Herr Sikorski. Wie kann der öffentliche Personennahverkehr sicherer werden?
Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie Ihre Frage so formulieren, denn es kann nur darum gehen, wie er sicherer werden kann und nicht darum, ob er sicher ist. Denn der ÖPNV in Frankfurt ist sicher, trotz manch aufgewühlter Debatte...
...aber es gibt immer wieder Zwischenfälle...
Ja, die gibt es, und die bekommen dann eine besondere Aufmerksamkeit. Wir müssen ein paar Fakten zur Kenntnis nehmen: Das Unsicherheitsgefühl der Fahrgäste ist nachts am größten - weil es Nacht ist, weil es dunkel ist. ÖPNV hin oder her, das ist auch auf der Straße so, und dieses Unsicherheitsgefühl entsteht mehr an Haltestellen als in den Fahrzeugen. Das kommt bei allen Befragungen heraus. Das liegt daran, dass die Kunden dann keinen Menschen sehen, auch das kommt übergreifend bei allen Befragungen heraus. Um die Sicherheit zu erhöhen, haben wir ja ein großes Programm aufgelegt, alle 27 unterirdischen Stationen mit Notrufsäulen, Videoanlagen und Kameras ausgestattet und werden noch 16 weitere Stationen ausstatten. Aber die Kunden sagen: Das ist gut, gilt aber nur als Unterstützung.
Wie viele Fälle registrieren Sie, bei denen Sie sagen, darum müssen wir uns kümmern?
Die richtigen Straftatbestände sind überschaubar klein, haben aber die größte Aufmerksamkeit in der Presse. Was viel mehr zur persönlichen Unsicherheit der Kunden beiträgt sind nicht diese wenigen Fälle, sondern die Fahrgäste fühlen sich häufig unwohl, wenn es irgendwelche Rangeleien gibt. Also: Nicht die derbe Schlägerei ist das Problem, sondern die leichte Randale ohne Körperverletzung. Gegen die Schläger gehen wir mit der Polizei vor.
Wie viele schwere Fälle hat es im vergangenen Jahr gegeben?
2009 hatten wir sieben Fälle im Prüfdienst, wo es am Ende staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegeben hat. Das waren Übergriffe auf Fahrkartenkontrolleure. Das sind sieben Fälle zuviel, das ist klar. Aber die Zahl ist überschaubar. Was die Leute vielmehr in ihrem Alltag als Unwohlsein erleben sind lautstarke Auseinandersetzungen, Situationen, wo es unruhig wird, laut und unangenehm. Da fragen sich die Leute dann: Ist der ÖPNV sicher? Auch das haben alle Befragungen ergeben.
Was will der Verkehrsdezernent gegen diese Unwohlseinsfälle machen?
Wir werden, so haben wir das mit der VGF besprochen, in den nächsten Wochen ein umfassendes kundenorientiertes Aktionspaket stricken. Wir werden, was einmalig ist, die Kunden fragen, was sie von unseren Kontrolleuren erwarten, was sie von unseren Fahrern, von unserem Sicherheitspersonal erwarten. Wollen sie, dass Kontrolleure und Sicherheitspersonal in den Wagen unterwegs sind, wollen sie, dass das Personal mit Hunden kommt, oder wollen sie, dass sie in keinem Fall mit Hunden kommen? Das gibt es in ganz Deutschland noch nicht. Das wollen wir jetzt genau wissen. Das wird das eine sein.
Was planen Sie darüber hinaus?
Ab sofort wird, wann immer Sicherheitspersonal in die U-Bahn einsteigt, das Personal sich beim Fahrer melden, und der Fahrer wird den Fahrgästen deren Anwesenheit durchsagen, zum Beispiel "Guten Tag, meine Damen und Herren, im Wagen drei befindet sich zur Zeit das Sicherheitspersonal. Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte dorthin". Oder: ,Guten Abend meine Damen und Herren, bis zur Endstation wird ein Kollege mitfahren". Wir wollen ganz bewusst die Leute von uns aus ansprechen.
Wollen Sie damit auch die Anonymität in den Wagen aufheben?
Ja, wir wollen erkennbar und persönlicher werden, einen neuen Weg gehen. Und der beginnt damit, dass wir unsere Kontrolleure ab sofort nur noch in Uniform rausschicken. Keine normale Straßenkleidung mehr, keine überraschenden Kontrollen. Die Kontrolleure stehen in Uniform an den Haltestellen, jeder wird sie sehen, jeder wird sie erkennen. Sie werden dann den Wagen betreten mit einem freundlichen Guten Tag oder Guten Abend. Fahrscheinkontrollen werden künftig nur noch von Personal in Uniform gemacht. Wenn das dazu führt, dass der eine oder andere nicht mehr einsteigt, aus welchen Gründen auch immer, dann ist das auch in Ordnung.
Was erhoffen Sie sich davon?
Ich möchte, dass diese komischen Situationen ein Ende haben, wo Kontrolleure gefragt werden, wer sind Sie überhaupt, haben Sie mir was zu sagen, wie das eben manchmal so ist. Wir wollen eine kundenorientierte, offensive Strategie fahren. Sie als Kunde und wir als Verkehrsbetriebe haben dasselbe Ziel, es soll sauber und sicher sein, außerdem soll es fair und gerecht zugehen, und alle sollen bezahlen, die mitfahren. Wir machen das nicht mehr versteckt, sondern offensiv und freundlich. Wir wollen damit auch unsere Fahrgäste ermutigen, mehr aufeinander zu achten. Und wenn beim Einsteigen der Kontrolleure drei Leute plötzlich aussteigen, dann steigen sie halt aus. Für alle anderen ist es ein Serviceakt. Die Leute können dann die Kontrolleure auch fragen, wenn sie unsicher sind. Wir werden auf diese Weise fast 100 Männer und Frauen in Uniform in Frankfurter U-Bahnen und Straßenbahnen haben, die als Dienstleister offensiv an die Kunden herantreten.

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