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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

23. April 2014

Leitartikel Salafisten: Nährboden Ignoranz

 Von 
Straßenszene aus dem zerstörten Aleppo: Manche jungen Salafisten träumen davon, sich an dem brutalen Bürgerkrieg zu beteiligen.  Foto: AFP

Das, was innerhalb der Migranten-Gemeinschaften in Deutschland passiert, hat die Mehrheit jahrelang nicht interessiert. So konnten radikale Islamisten ziemlich ungestört ihre Weltsicht unter Jugendlichen verbreiten. Kaum eine staatliche Institution weiß, wie sie den "Kampf um die Köpfe" junger Muslime gewinnen soll.

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Ein junger Mann aus dem Rhein-Main-Gebiet ist tot - gestorben als Kämpfer aufseiten der Islamisten in Syrien. Eine Nachricht, die man so nicht zum ersten Mal hört und bei der sich ganz allmählich ein Gewöhnungseffekt einstellt. Ja, man gewöhnt sich daran, dass junge Erwachsene aus Deutschland, hier aufgewachsen, hier sozialisiert und hier radikalisiert, in einem Krieg sterben, der eigentlich nicht der ihre sein sollte. Bislang scheint die deutsche Öffentlichkeit für dieses Phänomen weder eine adäquate Erklärung parat zu haben noch eine Reaktion, die über ein bedauerndes Schulterzucken hinausgeht.

Verwunderlich ist diese Reaktion nicht. Eine Gesellschaft, die sich erst vor wenigen Jahren damit abfinden konnte, in einem Einwanderungsland zu leben, tut sich naturgemäß schwer damit, Prozesse nachzuvollziehen, die sich innerhalb in sich geschlossener Gemeinschaften vollziehen, selbst wenn diese hier mitten unter uns leben. Das trifft auch auf einen großen Teil der Migranten-Gemeinden in Deutschland zu, die es seit Jahrzehnten gewohnt sind, dass sich die Aufnahmegesellschaft nicht darum schert, was bei ihnen intern passiert, solange es nicht nach außen dringt.

Das ist euer Problem

So konnten radikale Islamisten ziemlich ungestört jahrelang ihre Weltsicht unter muslimischen Jugendlichen verbreiten, ohne dass muslimische Gemeinden groß etwas dagegen getan hätten (das geht nur uns was an) oder eine breite Öffentlichkeit daran Anstoß genommen hätte (das ist euer Problem). Rechte Islamophobiker sprechen von „falscher Toleranz“, die sie nur allzu gerne „linken Gutmenschen“ zuschieben. Ignoranz wäre das richtige Wort – und die war lange der wahre Mainstream in Deutschland.

Ignoranz und Isolation bildeten den Boden, den Islamisten so lange beackert haben, bis ihre Saat aufging. Das Ergebnis sind mindestens 320 aus Deutschland stammende Dschihadisten, die in Syrien ihrem Traum vom schnellen Märtyrertod hinterherjagen. Das Ergebnis ist, dass Lehrer sich plötzlich mit Schülern konfrontiert sehen, die radikalislamistische Positionen nicht nur vertreten, sondern auch ihre Mitschüler davon überzeugen wollen. Und das Ergebnis ist, dass kaum eine staatliche Institution weiß, wie sie den „Kampf um die Köpfe“ junger Muslime gewinnen soll.

Mehr dazu

Jedes Mal, wenn ein deutscher Dschihadist in Syrien stirbt, erhält die Mehrheitsgesellschaft einen Einblick in jene Kreise, die sie jahrelang tunlichst ignoriert hat. Die muslimischen Gemeinschaften, aus denen die Toten stammen, erfahren ihrerseits, dass sie ihre internen Konflikte nicht ewig unter der Decke halten können. Der Radikalisierung weiterer junger Muslime entgegenzuwirken, wird eine gemeinsame Aufgabe sein. Ignoranz und Isolation können da nur im Weg stehen.

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