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Marburg: Später Ehrendoktor für den Dalai Lama

Wegen einer möglichen Kollision mit der Heiligen Elisabeth musste Marburg drei Jahre auf den Besuch des Tibeters warten. Am Termin 3. August ist nun aber nicht mehr zu rütteln. Von Gesa Coordes

Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen spricht der Dalai Lama vor 330 geladenen Gästen im Marburger Schloss. Einfache Bürger können die Zeremonie auf Großleinwänden im Audimax oder im Internet verfolgen.
Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen spricht der Dalai Lama vor 330 geladenen Gästen im Marburger Schloss. Einfache Bürger können die Zeremonie auf Großleinwänden im Audimax oder im Internet verfolgen.
Foto: afp

Marburg. Die Marburger haben lange auf den Besuch des Dalai Lama warten müssen: Am 3. August wird das geistliche Oberhaupt der Tibeter nun zum Ehrendoktor der Philipps-Universität ernannt. Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen spricht er vor 330 geladenen Gästen im Marburger Schloss. Einfache Bürger können die Zeremonie auf Großleinwänden im Audimax oder im Internet verfolgen.

Darauf gehofft haben sie drei Jahre. 2006 beschloss der Fachbereich Fremdsprachliche Philologien die Ehrung. Damit hätte die Marburger Universität die erste deutsche Hochschule sein können, die dem Dalai Lama einen deutschen Ehrendoktor verleiht.

Doch als das geistliche Oberhaupt der Tibeter 2007 nach Deutschland kam, entschied sich die hessische Staatskanzlei wegen des Elisabethjahres gegen den Besuch: "Es sollte nicht im selben Jahr stattfinden, weil sich dann zwei große Ereignisse Konkurrenz gemacht hätten", heißt es aus der Staatskanzlei.

Die Universität fand die Begründung nicht überzeugend, sagt der Marburger Uni-Präsident Volker Nienhaus auf Anfrage. Die Hochschule wurde zu der möglichen Kollision mit dem 800. Geburtstag der Heiligen Elisabeth aber gar nicht erst gefragt: "Wir haben dann deutlich gemacht, dass sich unsere Begeisterung über die Entscheidung in Grenzen hält", erklärt Nienhaus: "Das hat uns schon geärgert."

Dalai Lama reist stattdessen nach Münster

Der Dalai Lama reiste 2007 nämlich stattdessen nach Münster, wo ihm der Fachbereich Chemie einen deutlich später beschlossenen Ehrendoktor verlieh. Im Jahr 2008 frühstückte der Vielgefragte zwar mit Ministerpräsident Roland Koch, fand aber wieder keine Zeit für die Marburger. Nun, so steht zu befürchten, wird der Besuch in der Universitätsstadt überregional nur noch wenig Beachtung finden. Direkt davor wird der Dalai Lama nämlich vier Tage lang bei Großveranstaltungen in Frankfurt zu sehen sein.

Dabei haben die Marburger bereits 2007 eine Ausstellung über "Tibet in Marburg" und einen Tempelraum geschaffen, der eigentlich von ihm geweiht werden sollte. Die Religionskundler holten sich Tipps von buddhistischen Nonnen und Mönchen aus ganz Europa, um den mit prächtigen Seidenbrokat-Stoffen, Glocke, Donnerkeil, Trommel und Essschalen ausgestatteten Sitz für Heiligkeit angemessen einzurichten.

Doch die Weihe ist nun aus zeitlichen und sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich - der 73-Jährige gilt als Gast der höchsten Sicherheitsstufe. Auch das Schloss wird vor seinem Besuch gründlich gefilzt. Dort wird der Dalai Lama zumindest eine kleine Ausstellung über die Beziehungen zwischen Marburg und Tibet sehen.

Zu seinen Ehren reden wird neben Universitätspräsident Volker Nienhaus auch der buddhistische Mönch Bikkhu Pasadika alias Eckhard Bangert. Der inzwischen emeritierte Marburger Honorarprofessor lehrte in seiner dunkelroten Robe jahrelang die mittelindische Sprache Pali. Dieser lehrende Mönch verkörpere das Thema "Religion und Wissenschaft" geradezu ideal, erklärt der Marburger Indologe und Tibetologe Professor Jürgen Hanneder, der die Veranstaltung plant.

Marburger Institut hat Verbindungen nach Tibet

Die Ehrung geht auf eine Initiative des inzwischen emeritierten Marburger Tibetologen Michael Hahn zurück, der dem Friedensnobelpreisträger mehrfach begegnet ist. Das Marburger Institut arbeitet mit der tibetischen Universität im ostindischen Sarnath zusammen, die vom Dalai Lama gegründet wurde.

Zudem ist Hahn gut mit dem tibetischen Premierminister im Exil, Samdhong Rinponche, befreundet. Geehrt wird der Friedensnobelpreisträger nun für seine wissenschaftlichen Verdienste für die Erhaltung der tibetischen Kultur. Er sei ein "Brückenbauer zwischen westlicher Wissenschaft und tibetischem Buddhismus", erklärt Hanneder.

Für die Marburger Wissenschaftler ist Tibet aber schon seit Jahrzehnten ein Thema: Bereits seit 1845 wird Indologie und Tibetologie in der Universitätsstadt gelehrt. Mit Hanneder gibt es den einzigen Lehrstuhlinhaber für das Fach in Hessen. Er geht davon aus, dass die Zahl der Studierenden des Faches nach dem Besuch des Dalai Lama steigen wird. Diejenigen, die bereits eingeschrieben sind, gehören zu den geladenen Gästen.

Die Ausstellung über "Tibet in Marburg" ist noch bis zum 10. August von Montag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr sowie freitags von 9 bis 14 Uhr in der Religionskundlichen Sammlung der Universität zu sehen.

Informationen im Internet: www.uni-marburg.de/relsamm

Autor:  GESA COORDES
Datum:  23 | 7 | 2009
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