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Luxusdomizile in Frankfurt: Einschlafen mit Petrus und Orgel

Immer mehr Gesellschaften bauen Luxusdomizile - und die Nachfrage in Frankfurt reißt nicht ab. Im ehemaligen Wiesenhüttenstift entstehen mit dem Luxus-Projekt "Hofgarten" die derzeit extravagantesten Eigentumswohnungen in der Stadt. Von Jutta Ochs

Der ehemalige Wiesenhüttenstift.
Der ehemalige Wiesenhüttenstift.
Foto: Oeser

Hier haben sie Gott den Herrn gelobt, knapp 100 Jahre lang. Rechts die Katholiken, links die Evangelischen. Beide musikalisch-emotional emporgetragen vom Brausen der feinen kleinen Orgel. Von dieser sind in einer Kammer nur noch ein paar silberne Pfeifen sichtbar, der Rest ist verräumt und verpackt. Auf dem verbliebenen grauen Gebetsgestühl steht schief eine einsame braune Bierflasche. In der Marien-Nische, die den katholischen Teil der Kapelle signalisiert, gibt es noch Ränder im dicken weißen Baustellenstaub.

Über den massiven Terrazzoboden mit Palmwedel-Ornamentik liegen Plastikplanen. Der Bogen im gewöhnlich nüchternen evangelischen Sektor ist erstaunlicher Weise dekorativer verziert als der im katholischen. Eine Mauer mitten durch die kleine Kirche des ehemaligen Altenheims Wiesenhüttenstift hat die rivalisierenden Konfessionen einst getrennt. Die ist jetzt eingerissen. Es wird umgebaut und saniert, aus der Kapelle wird eine luxuriöse, rund 250 Quadratmeter große Eigentumswohnung mit Orgel und Apostel-Fenstern.

Stadthäuser und Lofts

Es ist gewiss das spektakulärste Objekt im "Hofgarten" benannten Projekt in der Richard-Wagner-Straße, am Rande des Holzhausenviertels. Das 1911 errichtete, denkmalgeschützte Altenstift wird in 81 neu entstehende Eigentumswohnungen umgebaut. Bauherren sind die Frankfurter Aufbau AG, Tochter der städtischen ABG Frankfurt Holding, und die Immobilienentwicklungsgesellschaft Groß & Partner. In einer eigenen Parkanlage dürfen sich die künftigen Hofgarten-Bewohner ergehen. Im Laufe des Jahres 2010 sollen sämtliche Wohnungen bezugsfertig sein. Die Größe der Apartments reicht von 60 bis mehr als 300 Quadratmetern. Der Preis pro Quadratmeter liege "bei rund 4600 Euro", sagen die Bauherren, das ganz exklusive Wohnen kann aber auch noch ein wenig teuerer sein. Neben klassischen Wohnungszuschnitten gibt es sogenannte Stadthäuser und Lofts über mehrere Etagen. Da erstreckt sich eine Wohnung über drei Geschosse und gipfelt in einer Dachpyramide. Eine andere hat einen Dachgarten mit Glockentürmchen. Vollholzparkettböden, Edelstahlbeschläge und Natursteinelemente manifestieren überall den Wohn-Luxus-Anspruch. Videogegensprechanlagen gehören gleichsam zur Normal-Ausstattung. Wo immer es der Denkmalschutz zuließ, gibt es Wärmedämmung des höchsten Standards. Frank Junker, Chef der ABG Frankfurt Holding, ist bislang "zufrieden" mit dem Vermarktungserfolg des Hofgartens. 45 der Wohnungen sind bereits verkauft, 35 schon bezogen, für den Rest gibt es Interessenten.

Eigentumswohnungen, gerne hochwertige, sind ein großer Trend in Frankfurt. Daran hat die Finanzkrise nichts geändert. Im Gegenteil. Kapitalfonds, die früher nur an lukrative Büroimmobilien dachten, wenden sich nun dem Eigentumswohnungsbau zu.

Planungs- und Wohnungsbaudezernent Edwin Schwarz freut sich über die Frankfurter Verhältnisse. "Anders als im Bundestrend steigen bei uns die Zahlen. Wir stellen fest, dass institutionelle wie private Anleger verstärkt in den Wohnungsbau investieren." Da Frankfurt eine "unterdurchschnittliche Eigentumsquote" habe, sei es nur zu begrüßen, wenn ein "gewisser Nachholeffekt" eintrete. Schwarz sieht aber auch den Mietwohnungsbau von einem gewissen Boom profitieren. Und es gebe, sagt Schwarz´ Sprecher Mark Gellert sogar "begründete Hoffnung, dass erstmals ein Privater Wohnungen im 1. Förderweg bauen will", gemeint sind Sozialwohnungen.

In den großen Neubaugebieten Europaviertel und Riedberg gibt es einen Konkurrenz-Kampf um die besten Grundstücke. Es wird aber nicht nur der schnelle Euro gemacht. Der Schweizer Lebensversicherer Swiss Life errichtet beispielsweise 149 Wohnungen auf dem Riedberg und behält sie im Portfolio.

Geförderten Wohnraum und gleichzeitig auch hochwertige Eigentumswohnungen baut die Nassauische Heimstätte, eine Gesellschaft des Landes und der Stadt. Viel Aufmerksamkeit hat bereits das Projekt "Mainbow" im Ostend, in unmittelbarer Nähe der Europäischen Zentralbank erfahren. Die 48 Wohnungen in Flussnähe, 70 bis 177 Quadratmeter groß mit verglasten Loggien, Fußbodenheizung, Eichenparkett und ebenfalls Videogegensprechanlage sind gedanklich ganz für EZB-Mitarbeiter errichtet worden. Gekauft haben dann aber eher eingesessene Frankfurter, aus dem Ostend und von anderswo, berichtet Unternehmenssprecher Jens Duffner. Jedenfalls sind die Wohnungen nahezu alle weg.

Der Kaufvertrag fürs Wohnen in der Kapelle ist trotz lebhaftem Interesse bislang noch nicht unterschrieben. Wer dort einzieht, dem wird auf Wunsch auch noch eine Sauna ins Kapellen-Souterrain eingebaut. Ein musischer Mensch sollte es aber schon sein. Denn die Orgel, die ist denkmalgeschützt ebenso wie die Buntglas-Fenster mit den Apostel-Figuren, und die Orgel sowie Petrus und die anderen bleiben auf immer drin in dieser Wohnung.

Autor:  Jutta Ochs
Datum:  12 | 4 | 2010
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