Das Sparen bei der Lehrerbildung geht weiter. So werden massiv Fortbildungsveranstaltungen gestrichen, die die Studienseminare den allgemeinbildenden Schulen im zweiten Schulhalbjahr anbieten sollten. Das geht aus einem Schreiben des Amtes für Lehrerbildung (AfL) an die Studienseminare hervor, das der Frankfurter Rundschau vorliegt. Betroffen davon sind Veranstaltungen, die die Lehrerinnen und Lehrer im Anwenden von modernen Unterrichtsmethoden fit machen sollten.
Zum einen werden vom 1. Februar an sämtliche Angebote gestrichen, bei denen Mitarbeiter der Studienseminare Schulen aufsuchen, um dort Kollegien oder Fachschaften fortzubilden. Dazu gehört etwa eine Fortbildung für den bilingualen Unterricht auf Deutsch und Französisch, wie er von Schulen im Bezirk Wiesbaden erteilt wird. Stark eingeschränkt werden zudem zentrale Fortbildungsveranstaltungen für Grundschullehrkräfte zu den neu eingeführten Bildungsstandards und zu kompetenzorientiertem Lernen.
Drei Abschnitte hat die Lehrerbildung: Die erste Phase ist das Studium an der Hochschule, die zweite Phase ist der Vorbereitungsdienst an den Schulen (Referendariat), die dritte Phase ist die Fort- und Weiterbildung während des Berufslebens.
Die Studienseminare sind für die Ausbildung der Referendare verantwortlich und übernehmen Aufgaben der Fortbildung. Insgesamt gibt es etwas mehr als 120 Stellen für die Fortbildung. Für die Referendare sind 740 Ausbilder zuständig, davon sollen 150 Stellen wegfallen.
Rund 4800 Referendare (Lehrer im Vorbereitungsdienst) gibt es in Hessen.
Vor elf Tagen erst berichtete die Frankfurter Rundschau über eine Verschlechterung der Referendarausbildung. Dort fallen 150 Ausbilderstellen weg. Kritiker mahnen, angehende Lehrkräfte würden schlechter auf die Anforderungen ihres Berufs vorbereitet.
Neue Anforderungen
Die Kürzung bei der Fortbildung schlägt in dieselbe Kerbe. „Das reißt natürlich eine Lücke“, sagt ein Mitarbeiter der Studienseminare, der nicht genannt werden möchte. Dies passiere „gerade dort, wo mit der Einführung der Bildungsstandards eine Neuorientierung vieler Lehrerinnen und Lehrer auf veränderte Anforderungen an den Unterricht“ nötig geworden sei.
Ein Sprecher des Kultusministeriums bestätigte auf Anfrage die Kürzungspläne. Durch das Streichen der Fortbildungsangebote der Seminare an den Schulen würden 7,5 Stellen frei. Diese sollten für „vordringlichere Aufgaben“ eingesetzt werden. Die Angebote, die erst im vergangenen Jahr eingerichtet wurden, würden ausgesetzt und von 2013 an wieder auf dem Programm stehen.
Die Kürzungen bei den Fortbildungen hängen mit Veränderungen bei der Lehrerausbildung zusammen. Weil die Referendarszeit mit der Novellierung des Lehrerbildungsgesetzes von 24 auf 21 Monate verkürzt wurde, wurden den Ausbildern an den Studienseminaren weniger Stunden zugewiesen.
Zwei Millionen Euro fehlen
Allerdings gibt es in Hessen noch rund 1500 Referendare, die nach der alten Regelung 24 Monate lang ausgebildet werden müssen. Sie beenden erst im Sommer mit dem Zweiten Staatsexamen ihr Referendariat. Dafür aber fehlen im Haushalt des Kultusministeriums für das Jahr 2012 rund zwei Millionen Euro. Diese sollen wenigstens teilweise durch die Kürzungen hereingeholt werden.
„Die Einschnitte sind schmerzlich, weil die Fortbildung durch die Seminare an den Schulen ein Erfolgsmodell ist“, sagte AfL-Direktor Frank Sauerland. Allerdings seien sie „zu verschmerzen“, zumal die Angebote im nächsten Jahr wieder eingerichtet werden sollten.

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