Früher, gerade drei Jahrzehnte her, galten Bauten wie diese als Modell für Funktionalität. Heute gelten Bauten wie diese als nichts anderes als Angsträume: Über die lang gezogene, entlang der Ludwig-Landmann-Straße in feinstem Waschbeton errichtete Garage fällt inzwischen niemandem mehr irgendetwas Positives ein. Und doch, darauf beharren manche Anwohner der Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim, sollte man die Quartiersgarage nicht einfach in Bausch und Bogen verdammen: Das in der 70er Jahren entstandene Bauwerk diene schließlich auch als Lärmschutz gegen die vierspurige Landstraße, die Praunheim von der Heerstraße aus mit der Autobahn 66 verbindet.
Mal sehen, was aus der Garage wird, wenn es demnächst mit dem Modellprojekt am Rande des nordwestlichen Stadtteils konkreter wird: Die Siedlung, in der 2000 Menschen in 600 Geschosswohnungen leben, soll unter der Priorität der Energieeffizienz umgebaut werden.
Angestoßen hat das Projekt Albert Speer. Der auch international wirkende Stadtplaner präsentierte Anfang des Jahres sein Studie "Frankfurt für alle", das Konzept für die internationale Bürgerstadt Frankfurt. Die städtischen Wohnungsverwalter werten Speers Werben für die Lübke-Siedlung als wichtigen Impuls für die Sanierungspläne, wenngleich längst vor der Studie über die Anforderungen an eine Stadt zu Beginn des 21. Jahrhunderts längst klar gewesen sei: Da muss was passieren. Vor Jahren bereits gab es in der Lübke-Siedlung Zustände, wie sie heute im Mainfeld vorherrschen. Damals wusste sich die Eigentümerin der Praunheimer Wohnungen, die städtische ABG, nicht anders zu helfen, als Tag und Nacht einen Wachdienst patroullieren zu lassen.
Davon will heute in der Siedlung niemand mehr was wissen. Jetzt wünschen nicht wenige Anwohner, dass es mit der Sanierung demnächst losgehe. Unter der wissenschaftlichen Begleitung des Fraunhofer Instituts für Bauphysik. Schließlich soll es ein Modellprojekt werden.

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