Die Buchmesse sorgte im vergangenen Jahr für Irritationen. Denn, so der Vorwurf, man habe sich von China allzu sehr diktieren lassen, welcher Gast dem Reich der Mitte genehm war. In der Tat, so manches wirkte auf Frankfurter Seite wenig souverän und selbstbewusst.
Trotz aller Querelen rückte mancher bedeutende Autor in ein breiteres öffentliches Bewusstsein, so auch der Poet und Essayist Yang Lian. Er wurde 1955 in Bern als Sohn von Diplomaten geboren, wuchs in Peking auf und wurde 1974 zur "Umerziehung" aufs Land verschickt. Seit 1977 war er und Redakteur beim staatlichen Rundfunk. 1978 entstanden erste "modernistische" Gedichte. Von einer Reise nach Australien und Neuseeland kehrte Lian nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1988 nicht nach China zurück. Heute lebt er als neuseeländischer Staatsbürger in London.
Das Exil hat sein Leben geprägt, nicht nur das politische. Es ist für ihn auch unabdingbare Haltung des Dichters: "Wer ist nicht im Exil? Eine wirklich fundamentale Poetik kann heute nur in einem einsamen, in der Sprache zu leistenden Widerstand liegen." Sprachlicher Widerstand gegen die jeden Lebensbereich durchdringenden Ideologien eines despotischen Kommunismus und eines globalen Kapitalismus.
Yang Lians Lyrik hat eine lange Entwicklung hinter sich: Das Gedicht "Yi"(1985 bis 1989) umfasste noch an die 200 Seiten. Dazu sein Übersetzer Wolfgang Kubin: "Das ursprüngliche Pathos (...) beginnt sich zu verlieren, die Langform wird durch die Kurzform (...) ersetzt, der Bezug zu China tritt in doppelter Hinsicht zurück: Die chinesische Welt ist nicht mehr der unmittelbare Gegenstand des Schreibens, und Anspielungen auf die chinesische Geistesgeschichte weichen immer mehr einer Verarbeitung abendländischer Literatur und Philosophie." Vergänglichkeit und Tod bleiben jedoch die wichtigsten Motive in den Gedichten Lians.
Yang Lian liest, 25.1., 20 Uhr, Die Fabrik, Frankfurt, Mittlerer Hasenpfad16, Tel. 069/60605803

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