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Linke stoßen Debatte an: Kostenloser Kunstgenuss für Kinder

Bildung für alle: Die Linke will freien Eintritt in staatliche Museen und Theater für Jugendliche unter 18 Jahren gesetzlich festschreiben. Doch ihr Vorschlag stößt im Landtag auf wenig Gegenliebe. Von Melanie Kipp

Freien Eintritt für Jugendliche unter 18 Jahren in staatliche Museen und Thetaer will die Linke im hessischen Landtag.
Freien Eintritt für Jugendliche unter 18 Jahren in staatliche Museen und Thetaer will die Linke im hessischen Landtag.
Foto: Boeckheler/FR

Museen und Theater können spannende Lernorte sein, an denen Wissen spielerisch und interaktiv vermittelt wird. Darin sind sich alle Fraktionen des hessischen Landtags einig. Auf wenig Gegenliebe stößt allerdings der Vorschlag der Linken, freien Eintritt für alle jungen Menschen unter 18 Jahren für staatliche Museen und Theater gesetzlich festzuschreiben. Die Defizite der Kultureinrichtungen sollen mit Geldern des Landes ausgeglichen werden. "Jedes sechste Kind lebt in Armut", erklärt Janine Wissler, Vorsitzende der Linken. Den Familien fehle das Geld, das Potential kultureller Bildung auszuschöpfen.

"Das ist gut gemeint", entgegnet der CDU-Abgeordnete Rolf Müller, doch freier Eintritt sei nicht die Lösung: "Das Problem liegt viel tiefer. Mindestens so entscheidend ist die Attraktivität eines Museums." Sarah Sorge von den Grünen sieht das ähnlich: "Freie Eintritte greifen zu kurz, vielmehr brauchen wir ein Gesamtkonzept, das auch Schulen und andere Bildungseinrichtungen mit einbezieht." Jochen Paulus (FDP): "Gut gemeint, aber nicht machbar". Und die SPD-Abgeordnete Lisa Gnadl betont: "Junge Menschen müssen auch wollen." Der Hessische Museumsverband indes sieht in der Landtagsdebatte ein "positives Signal".

Doch auch die Fachleute halten die Ticketpreise nicht für das wichtigste Kriterium. "Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Museen muss auf eine neue Basis gestellt werden", sagt Museumsberaterin Ulrike Adamek für den Verband. Im "engen Korsett" des auf acht Jahre verkürzten Gymnasiums bleibe "neben den straffen Lehrplänen und einer ständigen Abfrage von Wissen wenig Zeit für eine sinnvolle Nutzung außerschulischer Lernorte", urteilt Adamek. Darum müsse sich die Politik kümmert.

Finanzieller Druck

Laut Adamek war es bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts üblich, dass Museen kostenlos waren. "Doch der zunehmende finanzielle Druck auf die öffentlichen Haushalte hat das geändert." Heute verlangten 98 Prozent der Häuser Eintritt in sehr unterschiedlicher Höhe. Die Ticketpreise für Kinder und Jugendliche seien jedoch bis auf wenige Ausnahmen gering: "Sie variieren zwischen 50 Cent und 1,75 Euro."

Die Museumslandschaft Kassel hat hingegen gute Erfahrungen mit freiem Eintritt für junge Menschen gemacht. Sprecherin Judith Reitter sagt, es kämen deutlich mehr Minderjährige, seit im Jahr 2007 das Eintrittsgeld für sie abgeschafft wurde. Vor allem das Schlossmuseum Wilhelmshöhe sei bei Kindern seitdem beliebt.

Auch Theater versuchen junge Leute gezielt in Aufführungen zu locken. Eine günstige Theater-Schüler-Flatrate gibt es beispielsweise in Darmstadt, und Jugendtheaterscheck nennt sich eine Aktion des Wiesbadener Staatstheaters. Anna Linoli vom Darmstädter Staatstheater stellt fest: "Vor allem mehr Studenten und Schulgruppen kamen im letzten Jahr ins Theater."

Doch nicht nur finanzielle Angebote sollen junge Menschen locken. In Wiesbaden beispielsweise bietet das Museum jeden Samstag eine Museumswerkstatt für Kinder an, wo diese mit einem Suchauftrag die Bilderausstellung erkunden. Anschließend werden sie in der Werkstatt selbst kreativ und präsentieren zum Abschluss den Eltern ihre Bilder.

Die Nachfrage nach solchen Angeboten ist groß: "Wir sind immer ausgebucht", sagt Astrid Lembke-Thiel, freie Mitarbeiterin der Museumspädagogik in Wiesbaden. Sie ist überzeugt, dass man Kinder damit für Kunst und Kultur begeistern kann.

Autor:  Melanie Kipp
Datum:  16 | 3 | 2010
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