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19. Januar 2016

Marienkirche Aulhausen : Künstler mit Behinderung gestalten Kirche

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Die Zisterzienserkirche gehört zum Sankt Vincenzstift.  Foto: epd

Eine Kirche wie die Marienkirche in Rüdesheim-Aulhausen gibt es kein zweites Mal: Die gesamte künstlerische Ausgestaltung stammt von Menschen mit Behinderungen. Nach jahrelanger Sanierung wird die Kirche nun wiedereröffnet.

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Eine Kirche wie die Marienkirche in Rüdesheim-Aulhausen gibt es weit und breit kein zweites Mal. Das liegt weniger daran, dass das Gotteshaus aus dem frühen 13. Jahrhundert stammt und einst von den Zisterziensern begründet wurde – einem Orden, der sich der Armut und dem einfachen Leben verschrieben hatte.

Wirklich einzigartig ist, dass sämtliche Fenster, die überlebensgroße hölzerne Christusfigur und die gesamte übrige künstlerische Ausgestaltung in der Hand von Menschen mit Behinderungen lag. Menschen mit Autismus oder mit einem Downsyndrom etwa, die im Frankfurter Atelier Goldstein arbeiten.

Öffnungszeiten

Die Marienkirche ist jeden Sonntag von 17.30 bis 19.30 Uhr geöffnet (Gottesdienst um 18 Uhr). Außerhalb dieser Zeiten können Besucher den Schlüssel im Sekretariat der Geschäftsführung im Verwaltungsgebäude des Sankt Vincenzstifts, Vincenzstraße 60, oder im Weingut „Der schöne Michel“, Hauptstraße 80, Rüdesheim am Rhein, erhalten.

Führungen auf Anfrage unter kurtskaestchen@gmail.com oder www.marienkirche-aulhausen.de.

Nach jahrelanger Sanierung wird die Kirche am Sonntag mit einem Festgottesdienst und 200 geladenen Gästen wiedereröffnet. Der ehemalige Limburger Bischof Franz Kamphaus, der im Vincenzstift lebt und arbeitet, wird die Messe feiern.

„Wir wollten hier etwas schaffen, für das Besucher gerne nach Aulhausen kommen“, sagt Caspar Söling. Söling leitet das Sankt Vincenzstift, eine Einrichtung der Jugend- und Behindertenhilfe des Bistums Limburg, zu der die Marienkirche gehört. Als Söling 2006 die Leitung des Stifts übernahm, „war das Innere der Kirche grau und vergilbt, der Schatz, den wir mit ihr haben, nicht erkennbar“, berichtet er.

Heute strahlt die Kirche wieder eine Würde aus, wie sie sich Söling damals gewünscht hat. „Wir haben bewusst die Kargheit aufgegriffen, die diese Kirche ursprünglich einmal hatte“, sagt Söling. Das Kirchenschiff ist leer, die Wände hell gekalkt, lediglich ein grauer Altarstein, ein Pult und die aus Eichenholz geschnittene Jesus-Figur stehen darin. Bei Bedarf werden Stühle aufgestellt. In den grauen Estrichboden eingelassen sind schmale Metallbänder, die die Umrisse eines Engels nachzeichnen.

Spektakulär sind die Fenster gestaltet. Vor einem rosa Hintergrund sind dort Gottvater und Sohn mit dem als Taube gestalteten Heiligen Geist zu sehen. Eine kleine rätselhafte Figur hat sich in die Dreifaltigkeitsdarstellung geschlichen – ein Abbild des Teufels? Oder der Künstler selbst?

„Andreas Skorupa, der das Bild geschaffen hat, wird es Ihnen nicht erklären können“, sagt Christiane Cuticchio, die das Atelier Goldstein leitet. Als vollständiger Autist teile sich Skorupa, der insgesamt acht Fenster entworfen hat, nicht mit Worten, sondern mit seiner Kunst mit.

Auf der gegenüberliegenden Seite, im Chor, ist eine Wiederauferstehungsszene zu sehen. Die Fenster entlang des Kirchenschiffs stellen den Urknall dar oder Abraham und Isaak. Ein Fenster ist gefüllt mit sauber gezeichneten Buchstaben, die das Hohelied Salomos auf die Liebe zitieren. Ein anderes trägt Ziffern, die jede Minute eines Tages beschreiben.

Julius Bockelt hat die hölzerne Jesus-Figur geschaffen.  Foto: Elena Osmann

Künftig soll ein Katalog Besuchern Auskunft über die Kunstwerke geben, auch Führungen können gebucht werden. Im September soll ein etwa 24 Kilometer langer Pilgerpfad eröffnet werden, der vom Kloster Eberbach nach Aulhausen führt und weitere Besucher in das Vincenzstift bringen soll.

Bevor die Kirche neu gestaltet werden konnte, musste sie grundlegend saniert werden. „Wir mussten Empore oder andere Einbauten aus der Nachkriegszeit entfernen, die Statik verbessern, Fundamente bauen“, berichtet Stephan Dreier, dessen Architekturbüro in Brechen bei Limburg die Arbeiten leitete.

Rund 450 000 Euro hat die Sanierung gekostet, weitere 400 000 Euro die künstlerische Gestaltung. Einen Großteil des Geldes brachten Stift und Bistum auf, 130 000 Euro kamen von der Aktion Mensch, 100 000 Euro von privaten Spendern.

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