Der hessische Bezirksvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Stefan Körzell, fordert eine grundlegende Neuregelung der Zeit- und Leiharbeit. Körzell, der am Wochenende auf der DGB-Bezirkskonferenz Hessen-Thüringen zur Wiederwahl steht, kritisiert die aktuelle Situation auf dem Leiharbeitsmarkt scharf. In der Krise seien Leiharbeitnehmer als erste entlassen worden. Jene Unternehmen, die nun wieder Arbeitnehmer einstellten, "nutzen die Krise, um die Stammbelegschaft durch Leiharbeiter zu ersetzen".
Für viele junge Menschen sei Leiharbeit der Einstig in den Arbeitsmarkt, das unsichere Verhältnis erschwere ihnen jedoch die Gründung einer Familie. Körzell hält deshalb eine zeitliche Begrenzung der Zeit- und Leiharbeit für dringend geboten. "Wir wollen nicht, dass Arbeitnehmer über Jahre hinweg in Leihverhältnissen arbeiten", sagte der Gewerkschafter im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Er plädiert für die Wiedereinführung des Synchronisationsverbots. Wenn Arbeitsverträge für Zeitarbeitnehmer zeitlich mit der Dauer des bevorstehenden Einsatzes synchronisiert würden, führe das dazu, dass Menschen "geheuert und gefeuert" würden.
Stefan Körzell ist seit 2002 Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen. Bei der Bezirks-konferenz in Bad Hersfeld steht der 47-Jährige am Samstag als einziger Kandidat zur Wahl.
Strategien gegen die Wirtschaftskrise stehen im Mittelpunkt der Konferenz. 100 Delegierte aus acht Einzelgewerkschaften beraten unter anderem Anträge zur künftigen Industrie- und Arbeitsmarktpolitik. (msa)
Leiharbeit müsse "wieder zur Ausnahme werden", so Körzell. Eine Quote von höchstens fünf Prozent Leiharbeitern an der Belegschaft eines Unternehmens könne helfen, den Abbau regulärer Arbeitsplätze zu verhindern.
Die Leiharbeit war in den vergangenen Tagen auch Thema im hessischen Landtag. Auf eine Große Anfrage der SPD-Fraktion antwortete die Regierung mit umfangreichen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach waren zum Stichtag 31. Dezember 2008 in Hessen rund 47660 Leiharbeiter beschäftigt.
Nach früheren Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aus dem Jahr 2003 meldeten sich 33,8 Prozent der Beschäftigten nach Ende des Leiharbeitsverhältnisses arbeitslos, 19,4 Prozent waren aus anderen Gründen nicht erwerbstätig. 25,8 Prozent nahmen eine neue Leiharbeitsstelle an und nur 21,2 Prozent fanden feste Arbeit. "Daraus kann ich nicht erkennen, dass die Zeitarbeit dabei hilft, in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis einzusteigen", sagte die SPD-Abgeordnete Petra Fuhrmann der FR. "Den berühmten Klebeeffekt gibt es nicht."
Die CDU-Fraktion verteidigt die Zeitarbeit als notwendiges Instrument zur Krisenbewältigung. Sie schaffe "Arbeitsplätze in Hessen und ist eine Brücke in den Arbeitsmarkt für Menschen, die sonst nur schwer in den Arbeitsmarkt integriert werden können", sagte der Abgeordnete Patrick Burghardt. "Wenige schwarze Schafe" brächten die Zeitarbeit durch Lohndumping in Verruf.
Dennoch, so geht es aus der Antwort auf die Große Anfrage hervor, seien "Mindestlöhne in der Leiharbeit nach Ansicht der Landesregierung nicht geeignet, Arbeitsplätze zu schaffen".
Laut Statistischem Bundesamt verdienten im Jahr 2006 19 Prozent der Leiharbeiter weniger als 7,50 Euro brutto pro Stunde. Fuhrmann kritisierte diesen Zustand gegenüber der FR als "nicht menschenwürdig".

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