Um drei Etagen gewachsen, bis auf 62 Meter Höhe: So steht der Büroklotz Lyoner Straße 19 in der Niederräder Bürostadt jetzt als Wohnhaus da. Als ein kantiges Merkzeichen für die Umgestaltung der in den Sechziger Jahren gegründeten "Geschäftsstadt vor dem Stadtwald", die heute als veraltet gilt und deren Büroetagen zu rund einem Viertel leerstehen. 98 Mietwohnungen hat der Block.
Der fast fertig gestellte Umbau ist für das städtebauliche Entwicklungs-Konzept "Von der Bürostadt Niederrad zum Lyoner Viertel", das die Stadt vor bald zwei Jahren veröffentlicht hat, als Pioniertat anzusehen. Wie Planungsdezernent Edwin Schwarz bei der Vorstellung sagte, war nämlich an der Adresse der Abbruch des leeren Büro-Altbaus zugunsten eines modernen Büro-Neubaus bereits genehmigt. Es gibt aber millionenfach leerstehenden Büroraum in Frankfurt, dagegen fehlt es an Wohnungen. Also schwenkten die Eigentümer der "Dreyer Vierte Verwaltungsgesellschaft" auf Wohnungsbau um und der Architekt Stefan Forster bekam den Auftrag, das ungenutzte Gebäude neu zu erfinden.
Ohnehin mussten die Etagen im Blick auf Brandschutz und Rettungswege "ertüchtigt" werden. Besser rechnen soll sich die Investition durch die neu aufgesetzten drei Etagen; der Block ist statt 14 nun 17 Etagen hoch und wirkt damit eher schlank als gedrungen. Nur im Erdgeschoss werden noch Gewerberäume vermietet.
In den Etagen darüber sind 60 Ein-Zimmer-Wohnungen und 32 Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen zu beziehen, wobei die Bauherren vor allem Mitarbeiter der umliegenden Büros der Bürostadt oder am Flughafen als Mieter im Blick haben, Menschen, die nicht jeden Tag, aber an den Wochenenden zu ihren Familien pendeln wollen. Außerdem sind sechs Großwohnungen über 160 Quadratmeter im Angebot. Zehn Prozent der Wohneinheiten seien vergeben, heißt es. Im Durchschnitt müssen die Bewohner 14 Euro pro Quadratmeter ansetzen.
So ein Umbau rechne sich, sind die amtlichen Planer sicher: Auch dann, wenn man nur die Mieten vergleicht. Mehr als zehn Euro je Quadratmeter ist in alten Niederräder Bürohäusern nicht mehr zu erzielen. Hier sind an die 20 Millionen Euro investiert worden. Stadtrat Schwarz sieht die Lyoner Straße 19 als Beispiel dafür, dass in der Immobilienbranche "aufgrund ökonomischer Zwänge" ein Umdenken einsetzt. 2009 seien in Frankfurt von 2739 neu genehmigten Wohnungen bereits 313 "unter Aufgabe von Büroflächen genehmigt" worden.

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