Enzensberger diskutiert mit Grünbein
Alles begann mit Ingeborg Bachmann. Das war 1959. Die junge österreichische Dichterin kam nach Frankfurt und hielt an der Johann Wolfgang-Goethe-Uni-versität die erste "Stiftungs-gastdozentur für Poetik". Seither hat in fast jedem Jahr ein Schrift-steller oder eine Autorin über sein oder ihr Selbstverständnis kreativer Arbeit in Vorlesungen Auskunft gegeben. Sarah Kirsch war unter den Dozenten, ebenso Uwe Johnson, Heinrich Böll oder Günter Grass. Im Publikum saß in den 80er und 90er Jahren oft Siegfried Unseld, der Verleger des Suhrkamp Verlages - und nicht selten stellte er hinterher die erste Frage, um die Diskussion in Gang zu bringen.
Suhrkamp ist bis heute Partner der Poetik-Dozentur - und will es auch nach dem Umzug des Verlages Anfang 2010 nach Berlin bleiben. Einmal scheiterte freilich auch der eloquente Unseld. Als 1982 Wolfgang Koeppen nach Frankfurt kam, um in seinen Vorlesungen die Frage zu beantworten: "Ist der Schriftsteller ein unnützer Mensch?"eröffnete Unseld die Debatte mit der Frage, ob denn Koeppens großes Werk über die Bonner Republik "Das Treibhaus" ein Schlüsselroman sei. Koeppens legendäre Antwort: "Nein". Das war alles. Wenn jetzt das 50-jährige Jubiläum der Poetik-Dozentur gefeiert wird, sind die Gäste wohl gesprächiger. Hans-Magnus Enzensberger und Durs Grünbein, prägende Dichter ihrer Generation, diskutieren über das dichterische Handwerk und das Wechselspiel zwischen Literatur, Gesellschaft und Wissenschaft. Am Sonntag, 29. November, ab 11 Uhr, im Sendesaal des HR, in der Bertramstraße 8. Karten gibt es zu acht Euro unter der Ruf-nummer 069/155-2000). jg
Mathias Weber konkurriert mit Google
Er ist täglich lange im Internet unterwegs, stets auf der Suche nach "neuen Webseiten und Geheimtipps". Seit zehn Jahren gibt Mathias Weber in Frankfurt das "Web-Adressbuch für Deutschland" heraus. Mit fünf festen und einer Handvoll freien Mitarbeitern seines mw-Verlages recherchiert er jedes Jahr vom Frankfurter Nordosten aus "die 6000 wichtigsten deutschen Internet-Adressen". Gerade ist das Adressbuch 2010 erschienen, diesmal mit einem "Spezial Gesundheit&Wellness". Der 40-jährige Weber versteht sich als echte Konkurrenz zu Google: "Man spart sich das ewige Herumsurfen und Durcharbeiten der Trefferlisten in Suchmaschinen". Das Adressbuch gliedert sich in Themengebiete von "Einkaufen" bis "Politik und Behörden". Der Computer-Freak ist mit dem Erfolg zufrieden: 440 000 Exemplare seines Adressbuchs sind bisher erschienen. jg
Thomas Lemke und die Politik des Lebens
Michel Foucault hat ihn ebenso definiert wie Antonio Negri - den Begriff der Biopolitik. Der setzt sich damit auseinander, wie gesellschaftliche Kontrolle sich direkt auf den Körper jedes Einzelnen auswirkt. Angefangen bei der Aufklärung über gesunde Ernährung bis hin zum Aufheben des Versicherungsschutzes für Menschen, denen ein zu hohes Erkrankungsrisiko aufgrund ihres Erbgutes attestiert wird. Wie er den Begriff der Biopolitik definiert, wird der Frankfurter Soziologe Thomas Lemke während eines Vortrags- und Gesprächsabend darlegen. Mit von der Partie ist am Dienstag, 24. November, der Berliner Künstler Stephan Geene. Der Mitbegründer von b_books stellt seine Projekte und den Einfluss der Biopolitik darauf vor. Das Duo trifft bei basis an der Gutleutstraße 8-12 aufeinander, der Abend beginnt um 19 Uhr und ist Auftakt einer dreiteiligen Serie. ssl