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Ludwig von Friedeburg: Abschied von der Gesamtschule für alle

Hessens ehemaliger SPD-Kultusminister von Friedeburg will neben Gymnasien nur noch eine andere Schulform. Von Peter Hanack

Hessens ehemaliger SPD-Kultusminister Ludwig von Friedeburg will neben Gymnasien nur noch eine andere Schulform.
Hessens ehemaliger SPD-Kultusminister Ludwig von Friedeburg will neben Gymnasien nur noch eine andere Schulform.
Foto: Kumpfmüller

Anfang der 70er Jahre polarisierten seine Rahmenrichtlinien für Deutsch und Gesellschaftslehre Hessens Bürger im Streit um Schulreformen. Sein Name steht zudem wie kein anderer für den Versuch, alle weiterführenden Schulen in Hessen in Gesamtschulen umzuwandeln: Ludwig von Friedeburg war zeitweise Deutschlands bekanntester und umstrittenster Kultusminister - ein Amt, das der Sozialdemokrat von 1969 bis 1974 unter Ministerpräsident Albert Osswald (SPD) innehatte.

Von Friedeburg wird im Mai 85 Jahre alt - leise ist er bis heute nicht geworden. So hielt es ihn auch am Dienstagabend im Atrium des IG-Metall-Vorstandsgebäudes nicht auf seinem Sitz, als er auf Einladung der Gewerkschaft kämpferisch wie eh und je über die Möglichkeiten guter Bildung für alle referierte.

Die Hoffnung, die Gesamtschule doch noch als Standard etablieren zu können, hat der sonst gar nicht so Altersweise aber aufgegeben. "Darauf", sagte er, "kann ich nicht mehr warten". Auch, wenn er noch immer überzeugt ist, dass die frühe Aufteilung der Kinder in Schulformen, "dieser deutsche Sonderweg", nur Nachteile habe. Es sei einfach viel zu schwierig, die Gymnasien abzuschaffen - schwieriger noch als damals in den frühen Siebzigern, weil heute nicht bloß 15, sondern bald 50 Prozent der Eltern ihre Kinder für diese Schulform anmeldeten. So komme der Ausbau von Gesamtschulen nur sehr langsam voran.

Heute sind es andere 15 Prozent, denen seine größte Sorge gilt: Die Gruppe der "Risikoschüler", die die Hauptschule mit Kenntnissen verlassen, die kaum über dem in der Grundschulzeit Erreichten liegen. "Die Hauptschulergebnisse sind skandalös", sagte von Friedeburg. Vor allem Kinder aus sozial schwachen und Migranten-Familien würden fünf Jahre ihres Lebens in der Hauptschule verbringen, "ohne Erfolg und ohne einen nennenswerten Zuwachs an Erkenntnis".

Dies zu ändern, müsse man ein zweigleisiges Schulsystem schaffen: Gymnasien plus eine weitere Schulform für alle, die eben nicht das Gymnasium besuchten. Eine Schule müsse dies sein, so von Friedeburg, die ganztäglich arbeite und alle Abschlüsse bis hin zum Abitur anbiete. Auf gleichem Niveau, wie dies die Gymnasien täten. In Hamburg entsteht gerade ein vergleichbares Schulsystem. "Wir müssen", forderte von Friedeburg, "allen die Teilhabe an Bildung ermöglichen".

Autor:  PETER HANACK
Datum:  14 | 1 | 2009
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