Zur Zukunft von Martin Elsässers bestem Bauwerk, der Frankfurter Großmarkthalle, können seine Nachkommen "nichts mehr sagen". So befassen sie sich also jetzt damit, "das ideelle Erbe zu bewahren", wie Regine Elsässer am Mittwoch sagte, eine der Enkelinnen des Architekten der Frankfurter May-Ära.
Es war der Tag der Vorstellung der "Martin Elsaesser Stiftung" und man traf sich in dem früheren, 1925 errichteten Wohnhaus der Familie im Ginnheimer Höhenblick 37. Dass diese Stiftung sich ab jetzt um die überall verstreuten Dokumente und die vergessenen Spuren des Stammvaters kümmern kann, hat damit zu tun, dass die Nachkommen die Großmarkthalle aufgeben mussten. Dass sie den Urheberrechtsstreit um die unbeschädigte Erhaltung der Großmarkthalle abgebrochen haben.
Als Baudirektor und Leiter des städtischen Hochbauamts kam Martin Elsässer 1924 ins Team für das Neue Frankfurt .
Stadtbaurat Ernst May hatte für den in Tübingen Geborenen eigens eine neue Stelle geschaffen.1933 musste Elsässer auf Druck der Nazis abtreten.
Ab 1926 nahm Elsässer den Bau der von ihm entworfenen Großmarkthalle in Angriff, die in absehbarer Zeit zum Entree der geplanten Hochhaustürme der Europäischen Zentralbank auf dem Ostend-Gelände werden wird.
Die neue Martin Elsaesser Stiftung will den verstreuten, fragilen Nachlass zusammenführen, sichten und wissenschaftlich aufbereiten lassen. clau
Dafür liegen jetzt dreimal 100.000 Euro als Stiftungsmittel auf ihrem Konto, zweimal 100.000 stammen von der Stadt und der Europäischen Zentralbank, die damit den Umbau der denkmalgeschützten Halle durchsetzen konnten. Die dritte Tranche der Summe hat die Familie selber aufgebracht. Im Bau ist der neue Sitz der Bank deshalb trotzdem nicht.
Wie EZB-Sprecherin Andrea Jürges auf der Terrasse des ehemaligen Elsässer-Wohnhauses erläuterte, sichtet die Bank nach wie vor die Angebote der Baufirmen. Doch zeige sich "die Preislage" seit 2007 entspannt. Man rechne inzwischen damit, für die von der EU freigegebene Summe von einer halben Milliarde Euro auch bauen zu können. Wenn ja, werde die Bank an den neuen Platz "2014 umziehen".
Offiziell beließen es die Erben des Architekten und früheren Frankfurter Stadtbaudirektors Martin Elsässer dabei, von "einer für die Beteiligten gewiss nicht angenehmen Situation" zu sprechen, wie es der Enkel Thomas Elsaesser tat. Konrad Elsässer, der Neffe und "Frankfurter Repräsentant der Stiftung", lobte dagegen "die einmalige und beispielhafte Kooperation" zwischen einer Familie, einer Stadt und einer europäischen Institution.
Weil die acht Frankfurter Jahre des Baumeisters als die wichtigsten anzusehen seien, ist Frankfurt der Stiftungssitz. Hier nämlich, wo Schulen, Schwinmmbäder, Klinikbauten und die Niederurseler Gustav-Adolf-Kirche vom Können Elsässers zeugen, habe "das Schaffen seinen Höhepunkt" gehabt - ehe er von den Nationalsozialisten "aus seiner viel versprechenden Karriere gedrängt wurde".
Als "so etwas wie der Pate" der Stiftungsgründung wurde der Architekt Christoph Mäckler eingeführt. Der pries ("Schauen Sie sich mal die Verfugung an!") die Backstein-Architektur des Höhenblick-Wohnhauses, in dem heute das Schweizer Generalkonsulat residiert. Martin Elsässer habe zwar "in der Zeitsprache der Zwanziger Jahre" gebaut, dabei aber "nicht laut schreiend alles über Bord geworfen" sondern "die Architekturgeschichte in die Moderne hineingetragen". Was sich an vielen Details zeige, etwa an Pfeilern, Sprossenfenstern oder auch an den Außenlaternen.
Laut Mäckler ist Martin Elsässer bisher "viel zu wenig gewürdigt" worden. Er habe es vermocht, "aus einem Bauwerk ein Kunstwerk zu machen".

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