Die ersten Sorten sind bereits zu erkennen. Möhren und Salatköpfe lugen in langen Reihen aus der Erde. Vor den fein säuberlichen Parzellen stehen kleine Schilder mit dem Namen des jeweiligen Feldabschnitts: "Lotti Karotti", "David und Fabians Gemüsegarten", "Avalon", "Naschgarten". Bei letzterem handelt es sich um Thea Bosolds Gemüsebeet - zumindest für eine Saison.
Bis Oktober bewirtschaftet die Krankenschwester eine 50 Quadratmeter große Parzelle. Kartoffeln, Zucchini, Zuckermais, Möhren und Salat sind nur ein Teil der bisher angepflanzten Sorten. Gesät von Landwirt Sven Kötter, dem Eigentümer. Er bepflanzte sein Feld in Längsreihen mit insgesamt 20 Gemüsesorten und unterteilte es anschließend in unterschiedlich große Gärten, die seit Mai für eine Saison lang gemietet werden können. Die vorübergehenden Eigentümer müssen sich lediglich um Pflege und Ernte kümmern.
Die beiden Gründerinnen, Natalie Kirchbaumer und Wanda Ganders aus Bonn, kamen aus eigenem Bedarf auf "Meine Ernte". Ihre Erfahrung besagt, dass immer mehr Städter selber gärtnerisch aktiv werden wollen, aber längerfristige Engagements scheuen.
Gut die Hälfte der Parzellen ist übrigens noch frei. Fertig bepflanzt warten sie auf ihren neuen Eigentümer. Wer Interesse daran hat, sein eigenes Gemüse zu ziehen und zu ernten, kann sofort loslegen. Informationen zum Projekt gibt es auf www.meine-ernte.de und unter Telefon 0228/28617119.
Die Idee stammt von Natalie Kirchbaumer und Wanda Ganders, zwei jungen Unternehmerinnen aus Bonn. "Meine Ernte" heißt das Konzept, mit dem die beiden dieses Jahr erstmalig in sechs deutschen Städten starten. Dass sie sich in Frankfurt für Nieder-Erlenbach entschieden, liege an der idyllischen und stadtnahen Lage, erklärt Ganders. Außerdem habe man in Kötter den idealen Partner für das Projekt gefunden.
Ohne Garten kein Gemüse
Ganders und Kirchbaumer sind selbst Hobbygärtnerinnen. Die Idee zu "Meine Ernte" kam ihnen vergangenes Jahr "aus eigenem Bedarf". Sie überlegten, wie man als Städter ohne Garten frisches Gemüse ziehen könnte. Und kamen so auf eine Zusammenarbeit mit Landwirten. Gesagt, getan.
Die beiden gründeten Ende 2009 "Meine Ernte". Gemeinsam mit Kötter kümmern sie sich um Vorbereitung des Feldes wie Beratung der Mieter. Dem Landwirt bietet das Projekt ein zweites Ertragsstandbein und neue Kundenkontakte für seinen Hofladen.
25 Parzellen wurden bisher übergeben. An junge Familien mit Kindern ebenso wie an ältere Menschen. Die Mieter konnten sich zwischen 50, 100 und 150 Quadratmeter Anbaufläche entscheiden, je nach Bedarf. Bosold hat die kleinste Option gewählt, da sie in einem Zwei-Personen-Haushalt lebt. 149 Euro sind das für die Saison. Preislich werde sich das wahrscheinlich nicht lohnen, meint sie, vor allem weil Gemüse im Supermarkt so billig sei.
Dennoch hat "Meine Ernte" Bosold sofort angesprochen, als sie in der Zeitung darüber las. "Es ist das ideale Konzept für mich", sagt die 48-Jährige. So könne sie ihren grünen Daumen austesten und endlich einmal mehr ernten als nur Tomaten auf dem Balkon. Ihren Gemüsebedarf werde sie dieses Jahr mit Sicherheit decken. Wahrscheinlich könne sie einige Sorten sogar verschenken oder für den Winter einfrieren.
Mitten im Feld steht ein kleines Häuschen, mit Hacken, Rechen, Spaten, Gieskannen u nd Wasserfass darin für die Gemüsegärtner. Kötter bietet auch wöchentliche Gartensprechstunden und Hilfe bei der Neubepflanzung an. Ein Teil des Gemüsegartens steht den Mietern nämlich für eigene Wünsche zur Verfügung.

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