurierfahrer nicht im Affekt gehandelt habe, so Richter Wagner.

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