kalaydo.de Anzeigen

Leih- und Zeitarbeit: Geheuert und gefeuert

Der hessische DGB-Vorsitzende fordert eine Neuregelung der Leih- und Zeitarbeit. Leiharbeit müsse "wieder zur Ausnahme werden", so Stefan Körzell.Von Marie-Sophie Adeoso

Die Landesregierung ist gegen Mindestlöhne für Zeitarbeiter.
Die Landesregierung ist gegen Mindestlöhne für Zeitarbeiter.
Foto: ddp

Der hessische Bezirksvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Stefan Körzell, fordert eine grundlegende Neuregelung der Zeit- und Leiharbeit. Körzell, der am Wochenende auf der DGB-Bezirkskonferenz Hessen-Thüringen zur Wiederwahl steht, kritisiert die aktuelle Situation auf dem Leiharbeitsmarkt scharf. In der Krise seien Leiharbeitnehmer als erste entlassen worden. Jene Unternehmen, die nun wieder Arbeitnehmer einstellten, "nutzen die Krise, um die Stammbelegschaft durch Leiharbeiter zu ersetzen".

Für viele junge Menschen sei Leiharbeit der Einstig in den Arbeitsmarkt, das unsichere Verhältnis erschwere ihnen jedoch die Gründung einer Familie. Körzell hält deshalb eine zeitliche Begrenzung der Zeit- und Leiharbeit für dringend geboten. "Wir wollen nicht, dass Arbeitnehmer über Jahre hinweg in Leihverhältnissen arbeiten", sagte der Gewerkschafter im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Er plädiert für die Wiedereinführung des Synchronisationsverbots. Wenn Arbeitsverträge für Zeitarbeitnehmer zeitlich mit der Dauer des bevorstehenden Einsatzes synchronisiert würden, führe das dazu, dass Menschen "geheuert und gefeuert" würden.

Zur Person

Stefan Körzell ist seit 2002 Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen. Bei der Bezirks-konferenz in Bad Hersfeld steht der 47-Jährige am Samstag als einziger Kandidat zur Wahl.

Strategien gegen die Wirtschaftskrise stehen im Mittelpunkt der Konferenz. 100 Delegierte aus acht Einzelgewerkschaften beraten unter anderem Anträge zur künftigen Industrie- und Arbeitsmarktpolitik. (msa)

Stefan Körzell, Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen.
Stefan Körzell, Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen.
Foto: ddp

Leiharbeit müsse "wieder zur Ausnahme werden", so Körzell. Eine Quote von höchstens fünf Prozent Leiharbeitern an der Belegschaft eines Unternehmens könne helfen, den Abbau regulärer Arbeitsplätze zu verhindern.

Die Leiharbeit war in den vergangenen Tagen auch Thema im hessischen Landtag. Auf eine Große Anfrage der SPD-Fraktion antwortete die Regierung mit umfangreichen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach waren zum Stichtag 31. Dezember 2008 in Hessen rund 47660 Leiharbeiter beschäftigt.

Nach früheren Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aus dem Jahr 2003 meldeten sich 33,8 Prozent der Beschäftigten nach Ende des Leiharbeitsverhältnisses arbeitslos, 19,4 Prozent waren aus anderen Gründen nicht erwerbstätig. 25,8 Prozent nahmen eine neue Leiharbeitsstelle an und nur 21,2 Prozent fanden feste Arbeit. "Daraus kann ich nicht erkennen, dass die Zeitarbeit dabei hilft, in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis einzusteigen", sagte die SPD-Abgeordnete Petra Fuhrmann der FR. "Den berühmten Klebeeffekt gibt es nicht."

Die CDU-Fraktion verteidigt die Zeitarbeit als notwendiges Instrument zur Krisenbewältigung. Sie schaffe "Arbeitsplätze in Hessen und ist eine Brücke in den Arbeitsmarkt für Menschen, die sonst nur schwer in den Arbeitsmarkt integriert werden können", sagte der Abgeordnete Patrick Burghardt. "Wenige schwarze Schafe" brächten die Zeitarbeit durch Lohndumping in Verruf.

Dennoch, so geht es aus der Antwort auf die Große Anfrage hervor, seien "Mindestlöhne in der Leiharbeit nach Ansicht der Landesregierung nicht geeignet, Arbeitsplätze zu schaffen".

Laut Statistischem Bundesamt verdienten im Jahr 2006 19 Prozent der Leiharbeiter weniger als 7,50 Euro brutto pro Stunde. Fuhrmann kritisierte diesen Zustand gegenüber der FR als "nicht menschenwürdig".

Autor:  Marie-Sophie Adeoso
Datum:  30 | 1 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


Nachrichten aus der Region

Anzeige

 
Spezial

Die heiße Phase naht: Termine, Reportagen, Bilder - vom Kinderfasching bis zur Prunksitzung.

Fastnacht in Rhein-Main
Das Frankfurter Prinzenpaar Marcus I. und Ingrid II.
Frankfurter Fastnacht 
        

In den Clubs könnte die Schwester  auffallen.
Fasching in Mainz 
Rednerschule: Karl Oertl bringt Fastnachtern bei, wie man eine Büttenrede hält. In der Bütt: Patrick Fiederer
Fassenacht in Frankfurt 

Anzeige

Spezial
Beschäftigte des Druckmaschinen-Herstellers Manroland demonstrieren vor der Allianz-Niederlassung in Frankfurt. Allianz und MAN haben dem angeschlagenen Konzern den Geldhahn zugedreht.

Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Spezial
Wer zieht im März in den Römer ein?

Wer folgt Petra Roth? Mitte März wählt Frankfurt einen neuen OB. Alles über die Kandidaten im Spezial.

OB-Wahl in Frankfurt
        

Rechnet mit einer Stichwahl: Ursula Fechter.
FAG-Kandidatin Fechter 
Das zentrale Themenplakat der Piraten (für ganzes Bild bitte klicken).
Piraten in Frankfurt 
OB-Bewerber Oliver Maria Schmitt setzt sich für ein nichtraucherfreies Frankfurt ein.
OB-Wahl Frankfurt 
        

Ganz großes grünes Kino: OB-Kandidatin  Heilig und der Berliner Fraktionsvorsitzende  Trittin in der Harmonie.
OB-Wahlkampf bei den Grünen 
Boris Rhein hat auf Facebook einen falschen Freund abgekriegt: einem stadtbekannten Rechtsextremen aus Maintal.
Frankfurter OB-Wahlkampf im Internet 
Altenhilfe der FR

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.

Spezial

Mit gutem Gewissen investieren und gleichzeitig Geld verdienen? Die FR schaut, wie erfolgreich Firmen und Fonds dabei sind.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Fotostrecke 1. Derpart Familien-Reise-Tag

Staumelder

Staumelder 86 Staus mit einer Gesamtlänge von 273km
Zu den Staumeldungen
Meistgeklickt
Mohamadou Idrissou: Noch reicht die Kraft nicht für 90 Minuten, vielleicht reicht sie aber für Fortuna Düsseldorf?
Eintracht gegen Fortuna 
Moderator Günther Jauch.
Günther Jauch 
Gegen seine alten Kollegen in der Startelf: Bamba Anderson.
Eintracht gegen Fortuna 
Ohne Draht zum Volk: Adolf Sauerland.
Kommentar zu Sauerland 
Marktplatz

"Wir wünschen uns einen großen Garten um unser Frühlingsglück zu genießen." Über 25.000 Bauplatz- und 6.000 Baugebiet-Angeboten.