Die Marburger Universitätspräsidentin Katharina Krause nennt die geplanten Kürzungen der Landesregierung "unzumutbar" und "äußerst kurzsichtig". Der Gießener Uni-Präsident Joybrato Mukherjee reagierte entsetzt. Das Hessische Wissenschaftsministerium will die Grundfinanzierung für die Hochschulen ab 2011 um etwa 30 Millionen Euro pro Jahr kürzen. Zuwächse soll es nach diesem Hochschulpakt bis 2015 nur dann geben, wenn die Steuereinnahmen Hessens wieder steigen.
Nach der Modellrechnung des Wissenschaftsministeriums müssten an der Philipps-Universität fünf Millionen Euro eingespart werden. Das Marburger Uni-Präsidium hat daher eine Haushalts- und Stellenbesetzungssperre beschlossen. Sie gilt ab sofort. Trotzdem werden die Sparmaßnahmen nicht ausreichen, betonte Krause.
Daher sei es unausweichlich, dass die ursprünglich für eine Verbesserung der Qualität der Lehre gedachten Zusatzmittel des Landes verstärkt dafür herangezogen werden müssten, um die Lücken in der Grundfinanzierung der Lehre zu füllen. Sonst werde es zu irreparablen Verwerfungen in den Strukturen der Philipps-Universität kommen, sagte Krause. Die Hochschule hat nämlich bereits im laufenden Haushalt ein Defizit von drei Millionen Euro. Durch ihre vielen alten Gebäude hat sie besonders hohe Energiekosten.
Unerträgliche Zumutung
Krause kritisiert die geplante Kürzung scharf: "Sie stellt eine unerträgliche Zumutung gegenüber allen Mitgliedern der Universität dar, vor allem aber gegenüber den jetzigen und kommenden Studierenden."
Damit verabschiede sich die Landesregierung von dem Ziel, der Wissenschaft in Hessen Priorität zu geben.
Das sehen auch die hessischen Studierendenvertreter so. Die Eckdaten für den neuen Hochschulpakt zeigten, "wie wenig ernst" es der Landesregierung mit ihren Bildungsversprechen sei, sagte die Marburger Asta-Vorsitzende Stefanie Fritz: "Die Vorstellungen zeugen von einem Mangel an Verantwortungsbewusstsein, Courage und gesundem Menschenverstand."
Sebastian Ankenbrand vom Asta der TU Darmstadt kritisiert: "Die Budgetkürzung ist ein großer Schritt in die falsche Richtung." Die Landesregierung glänze mit Ignoranz für die Probleme an den Hochschulen, sagte Dirk Reheis, Asta-Referent für Hochschulpolitik der Uni Frankfurt. Scharfe Kritik erntet Ministerin Eva Kühne-Hörmann auch vom Gießener Uni-Präsident Joybrato Mukherjee: "Diese Entscheidung gefährdet nachhaltig die Leistungskraft der JLU in Forschung und Lehre - gerade angesichts anstehender Herausforderungen wie der Exzellenzinitiative und steigender Studierendenzahlen." Die Sparmaßnahmen seien nach den vorangegangenen Diskussionen für die Gießener Hochschule überraschend gekommen. Sie seien keinesfalls durch freie Rücklagen zu kompensieren, sagte Mukherjee.
Der neue Hochschulpakt soll in zwei Verhandlungsrunden bis zum 11. Mai vereinbart werden.

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